Von Zitzewitz nach HEBC-Duell mit BVB: "Jede Sekunde genossen"
"Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll": Von Zitzewitz präsentiert sein neues Beier-Trikot.[Foto: Oliver Jensen]
Oberligist gegen Champions-League-Teilnehmer: Der Hamburg-Eimsbütteler Ballspiel-Club - kurz: HEBC - empfing am Dienstagabend in der ersten DFB-Pokalrunde im Volksparkstadion den deutschen Vizemeister Borussia Dortmund, schlug sich vor der Rekordkulisse von 45.917 Fans sehr achtbar und verlor "nur" mit 0:5. Im FUSSBALL.DE-Interview spricht der 27 Jahre alte HEBC-Verteidiger Lionel von Zitzewitz über dieses einmalige Erlebnis.
FUSSBALL.DE: Lionel, Glückwunsch zu dem tollen Spiel! Wie hat es sich für dich angefühlt?
Lionel von Zitzewitz: Ein unglaubliches Erlebnis. Also kaum in Worte zu fassen. Die Erfahrung gemacht zu haben, gegen einen der größten Klubs der Welt spielen zu können, kann man nicht wirklich in Worte fassen. Wir haben jede Sekunde, so gut es geht, genossen und versucht, so lange es geht gegenzuhalten. Das ist uns, würde ich sagen, für einen Oberligisten ganz gut gelungen. Auf jeden Fall die ersten 30 Minuten - danach sind wir ein bisschen eingeknickt. Aber in der zweiten Halbzeit haben wir dann auch nur ein Tor kassiert.
"Das ist für mich wahrscheinlich eines der größten Erlebnisse meines Lebens - das wird so schnell nichts mehr toppen"
Und ein Trikot gibt es auch noch… (BVB-Spieler Maximilian Beier kommt dazu und überreicht ihm das Trikot; Anm. d. Red.)
Von Zitzewitz: Super. Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Ich hatte ihn bei einer Ecke gefragt, ob er mir sein Trikot am Ende des Spiels gibt.
Ihr habt lange wirklich gut gegengehalten und seid über eine halbe Stunde ohne Gegentor geblieben. Das lief noch besser als erwartet, oder?
Von Zitzewitz: Ja, auf jeden Fall. Wir haben uns natürlich die anderen DFB-Pokalspiele auch angeguckt, und da gab es ein paar Spiele, bei denen es sehr viel früher sehr viel klarer war. Und dann gegen eine Mannschaft wie Borussia Dortmund spielen zu können - da war die Erwartung natürlich auch da, dass wir sehr früh die ersten Dinger kassieren. Dementsprechend würde ich sagen, dass man sich überhaupt nicht beschweren kann, wenn der erste Treffer in der 34. Minute fällt. Der zweite folgte leider direkt danach. Aber im Endeffekt, ganz plump gesagt: Gegen Dortmund hätte ich das auch vor dem Spiel so unterschrieben. Dementsprechend können wir nicht allzu unglücklich sein.
Wie hat es sich angefühlt, hier im Volksparkstadion vor 45.917 Zuschauern einzulaufen?
Von Zitzewitz: Sonst spielen wir vor einer Kulisse von maximal 400 Leuten. Das war etwas ganz Neues für mich. Für uns alle. Freunde, die ganze Familie, alle Leute, die man so kennt, waren da und haben uns supportet. Das ist für mich wahrscheinlich eines der größten Erlebnisse meines Lebens - das wird so schnell nichts mehr toppen.
"Ich bin super happy und habe auch noch das Trikot von Maxi Beier bekommen, deswegen hätte es nicht wirklich besser laufen können"
Wie hat es sich angefühlt, gegen solche Topspieler auf dem Platz zu stehen?
Von Zitzewitz: In der ersten Halbzeit war Samuele Inácio mein Gegenspieler. Den kannte ich vorher selber auch nicht so gut, weil der ja auch neu bei den Dortmundern ist. Aber da habe ich mir natürlich ein, zwei Highlightvideos angeguckt. In der zweiten Halbzeit war es dann Konstantinos Karetsas, was auch nicht viel besser ist. Aber es ging auch nicht unbedingt darum, dieses Spiel zu gewinnen, sondern einfach jede Sekunde, jede Minute so gut es geht aufzusaugen und zu genießen. Das ist uns auf jeden Fall gelungen. Ich bin super happy und habe auch noch das Trikot von Maxi Beier bekommen, deswegen hätte es nicht wirklich besser laufen können.
Was ist der größte Unterschied, wenn man gegen Spieler aus der Champions League antritt? Ist es die Technik, die Handlungsschnelligkeit?
Von Zitzewitz: Es ist alles. Es ist die Geschwindigkeit, es ist der erste Ballkontakt, es sind die Dribblings, die Richtungswechsel, die Geschwindigkeitswechsel. Die sind uns wirklich auf jeder Ebene zehn Schritte voraus, denken drei Schritte weiter als alle anderen. So etwas siehst du in der Oberliga nicht. Ansonsten spielen wir im Pokal höchstens gegen Regionalligisten. Das sind für uns bereits riesige Brocken. Aber das lässt sich überhaupt nicht vergleichen. Das war auf jeder Ebene ein unglaubliches Gefühl und eine unglaubliche Erfahrung. Man kann nicht viel machen, wenn so ein Spieler mit so einem Tempo und so einer Qualität auf dich zukommt.
Was war für dich das Beeindruckendste in diesen 90 Minuten?
Von Zitzewitz: Ich würde sagen, tatsächlich schon vor dem Anpfiff das erste Mal beim Aufwärmen aufzulaufen. Dieses erste Gefühl, Profiluft zu schnuppern. Das ist der Traum, den jeder von uns vielleicht mal hatte und der keinem am Ende geglückt ist. Heute durften wir einen Tag Profi sein. Vor so einer Kulisse überhaupt auflaufen zu können, auch schon beim Aufwärmen, war wirklich pure Gänsehaut. Ich hatte Tränen in den Augen. Das ist überhaupt nicht in Worte zu fassen.
"Heute durften wir einen Tag Profi sein"
Eine schöne Randgeschichte ist, dass der Hamburger Verkehrsverbund euch einen Bus mit Vereinslogo zur Verfügung gestellt hatte…
Von Zitzewitz: Ja, die sind tatsächlich von sich aus auf uns zugekommen. Unsere Idee war erst einmal gewesen, dass wir alle zusammen mit Fahrrädern hierherkommen - auf ganz bescheidene Art und Weise, weil wir das sonst auch bei unseren Heimspielen sehr gerne machen. Und dann kam der HVV von sich aus auf uns zu. Ich glaube, die haben uns auf Instagram angeschrieben und gesagt: "Wir haben da eine gute Idee. Wir würden gerne einen Linienbus für euch stellen und den als euren Mannschaftsbus verkleiden." Da haben wir dann am Wochenende bei unserem letzten Punktspiel selber noch ein bisschen dran basteln können, haben ein paar HEBC-Sticker besorgt und die auch noch an den Bus geklebt. So haben wir dem Bus noch ein bisschen unseren eigenen Touch verliehen.
Wie geht es jetzt weiter?
Von Zitzewitz: Wir haben drei Monate lang nach der Pokalauslosung auf diesen Tag hingefiebert. Jetzt wieder in diesen ganz normalen Ligaalltag zu kommen, wird nicht einfach. Übermorgen geht es direkt wieder ins Training und in die Vorbereitung auf den nächsten Gegner am Sonntag. Und dann heißt der Gegner nicht Dortmund, sondern Buchholz.