Magazin | 19.07.2026 | 08:30

FC Insel Usedom: Fußball spielen, wo andere Urlaub machen

"Zum Glück liegt die Anlage idyllisch im Wald": Der FC Insel Usedom kämpft gegen den Wind.[Foto: FC Insel Usedom]

Während Touristen die Strandpromenade entlang flanieren, Kinder Sandburgen bauen und Familien auf Sonnenliegen faulenzen, startet für die Fußballer des FC Insel Usedom ein paar Meter weiter die Vorbereitung auf die neue Saison in der Kreisoberliga. Es ist eine Konstellation, die im deutschen Amateurfußball nicht allzu häufig vorkommen dürfte: Der FC Insel Usedom ist dort zu Hause, wo während der Sommerferien touristischer Hochbetrieb herrscht. FUSSBALL.DE hat sich vor Ort umgesehen.

Beim FC Insel Usedom beginnt in Kürze eine besondere Zeit. Feriengäste aus ganz Deutschland beleben die Insel an der Ostsee, reisen an und verbringen dort ihren Sommerurlaub - und parallel dazu geht es am Sportplatz am Fischerweg in die Saisonvorbereitung. Nachdem die vergangene Spielzeit für die Inselfußballer mit Rang acht in der Kreisoberliga eher enttäuschend endete, soll es in der neuen Serie, die Ende August beginnt, deutlich besser laufen.

Die Realität ist klar: Die Kreisoberliga ist die vorletzte Spielklasse, darunter kommt nur noch die Kreisliga. Vor zwei Jahren spielte der Verein noch in der Landesklasse - also eine Liga höher. Und genau dorthin soll der Weg des FC Insel Usedom wieder führen. "Wir haben den Aufstieg schon im Blick", sagt Rico Gohlke, Spielertrainer der Herrenmannschaft. "Ich hoffe, dass das in der neuen Saison klappt. Wir haben eine gute Mannschaft mit vielen jungen und motivierten Spielern. Dennoch wird es nicht einfach. Es muss vieles funktionieren, aber ich bin zuversichtlich. Denn wir haben ein gutes Team, das zusammenhält und gemeinsam erfolgreich sein will."

"Es kommt immer auch der eine oder andere Groundhopper vorbei, der hier die Sommerferien verbringt und sich für den Fußball auf der Insel interessiert"

Hinter dem Verein liegt eine Phase des Umbruchs und der Konsolidierung. Es ist noch gar nicht so lange her, da setzten die Verantwortlichen gerne auf Spieler, die im polnischen Teil der Insel lebten und nur zum Fußballspielen anreisten. Dieses Modell spülte den Klub zwar sportlich nach oben - in der besten Zeit bis in die Landesliga. Doch die Identifikation mit der Region und den Einheimischen blieb dabei auf der Strecke. "Wir haben dann irgendwann entschlossen, fast ausschließlich auf Jungs zu setzen, die tatsächlich in unmittelbarer Umgebung wohnen und die stolz sind, das Trikot unseres Vereins zu tragen", sagt Gohlke. Dieses Umdenken führte zwar zum Abstieg aus der Landesklasse. Dafür ist der FC Insel Usedom inzwischen wieder ein Verein, der einen echten Bezug zur Insel hat.

Der Sommer ist beim FC Insel Usedom traditionell eine besondere Jahreszeit. Immer wieder schauen fußballinteressierte Urlauberinnen und Urlauber beim Training oder bei Spielen vorbei und nehmen sich als Andenken ein Trikot oder einen Schal des FC Insel Usedom mit nach Hause. "Wir lassen vor jeder Saison ein paar Trikots mehr produzieren, weil wir auf diese Weise unsere Vereinskasse etwas füllen können", sagt Gohlke. "Es kommt immer auch der eine oder andere Groundhopper vorbei, der hier die Sommerferien verbringt und sich für den Fußball auf der Insel interessiert." Für den Verein ist das eine kleine, aber willkommene Besonderheit: Besucher, die sonst Stadien in ganz Deutschland "abhaken", stehen plötzlich am Fischerweg am Rand und fragen nach Vereinsfarben, nach der Geschichte - und nach dem nächsten Heimspiel.

Kampf mit dem Wind

Den FC Insel Usedom gibt es in dieser Form erst seit 2003. Die Gründungsidee war sinnvoll: Mehrere kleinere Vereine auf Usedom - darunter die Ostseestrandlöwen aus Heringsdorf und der FSV Medizin Bansin - sollten verschmelzen, um auf der Insel eine starke Kraft zu schaffen. Daraus entstand der FC Insel Usedom. Ziel der Fusion war es, zwei schlagkräftige Mannschaften für die Bezirksliga und die Kreisoberliga zu stellen.

Dieses Vorhaben funktionierte allerdings nicht vollständig. Die Konstellation sieht mittlerweile so aus, dass die Herrenmannschaft das einzige eigenständige Team des Vereins ist. Im Nachwuchsbereich gibt es eine Spielgemeinschaft mit Eintracht Ahlbeck, die den Namen SG Kaiserbäder trägt. Der 36 Jahre alte Gohlke selbst ist seit 2013 dabei - erst als Spieler, seit der vergangenen Saison als Spielertrainer. Wer mit ihm spricht, merkt schnell: Hier geht es nicht um ein Nebenprojekt, sondern um etwas, das man auf der Insel zusammenhalten will.

Besonders ist beim FC Insel Usedom auch die Infrastruktur. Die Anlage liegt fußläufig nicht mal einen Kilometer vom Strand entfernt - so nah, dass man während der Vorbereitung tatsächlich zum Strand joggen und dort auch mal eine Einheit Beachsoccer einlegen kann. Gleichzeitig hat der Standort seine eigene Herausforderung: den Wind, der auf der Insel fast immer präsent ist. "Das ist tatsächlich manchmal herausfordernd, besonders natürlich im Herbst", erklärt Gohlke. "Zum Glück liegt unsere Anlage relativ idyllisch im Wald. Da geht es noch einigermaßen." Trotzdem: Wer hier trainiert, lernt automatisch, mit Böen umzugehen - bei Flanken, bei langen Bällen und manchmal auch bei ganz simplen Standards.

Doch nicht nur beim FC Insel Usedom selbst funktioniert Fußball ein bisschen anders als bei tausenden weiteren Amateurvereinen in Deutschland. Auch für die Teams, die zu Auswärtsspielen anreisen, ist die Tour nicht alltäglich. Sie müssen eine der beiden Brücken nehmen, die das Festland mit der Insel verbinden - und je nach Verkehr beginnt das Spielgefühl schon auf der Anfahrt. An schönen Tagen fühlt sich ein Spiel beim FC Insel Usedom wie ein Kurzurlaub an: Meerluft, Ferienbetrieb, Strandnähe. Und wenn die Gäste dann vielleicht sogar noch drei Punkte im Reisegepäck haben, fährt es sich zurück aufs Festland gleich noch ein bisschen leichter.