Magazin | 18.07.2026 | 07:30

Weis coacht Schwäbisch Hall: Den "kleinen Riesen" größer machen

"Begegnen uns auf Augenhöhe": Weis (r.) trainiert die Sportfreunde Schwäbisch Hall.[Foto: Spfr Schwäbisch Hall]

Beim Trainingsauftakt Ende Juni ging es gleich ordentlich zur Sache. Seit dem Start in die Vorbereitung hatten die Spieler der Sportfreunde Schwäbisch Hall lediglich einen Tag frei - egal, wie heiß es war und ist. Professionelle Bedingungen herrschen beim Verbandsligisten aus Württemberg, dafür sorgt schon der Trainer. Sein Name ist Tobias Weis, langjähriger Bundesligaspieler unter anderem bei der TSG Hoffenheim. Im FUSSBALL.DE-Interview erklärt der 40 Jahre alte Ex-Nationalspieler, warum er sich bewusst für ein Engagement im Amateurfußball entschieden hat.

FUSSBALL.DE: Herr Weis, wie läuft es in den ersten Tagen seit Ihrer Rückkehr zu Ihrem Heimatverein?

Tobias Weis: Ich bin bisher sehr zufrieden. Die Jungs arbeiten vom ersten Tag an gut mit, so habe ich mir das vorgestellt. Wir haben auch bereits den kompletten Kader zusammen. Das ist mir auch wichtig, denn so können wir uns schnell finden und einspielen.

"Nach über zehn Jahren im Profigeschäft war es für mich wichtig, raus aus dieser Blase zu kommen"

War es klar, dass Sie irgendwann einmal wieder bei den Sportfreunden Schwäbisch Hall landen würden, wo Sie als Kind Fußball gespielt haben?

Weis: Ich bin in Schwäbisch Hall geboren und aufgewachsen, daher habe ich natürlich einen engen Bezug zum Ort und zum Verein. Als ich jetzt als Trainer zu den Sportfreunden zurückgekehrt bin, sind schon einige Menschen auf mich zugekommen und haben gesagt: "Tobi, weißt du noch, wie du früher hier als kleiner Bengel rumgelaufen bist?" (lacht) Das ist alles sehr herzlich und nett, aber ich muss zugeben, dass ich mich nicht an alles von damals erinnern kann. Dafür ist es zu lange her.

Müssen Sie denn noch Autogramme schreiben, oder wollen die Leute Selfies mit Ihnen machen?

Weis: Das kommt ab und zu vor, aber das mache ich gerne. Grundsätzlich aber habe ich mit dem Kapitel Profifußball abgeschlossen. Ich bin mit zehn Jahren zum VfB gegangen und hatte eigentlich gar keine richtige Kindheit. Damals haben mich meine Eltern fast jeden Tag von Schwäbisch Hall nach Stuttgart gefahren, mittags nach der Schule ging es direkt ins Auto, dort habe ich schnell was gegessen und auf dem Rücksitz meine Hausaufgaben gemacht. Ich bin meinen Eltern sehr dankbar dafür, was sie für damals für mich auf sich genommen haben, aber jetzt muss ich sagen: Nach über zehn Jahren in dem Geschäft war es für mich wichtig, raus aus dieser Blase zu kommen.

Viele ehemalige Spieler wollen nach dem Ende ihrer aktiven Karriere möglichst in einer anderen Funktion im Profigeschäft bleiben, zum Beispiel als Trainer. Sie nicht?

Weis: Nein, ich habe nach meiner letzten Station im Profifußball beim VfL Bochum einen Schnitt gemacht und andere Prioritäten gesetzt. Statt Fußball stand erst einmal die Familie im Vordergrund, außerdem habe ich in Ludwigsburg ein Restaurant eröffnet und noch ein Jahr beim TSV Weilimdorf gekickt. Dass ich irgendwann Trainer werde, war da überhaupt nicht klar.

Bis zu Ihrer ersten Trainerstation bei der TSG Oehringen vergingen danach vier Jahre…

"Ich hatte auch Anfragen, als Co-Trainer in der ersten Liga anzufangen, aber ich wollte in den Amateurfußball und habe mich bewusst für einen kleineren Verein entschieden"

Weis: So ist es. Ich hatte auch Anfragen, als Co-Trainer in der ersten Liga anzufangen, aber ich wollte in den Amateurfußball und habe mich bewusst für einen kleineren Verein entschieden.

Was sind Sie für ein Trainertyp?

Weis: Ich bin ein Trainer mit einer klaren Spielidee und klaren Werten. Ich fordere von meinen Spielern viel Einsatz, Disziplin und Intensität, gebe ihnen aber gleichzeitig jeden Tag die Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln. Mir ist wichtig, dass jeder seine Aufgabe kennt, wir offen und ehrlich miteinander kommunizieren und als Mannschaft geschlossen auftreten. Ich bin ehrgeizig, arbeite sehr detailorientiert und möchte mit meiner Mannschaft mutigen, intensiven Fußball spielen.

Schauen die Spieler zu Ihnen als Fußballer auf? Die wissen doch, wo Sie gespielt haben! Oder sind Sie einfach der "Trainer" oder der "Tobi"?

Weis: "Coach" oder "Tobi" ist vollkommen in Ordnung. Ich möchte, dass wir uns auf Augenhöhe begegnen. Es soll keine Rolle spielen, dass ich mal in der Bundesliga unterwegs war. Wenn ich ihnen aber gewisse Dinge vermitteln kann, die ich in meiner Karriere mitgenommen habe, dann profitieren im besten Fall beide Seiten davon. Mir kommt es darauf an, die Jungs möglichst besser zu machen, denn wir wollen bei den Sportfreunden Schwäbisch Hall etwas aufbauen.

Was ist konkret geplant?

Weis: Ich empfinde meinen Heimatverein als "kleinen Riesen". Wir möchten an den Strukturen arbeiten und haben jetzt auch wieder eine zweite Mannschaft für den Spielbetrieb angemeldet. Vor allem aber geht es darum, den Nachwuchs stärken. Wir wollen ein klares Zeichen an die Jugend setzen, dass es sich lohnt, für die Sportfreunde Schwäbisch Hall zu spielen. Wir wollen in Schwäbisch Hall etwas Nachhaltiges aufbauen. Junge, hungrige Spieler sollen sich bei uns Woche für Woche weiterentwickeln. Gleichzeitig wollen wir eine Mannschaft formen, die jeder sofort erkennt: mutig, intensiv, laufstark und als echte Einheit. Wenn wir diesen Weg konsequent gehen, wird sich der sportliche Erfolg langfristig einstellen.