Julie Mews: "Unglaublich stolz auf die Torjägerkanone"
Julie Mews: "Kylian Mbappé und Lionel Messi finde ich großartig."[Foto: 1902.frames/Niko Schmidt]
Julie Mews von der neugegründeten 1. Eintracht Spandau war in der abgelaufenen Spielzeit gleich zweimal erfolgreich. Mit 66 Treffern in 28 Partien sicherte sich die 19 Jahre alte Angreiferin nicht nur die bundesweite Torjägerkanone für alle in der 6. Liga. Mit ihrer Treffsicherheit hatte sie auch maßgeblichen Anteil am Gewinn der Meisterschaft in der Bezirksliga Berlin und damit am Aufstieg in die Landesliga.
Dabei hatte sich die Auszubildende zur Sport- und Fitnesskauffrau erst vor einem Jahr nach dem Rückzug der Spandauer Kickers dem neugründeten Klub angeschlossen. "Da habe ich wohl die richtige Entscheidung getroffen", sagt Mews im Gespräch mit FUSSBALL.DE mit einem Grinsen im Gesicht. "Wir haben ein sehr gut funktionierendes Team. Die hohe Anzahl an Toren ist das Produkt einer komplett starken Mannschaftsleistung. Ich kann mich nur bei meinen Mitspielerinnen bedanken, die mich über die gesamte Saison sehr gut unterstützt und optimal eingesetzt haben."
"Anfangs wollte ich zu viel"
Dabei hatte sich der mögliche Gewinn der Torjägerkanone nicht immer nur positiv auf ihre gezeigten Leistungen ausgewirkt. "Tatsächlich habe ich erst nach der Winterpause öfter auf das Ranking geschaut", so Julie Mews. "Meine Mitspielerinnen wollten unbedingt, dass ich die beste Torjägerin in Deutschland werde. Ich kam damit anfangs nicht klar, wollte zu viel und habe nicht mehr so locker aufgespielt, wie es noch zu Saisonbeginn der Fall war."
Die Folge waren einige Rückschläge. "Ich habe zahlreiche Großchancen liegengelassen, so dass ich eigentlich noch deutlich mehr Tore hätte erzielen können", gibt sie ehrlich zu. Immerhin reichte es am Ende, um mit jeweils zwei Treffern Vorsprung vor Emilie Mehlitz (TSV Treuenbrietzen) und Muriel Schäpers (FC Oeding 25) die Kanone zu gewinnen.
Die Entscheidung fiel dabei erst im Saisonendspurt. "Am letzten Spieltag ist mir beim 4:2 beim Lichtenrader BC noch ein ganz wichtiger Treffer gelungen", erinnert sich Julie Mews. "Ich bekam danach von vielen Leuten Glückwünsche, was mich unglaublich stolz macht. Viel wichtiger ist aber, dass wir mit dem Team Meisterinnen geworden sind und den Aufstieg in die Landesliga geschafft haben."
Schon im Alter von sechs Jahren begann Julie Mews bei Tennis Borussia Berlin mit dem Fußball, schaffte es später bei Hertha 03 Zehlendorf sogar in den Kader für die damalige Staffel Nord/Nordost der B-Juniorinnen-Bundesliga. Es folgte jedoch eine zweijährige Fußballpause. "Damals bin ich sehr oft ins Fitnessstudio gegangen, was mir nach und nach den Spaß am Sport zurückgegeben hat", erklärt Julie Mews. "Während dieser Zeit habe ich meinen Freund Noel kennengelernt, der bei den Spandauer Kickers spielte. Ich habe mir seine Spiele angeschaut und wieder Lust auf Fußball bekommen. Mittlerweile spielen wir beide für den 1. Eintracht Spandau."
"Mein Vater wollte immer einen Sohn, der Fußball spielt - jetzt hat er eine Tochter, die erfolgreich in seine Fußstapfen getreten ist"
Kein Wunder, dass der Fußball auch im Privatleben eine große Rolle spielt. "Wenn es zeitlich passt, schauen wir gegenseitig unsere Partien an", so die Torjägerin. "Zu Hause reden wir dann darüber und überlegen, was wir noch besser machen können. Aktuell schauen wir zusammen auch die Spiele bei der Weltmeisterschaft. Vor allem Kylian Mbappé mit seiner Geschwindigkeit und Lionel Messi mit seinen technischen Qualitäten finde ich großartig."
Genau wie vor einem Jahr, als sie mit großen Zielen ("Ich will mit der 1. Eintracht Spandau Titel gewinnen") zu ihrem aktuellen Klub gewechselt war, nimmt sich Julie Mews auch für die kommende Saison mit ihrem Verein sehr viel vor. "Wir wollen möglichst den nächsten Aufstieg in die Verbandsliga schaffen", kündigt sie zuversichtlich an. Auch diesmal will sie ihren Worten Taten folgen lassen, nicht zuletzt mit möglichst vielen Toren.
Einen wichtigen Termin wird Julie Mews allerdings schon im Herbst wahrnehmen, wenn sie im Rahmen eines Länderspiels der deutschen Nationalmannschaft die Torjägerkanone für die 6. Liga überreicht bekommt. "Ich fiebere diesem Event bereits entgegen", schwärmt sie. "Wenn alles klappt, darf ich ja bei einer der ersten Partien unter der Regie des künftigen Bundestrainers dabei sein. Für mich ist die Einladung eine große Ehre."
Julie Mews weiß auch schon genau, wer sich ganz besonders über die Auszeichnung freuen wird. "Ich werde den Gewinn der Trophäe meinem Vater André widmen, der früher selbst gekickt und mich immer unterstützt hat", verrät sie. "Er wollte immer einen Sohn, der Fußball spielt. Jetzt hat er eine Tochter, die erfolgreich in seine Fußstapfen getreten ist."