Magazin | 19.07.2026 | 09:30

Neu-Schalkerin Julia Debitzki: "Als Vorbild vorangehen"

Julia Debitzki: "Wir sind alle ganz gespannt, was auf Schalke zukünftig noch passieren wird."[Foto: FC Schalke 04]

Die langjährige Bundesligaspielerin Julia Debitzki läuft ab sofort für den Aufsteiger FC Schalke 04 in der Frauen-Regionalliga West auf. Zu den größten Erfolgen ihrer Karriere zählt der Gewinn der U 17-Europameisterschaft mit dem DFB-Team im Jahr 2008. Im FUSSBALL.DE-Interview spricht die 35-Jährige über ihren Wechsel in die 3. Liga, BVB-Zugang Alexandra Popp und einen besonderen Wunsch.

FUSSBALL.DE: Nach zehn Jahren beim MSV Duisburg und fünf Spielzeiten bei der SGS Essen haben Sie sich für einen Wechsel zum FC Schalke 04 in die Frauen-Regionalliga West entschieden. Was hat den Ausschlag gegeben, Frau Debitzki?

Julia Debitzki: Zum einen ist das gesamte Drumherum auf Schalke beeindruckend. Außerdem darf man nicht vergessen, dass ich mit 35 Jahren auch nicht mehr die Jüngste bin. (lacht) Ich wollte noch einmal ein neues Team und neue Leute kennenlernen.

War eine Vertragsverlängerung bei der SGS Essen nach dem Abstieg aus der Google Pixel Frauen-Bundesliga keine Option?

Debitzki: Doch, auf jeden Fall. Die SGS wollte auch mit mir verlängern. Der Abschied nach fünf Jahren, in denen ich mich sehr wohl gefühlt haben, war eine schwierige Entscheidung. Ich habe mich nicht gegen Essen, sondern für Schalke 04 entschieden.

Seit knapp zwei Wochen sind Sie mit dem Team im Training. Wie würden Sie Ihre ersten Eindrücke in Gelsenkirchen beschreiben?

Debitzki: Ich wusste vorher, dass Schalke 04 ein super Verein und inzwischen auch eine tolle Adresse für den Fußball der Frauen ist. Wir sind alle ganz gespannt, was auf Schalke zukünftig noch passieren wird und welche Möglichkeiten sich ergeben.

Was sind die größten Unterschiede, die Sie im Vergleich zum reinen Frauenfußballverein SGS Essen bereits festgestellt haben?

Debitzki: Wir hatten schon bei den ersten Trainingseinheiten viel mehr Publikum, als ich es vorher in Essen gewohnt war. Es ist ein schönes Gefühl, wenn man die Akzeptanz des Frauenfußballs dadurch noch ein wenig mehr zu spüren bekommt.

Der FC Schalke 04 startet als Aufsteiger in die neue Saison. Was nehmen Sie sich vor?

Debitzki: Wir wollen möglichst jedes Spiel gewinnen und versuchen, oben mitzuspielen.

"Die Vorfreude auf das Derby gegen den BVB ist groß - es wird für alle Beteiligten ein unvergesslicher Tag"

Besonders im Blickpunkt werden die Revierderbys gegen Borussia Dortmund stehen, nachdem der BVB den Gewinn der Meisterschaft zuletzt knapp verpasst hatte. Wie groß ist bei Ihnen und dem Team bereits die Vorfreude?

Debitzki: Ein Derby gegen den BVB, der über einen extrem starken Kader verfügt und wahrscheinlich fast schon erstligatauglich ist, hat auch im Frauenfußball eine ganz besondere Bedeutung. In diesen Partien müssen wir uns als Team beweisen. Die Vorfreude auf das Derby gegen en BVB ist groß - es wird für alle Beteiligten ein unvergesslicher Tag.

Sie werden dabei auf einige frühere Mitspielerinnen aus Essen, aber auch auf Ihre ehemalige DFB- und MSV-Teamkollegin Alexandra Popp treffen. Wie sehr wird die Frauen-Regionalliga West durch die langjährige Kapitänin der Frauen-Nationalmannschaft aufgewertet?

Debitzki: Alexandra hat mit ihrem Wechsel zum BVB ein deutliches Zeichen gesetzt. Dadurch steigt definitiv die Attraktivität der Liga und zeigt, dass auch in den unteren Ligen gut und viel gearbeitet wird.

Gemeinsam mit "Poppi" wurden Sie unter anderem U 17-Europameisterin 2008. Welche Erinnerungen haben Sie noch daran?

Debitzki: Auf und neben dem Platz ist "Poppi" eine starke Persönlichkeit, nie abgehoben und total zugänglich. Mit ihr damals gemeinsam den Titel zu gewinnen, war ein tolles Erlebnis.

Zahlreiche Spielerinnen des damaligen DFB-Kaders wurden später auch A-Nationalspielerinnen oder etablierten sich zumindest in der Frauen-Bundesliga. War es ein besonders guter Jahrgang?

Debitzki: Vor allem Dzsenifer Marozsan war ein absolutes Ausnahmetalent. Grundsätzlich steckte in der Mannschaft jedoch ein riesiges Potenzial. Wir haben nicht ohne Grund die Europameisterschaft gewonnen und sind bei der Weltmeisterschaft Dritte geworden. Wenn man bedenkt, für welche Topvereine meine damaligen Mitspielerinnen Svenja Huth, Alexandra Popp, Tabea Kemme oder Turid Knaak anschließend gespielt haben, sagt das auch jede Menge aus.

Sie haben in den 17 Jahren seit Ihrem ersten Bundesligaspiel unter anderem 180 Einsätze in der höchsten deutschen Spielklasse bestritten. Welche sportlichen Höhe- oder Tiefpunkte sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Debitzki: Meine beiden Kreuzbandrisse hatten mich nicht nur sportlich, sondern auch mental zurückgeworfen. Für mich war es unglaublich schwierig, mich aus diesem "Loch" zu befreien. Als junges Mädchen mit 16 Jahren im Kader einer Bundesligamannschaft zu stehen, gehört im Rückblick ganz klar zu den schönsten Momenten. Das ganze Drumherum bei den Auswärtsfahrten mitzuerleben, war einfach nur großartig. Unser Spiel mit der SGS Essen an der Alten Försterei bei Union Berlin werde ich so schnell auch nicht vergessen. Es war ein wahrer Gänsehautmoment, vor so einer großen Kulisse zu spielen.

Wie schaffen Sie es auch im vergleichsweise hohen Fußballerinnenalter immer noch, mit den jungen Spielerinnen mitzuhalten? Haben Sie ein "Geheimnis"?

Debitzki: Ich lege nach der Arbeit nicht unbedingt Extraschichten im Fitness-Studio ein, ernähre mich völlig normal. Anscheinend habe ich gute Gene. Ich weiß selbst nicht genau, warum mein Körper das alles so problemlos mitmacht. (lacht)

"Ein Heimspiel in der VELTINS-Arena wäre der perfekte Abschluss meiner Karriere - danach würde ich sofort die Schuhe an den berühmten Nagel hängen"

Bei Schalke 04 gehören Sie direkt zu den mit Abstand erfahrensten Spielerinnen. Wie würden Sie Ihre Rolle im Team beschreiben?

Debitzki: Ich bin mir meiner Vorbildfunktion bewusst, bin sehr ehrgeizig und will vorangehen. Ich habe für jede Spielerin immer ein offenes Ohr.

Worauf wird es ankommen, um in der Frauen-Regionalliga West möglichst sofort um die Spitzenplätze mitzuspielen?

Debitzki: Wir benötigen eine gute Struktur und starke Defensive. Vor dem Tor müssen wir unsere Chancen eiskalt nutzen. Wenn wir unser Potenzial ausschöpfen, kann es eine gute Saison werden.

Ihr langjähriger Verein MSV Duisburg meldet sich nach einem zwischenzeitlichen Absturz bis in die Niederrheinliga nun ebenfalls als Aufsteiger zumindest in der Regionalliga West zurück. Werden es für Sie besondere Duelle?

Debitzki: Grundsätzlich freut man sich immer, wenn man gegen seinen ehemaligen Verein spielt. Ich bin froh, dass der MSV die Kurve bekommen hat. Ich lebe in Duisburg und freue mich in der kommenden Saison auf die beiden Heimspiele gegen den MSV. (lacht)

Der FC Schalke 04 verfolgt auch beim Fußball der Frauen ambitionierte Ziele, will es zumindest mittel- bis langfristig bis in die Bundesliga schaffen. Haben Sie sich schon einmal vorgestellt, wie es wäre, ein Heimspiel in der VELTINS-Arena zu bestreiten?

Debitzki: Ein Heimspiel in der VELTINS-Arena wäre der perfekte Abschluss meiner Karriere - danach würde ich sofort die Schuhe an den berühmten Nagel hängen.