6:5 nach Vier-Tore-Rückstand: SVE Comet Kiel III wie die Bayern
Verrückter Spielfilm: Der SVE Comet Kiel III dreht einen Vier-Tore-Rückstand zum Sieg.[Foto: FUSSBALL.DE]
Der SVE Comet Kiel III hat in der Kreisklasse C - 9 Kiel etwas geschafft, was in der Bundesliga bislang nur dem FC Bayern München in der Saison 1976/1977 im Spiel beim VfL Bochum gelungen war: Der SVE drehte auswärts beim TSV Flintbek IV einen Vier-Tore-Rückstand noch in einen spektakulären 6:5 (2:5)-Erfolg.
Statt Karl-Heinz Rummenigge, Georg "Katsche" Schwarzenbeck sowie Gerd Müller und Uli Hoeneß (jeweils 2), die für den FC Bayern im Ruhrstadion aus einem 0:4 ebenfalls noch ein 6:5 machten, hießen bei den Kielern die Torschützen Tan Ju Secme, Dennis Voss, Lucas Wilhelm (2), Saleh Allash und Ljubisa Ibraimovic. "Es ist immer noch schwierig, Worte zu dieser Partie zu finden", sagt SVE-Trainer Kosta Schröder, der das Team gemeinsam mit seiner "rechten Hand" Fabian Hökendorf betreut, im Gespräch mit FUSSBALL.DE.
"In der Kabine war trotz des 2:5 zu spüren, dass das Team weiterhin an sich glaubt"
Besonders bemerkenswert: Für Schröders Team war es nicht nur das erste Saisonspiel. Die dritte Mannschaft wurde auch erst in diesem Sommer neu ins Leben gerufen. Ein Teil des Kaders hatte bereits zuvor bei einem anderen Klub zusammengespielt, ehe die Spieler zusammen mit weiteren Zugängen zum SVE Comet Kiel wechselten. "Die Verantwortlichen des Vereins haben uns vom ersten Moment an unterstützt und Wertschätzung entgegengebracht", so Schröder. "Wir hatten direkt das Gefühl, willkommen zu sein."
In der neuen Zusammenstellung des Teams sieht der 52-Jährige auch einen der Gründe dafür, dass der TSV Flintbek IV innerhalb von vier Minuten durch Per Magnus Böschen (4.), ein Eigentor von Dennis Möller (7.) und Julius Laurin Schawaller (8.) auf 3:0 davonzog. "Wir haben unsere Spieler dort aufgestellt, wo wir anhand unserer Erfahrung dachten, dass sie am besten aufgehoben wären", beschreibt der Trainer. "Wir haben aber keine Zuordnung gefunden und uns zu viele einfache Fehler geleistet."
Auch der verwandelte Elfmeter von Tan Ju Secme (14.) zum 1:3 brachte noch nicht die gewünschte Stabilität. "Ein Treffer aus dem Spiel heraus hätte wohl eine größere Wirkung gehabt", meint Schröder. Stattdessen erhöhten Tjark Andreas Petersen (28.) und erneut Julius Laurin Schawaller (31.) auf 5:1 für die Gastgeber. Den letzten Treffer vor der Pause erzielte aber der SVE Comet Kiel III durch Dennis Voss (43.) zum 2:5.
Zweite Halbzeit 4:0 gewonnen
"In der Kabine war trotz des 2:5 zu spüren, dass das Team weiterhin an sich glaubt", erklärt der Kieler Trainer. "Wir haben auf einigen Positionen umgestellt und uns taktisch neu ausgerichtet. Unser Plan war, unseren Stürmer Lucas Wilhelm mehr anzuspielen. Denn ich hatte schon den Eindruck, dass die Defensive des Gegners nicht so stabil steht, wie uns das im ersten Durchgang vorkam. Wir waren bei unseren Aktionen im letzten Drittel häufig zu umständlich."
Die Veränderungen zeigten schnell Wirkung. Lucas Wilhelm (48.) und ein verwandelter Elfmeter von Saleh Allash (52.) brachten die dritte Mannschaft des SVE Comet Kiel schon kurz nach dem Beginn der zweiten Halbzeit wieder in Reichweite. "Es war vermutlich kein Nachteil, dass der TSV Flintbek weiterhin mit offenem Visier gespielt hat, anstatt die Führung zu verwalten", so Schröder. "Das hat uns Räume ermöglicht, die wir auch nutzen konnten."
Ein weiterer Aspekt für die erfolgreiche Aufholjagd waren die Einwechselspieler. "Egal, wen ich gebracht habe: Alle haben 100 Prozent und mehr geleistet und immer den Schritt mehr gemacht als der Gegner", lobt Schröder. Mit seinem zweiten Treffer der Partie stellte Lucas Wilhelm (78.) den Ausgleich her. "Die Jungs haben sich mit dem Unentschieden aber nicht zufrieden gegeben und wollten unbedingt noch den Sieg." Das gelang tatsächlich, weil sich auch der eingewechselte Ljubisa Ibraimovic (83.) in die Torschützenliste eintragen konnte. "Unsere Einstellung und Mentalität hat uns den erfolgreichen Saisonstart ermöglicht", so der Trainer. "Eine Halbzeit entscheidet man nicht einfach so 4:0 für sich."
Die außergewöhnliche Aufholjagd der dritten Mannschaft war innerhalb des Vereins ein großes Thema. Und auch beim traditionellen Frühstück, zu dem die dritte Mannschaft vor dem ersten Heimspiel am Sonntag (ab 12 Uhr) gegen den FC Süd Kiel II zum Einstand eingeladen ist, wird über das Spiel noch gesprochen werden. Schröder: "Das zeigt einfach das tolle Miteinander im Verein, bei dem sich viele Menschen einbringen."
Nach dem Frühstück soll möglichst mit weiteren Punkten nachgelegt werden. "Gegen den TSV Flintbek IV haben wir vor allem eine kämpferische Leistung gezeigt", sagt Kosta Schröder. "Wir können noch an einigen Stellschrauben drehen, um auch fußballerisch noch besser zusammen zu spielen. Unser Ziel ist es, im Rennen um die Plätze ganz oben mitzumischen." Der neugegründete SVE Comet Kiel III hat auf jeden Fall schon mal gezeigt, dass man das Team bei keinem Zwischenstand abschreiben sollte.