Rekordschütze Stoppelkamp bald in der 8. Liga
Als "Königstransfer" in die 8. Liga: Ex-Bundesligaprofi Moritz Stoppelkamp.[Foto: SG Lachendorf/Beedenbostel/dpa]
Er bestritt nie ein Länderspiel, gewann seinen einzigen Titel im Niederrheinpokal - 2008 war das, mit Rot-Weiss Essen. Dennoch hat sich Moritz Stoppelkamp in den Fußball-Geschichtsbüchern mit einem ganz besonderen Eintrag verewigt.
Am 20. September 2014 erzielte er im Heimspiel des SC Paderborn 07 gegen seinen Ex-Klub Hannover 96 in der Nachspielzeit aus 83 Metern das Tor zum 2:0-Endstand - und damit aus der größten Distanz, aus der jemals ein Treffer in der Bundesliga erzielt wurde. Die "Stoppelkamp-Allee" auf dem Paderborner Stadionvorplatz erinnert seitdem an das Rekordtor, das später in der ARD-Sportschau auch zum "Tor des Monats" gewählt wurde.
Nach seiner jüngsten Station beim ehemaligen Bundesligisten Rot-Weiß Oberhausen in der Regionalliga West zog Stoppelkamp jetzt im Alter von 39 Jahren einen Schlussstrich unter seine Profikarriere. Künftig kickt er für die SG Lachendorf/Beedenbostel in der Kreisliga Celle in Niedersachsen. Am 26. Juli soll er im Kreispokal gegen den MTV Langlingen sein Debüt geben. Erstmals in der 8. Liga könnte der technisch beschlagene Offensivspieler am 9. August gegen den VfL Westercelle II auflaufen.
"Sollte Moritz sein erstes Tor für uns schießen, muss er definitiv eine Kiste Kaltgetränke in die Kabine stellen - da kann er machen, was er will"
Warum es den gebürtigen Duisburger Stoppelkamp nach zuletzt fast zehn Jahren in seiner Heimat im Ruhrgebiet (MSV Duisburg/Rot-Weiß Oberhausen) nun nach Niedersachsen verschlug, ist nicht zuletzt der Freundschaft zu Ex-Profi Konstantin "Kocka" Rausch geschuldet, mit dem er schon bei Hannover 96 zusammengespielt hatte.
"Kocka ist schon seit zwei Jahren bei uns und der beste Freund von Moritz", verrät SG-Trainer Sascha Klein im Gespräch mit FUSSBALL.DE. "Beide wohnen mit ihren Familien relativ dicht beieinander, spielen in ihrer Freizeit Tennis und verbringen manchmal auch ihren Urlaub zusammen. Dass Moritz nun auch für uns aufläuft, ist eindeutig auf die Initiative von Kocka zurückzuführen. Dass ich nun in der Kreisliga gleich zwei Ex-Profis trainieren darf, ist für mich etwas ganz Besonderes", sagt der 55-Jährige, der im Berufsleben als Energieanlagen-Elektroniker seinen Lebensunterhalt verdient.
Dass die SG Lachendorf/Beedenbostel, die in der zurückliegenden Saison gerade noch den Abstieg verhindern konnte, nun automatisch die Spitzenplätze in der Kreisliga mitspielen wird, ist für den Trainer trotz des vielbeachteten "Königstransfers" unwahrscheinlich. "Wir wollen versuchen, oben mitzuspielen und unsere Gegner zumindest zu ärgern. Aber der Aufstieg in die Bezirksliga Lüneburg ist für uns von den Entfernungen zu den Auswärtsspielen her kein erstrebenswertes Ziel. Die kürzeste Fahrt würde 60 Kilometer bedeuten und die weiteste Fahrt wäre mit 120 Kilometern für uns schon fast wie eine Weltreise", erklärt Sascha Klein mit einem Grinsen.
Der Trainer weiter: "Mit Kocka und Moritz haben wir jetzt zwei erfahrene Spieler im Kader, die nur noch Spaß am Fußball haben wollen. Sie sollen den jungen Spielern Anweisungen und Sicherheit geben. Den Aufstieg als Ziel auszugeben, wäre sicherlich zu viel des Guten."
"Jeder kennt Moritz Stoppelkamp"
Einen positiven Effekt hatte aber allein schon die Nachricht, dass Moritz Stoppelkamp künftig für die SG Lachendorf/Beedenbostel auf Torejagd gehen wird. Im Kreis Celle wollen jetzt verstärkt junge Spieler dem Kader des Kreisligisten angehören, der mit Rausch und Stoppelkamp über geballte Bundesliga-Erfahrung verfügt.
"Jeder kennt Moritz Stoppelkamp und weiß, was er über viele Jahre im Profifußball geleistet hat", so Sascha Klein. "Solche Spieler verändern eine Mannschaft. Er bringt Qualität, Erfahrung und eine Siegermentalität mit, die man nicht trainieren kann. Tatsächlich haben wir schon einen externen Zugang verpflichtet, der nur wegen der beiden Ex-Profis zu uns kommen wollte."
Kapitän und Mittelfeldspieler Yalcin Agackiran, der mit Konstantin Rausch schon in der Jugend bei Hannover 96 zusammengespielt hatte, erklärte sich auch sofort bereit, das Trikot mit der Nummer "10" an den prominenten Zugang abzutreten. Schließlich war Stoppelkamp, der sich zu Beginn seiner Karriere noch despektierliche Spitznamen wie "Stolperkamp" oder "Verstolperkamp" anhören musste, ehe ihm der Durchbruch gelang, bei seinen zurückliegenden Stationen immer mit der "10" auf dem Rücken aufgelaufen.
In der Bundesliga absolvierte Stoppelkamp insgesamt drei Spielzeiten für Hannover 96 und den SC Paderborn 07. Den größten Teil seiner Karriere verbrachte der torgefährliche Spielgestalter in der 2. Bundesliga (223 Partien, 43 Tore). "Wir alle im Verein können es kaum abwarten, ihn im SGLB-Trikot auf dem Platz zu sehen", betont Trainer Sascha Klein - und fügt gleich mit einem Schmunzeln hinzu: "Sollte Moritz sein erstes Tor für uns schießen, muss er definitiv eine Kiste Kaltgetränke in die Kabine stellen - da kann er machen, was er will. Bei der Weihnachtsfeier müssen bei uns alle Zugänge außerdem ihre Gesangkünste vor versammelter Mannschaft vortragen. Auch darauf freue ich mich schon."