Magazin | 29.08.2026 | 09:30

Klimaanpassungen beim FSV Cappel

"Die Anlage Schritt für Schritt klimaangepasster gestalten": der FSV Cappel.[Foto: FSV Cappel]

Ein Gründach über dem Zuschauerbereich, Sonnenschutz am Vereinsheim, eine Regenwasserzisterne, wasserdurchlässige Flächen und eine begrünte Fassade: Diese fünf Maßnahmen stehen im Mittelpunkt des neuen Klimaanpassungskonzepts für den FSV Cappel.

Der FSV Cappel hat mehr als 550 Mitglieder. Von den rund 400 aktiven Spieler*innen sind etwa 300 Kinder und Jugendliche. Hinzu kommen Senior*innen, die sich regelmäßig auf der Anlage aufhalten. Insbesondere diese vulnerable Gruppe von Menschen kann durch die Auswirkungen des Klimawandels, wie Hitze, intensive UV-Strahlung und fehlenden Witterungsschutz gesundheitlich belastet werden.

Der Fußballverein hat gemeinsam mit dem Öko-Institut, dem Architekturbüro Atelier Spitzner und der Lean FM GmbH das Konzept entwickelt. Gefördert wurde das Vorhaben im Rahmen der Förderrichtlinie "Klimaanpassung in sozialen Einrichtungen" des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz.

"Unser Klimaanpassungskonzept verbindet wissenschaftliche Analysen mit den Erfahrungen der Menschen, die die Anlage täglich nutzen", sagt Stefanie Degreif, Projektleiterin am Öko-Institut. "Gemeinsam konnten wir Maßnahmen entwickeln und bewerten, die gezielt auf die Situation beim FSV Cappel zugeschnitten sind."

Schutz vor Hitze, Sonne und Starkregen

Die Analyse zeigt, dass vor allem Hitze und intensive Sonneneinstrahlung die Anlage belasten. Wenig Schatten, versiegelte Asphaltflächen und fehlender außenliegender Sonnenschutz verstärken die Aufheizung des Vereinsheims und seines direkten Umfelds. Auf dem Sportfeld mit Kunstrasen kann bei einer Lufttemperatur um 35 Grad Celsius die Oberflächentemperatur bis zu 55 Grad Celsius erreichen.

Auch Starkregen stellt ein Risiko dar. Die weitgehend versiegelten Flächen können Niederschlagswasser nur eingeschränkt aufnehmen. Überflutete oder nasse Bereiche können Training und Spiele beeinträchtigen und bei fehlender Unterstellmöglichkeit das Wohlbefinden der Menschen auf der Anlage mindern.

"Das Vereinsgelände ist ein Treffpunkt für viele unterschiedliche Menschen. Deshalb ist es uns wichtig, dass sich Kinder, Aktive, ältere Mitglieder und Zuschauer*innen auch bei zunehmender Hitze oder Starkregen sicher dort aufhalten können", sagt Reiner Muth vom FSV Cappel. "Das Konzept gibt uns eine konkrete Grundlage, um die Anlage Schritt für Schritt klimaangepasster zu gestalten."

Fünf Schutzmaßnahmen

Welche Maßnahmen für den FSV Cappel besonders sinnvoll sind, wurde nicht allein am Schreibtisch entschieden. Die Erfahrungen der Menschen, die das Vereinsgelände täglich nutzen, flossen von Beginn an in die Entwicklung ein. Insgesamt 155 Mitglieder*innen und Besucher*innen beteiligten sich an einer Befragung. Bei einem Workshop im Februar 2026 diskutierten Vertreter*innen verschiedener Vereinsgruppen die möglichen Maßnahmen und legten gemeinsam Prioritäten fest.

Überdachung des barrierefreien Zuschauerbereichs: Eine begrünte Holzkonstruktion soll die barrierefreien Zuschauerplätze künftig vor Sonne, Hitze und Regen schützen. Gleichzeitig speichert das Gründach Regenwasser und fördert die Verdunstungskühlung.

Außenliegender Sonnenschutz am Vereinsheim: Ein außenliegender Sonnenschutz an der südwestlichen Fensterfront soll die Aufheizung der Räume und störende Blendung reduzieren.

Regenwasserzisterne: Gesammeltes Regenwasser soll künftig zur Bewässerung der Kinderarena genutzt werden. So wird Trinkwasser gespart und Niederschlagswasser auf dem Gelände zurückgehalten.

Teilentsiegelung des Eingangsbereichs: Die bestehende Asphaltfläche soll durch einen wasserdurchlässigen Pflasterbelag ersetzt werden. Dadurch kann Regenwasser besser versickern. Die Barrierefreiheit und Zufahrt für Rettungsfahrzeuge bleiben erhalten.

Begrünung der Südfassade: Kletterpflanzen sollen die stark sonnenexponierte Fassade verschatten und das Umfeld des Vereinsheims kühlen. Gleichzeitig schafft die Begrünung zusätzlichen Lebensraum für Tiere und Pflanzen.

Der FSV Cappel geht als gutes Beispiel voran. Durch den Klimawandel nehmen Hitzeperioden, Dürren und Starkregenereignisse in Deutschland zu. Davon sind sowohl Vereinsheime und Sportanlagen als auch die Menschen betroffen, die dort trainieren, arbeiten oder zuschauen. Klimaanpassung im Sport schützt deshalb nicht nur die Infrastruktur, sondern auch die Gesundheit all jener, für die der Sportverein eine zweite Heimat ist.