SV Lichtenberg 47: Gut aufgestellt dank der TPD
"Freude, viele Aktionen, hohe Intensität": Der SV Lichtenberg 47 trainiert nach der TPD.[Foto: Reinaldo Coddou/Picture Alliance]
Lichtenberg 47 gehört seit Jahren zu den besten Teams der NOFV-Oberliga Nord. Das mag an den hervorragenden Spielern liegen, an den großartigen Trainern. Vielleicht spielt aber auch ein anderer Aspekt eine wichtige Rolle – beim Team aus Berlin wird nach Inhalten der Trainingsphilosophie Deutschland trainiert. Und damit gezeigt, dass kleine Spielformen auch den Großen zugutekommen. Das neue DFB-Journal hat sich vor Ort umgesehen.
"Sehr gut! Weiter so! Konzentriert bleiben!" Die Anweisungen von Rudy Raab und Nils Kohlschmidt hallen durch das leere Hans-Zoschke-Stadion in Berlin-Lichtenberg. An diesem traumhaften Ort für Fußballromantiker - mit einer Kapazität von 9.900 Plätzen nach der Alten Försterei zudem das zweitgrößte reine Fußballstadion Berlins - hält die erste Mannschaft des NOFV-Oberligisten Lichtenberg 47 an diesem sonnigen Dienstagabend ihre erste Trainingseinheit der Woche ab. Als Chefcoach Raab, der gemeinsam mit Kohlschmidt ein gleichberechtigtes Trainerduo bildet, das Training kurz unterbricht, um die nächste Aufgabe zu erläutern, hören die Spieler um Kapitän Kevin Owczarek aufmerksam zu. "Und denkt an die defensive Organisation, Männer!", beendet Raab seine Erläuterungen.
"Es geht darum, dass die Spieler schwitzen, dass sie die Belastung spüren und gleichzeitig ständig Entscheidungen treffen müssen"
Kurz darauf rollt der Ball wieder. Es ist eine Szene, die auf den ersten Blick wie ein gewöhnlicher Trainingsabend eines ambitionierten Amateurvereins wirkt. Doch der Ablauf auf dem Rasen unterscheidet sich bewusst von den meisten anderen Klubs. Denn als nahezu einziges deutsches Seniorenteam trainiert die Oberligamannschaft von Lichtenberg 47 konsequent nach den Ansätzen der Trainingsphilosophie Deutschland. "Die Hauptpfeiler sind für mich Freude, regelmäßige Wiederholungen, viele Aktionen und eine hohe Intensität. Es geht darum, dass die Spieler schwitzen, dass sie die Belastung spüren und gleichzeitig ständig Entscheidungen treffen müssen", erklärt Raab.
Bereits die erste Trainingsform des Abends folgt genau dieser Idee. Zwei Teams treten dabei gegeneinander an. Nach einer kurzen Flanke köpft ein Spieler aufs Tor, doch damit ist die Aktion nicht beendet. Wer den Angriff abschließt, muss unmittelbar danach zwischen die Pfosten und den nächsten Ball halten. Angriff, Torabschluss, Umschalten, Verteidigen – mehrere Spielsituationen verbinden sich hier miteinander. Der Wettkampfcharakter, aber auch die Spielfreude sind dabei sofort spürbar. Die Spieler lachen viel, feuern sich aber auch an und kämpfen um jeden Punkt. Einer, der besonders auffällt, ist Sebastian Reiniger. Der langjährige Spieler von L47, der mehr als 110 Pflichtspieltore für die Berliner erzielt hat, beendete in diesem Sommer seine Karriere und ist inzwischen als Technischer Leiter im Verein tätig. Trotzdem steht er an diesem Abend mit auf dem Platz und ist genauso engagiert wie seine Mitspieler. Nach fast jeder gelungenen Aktion jubelt er und ballt euphorisch die Faust.
"Man hat gesehen, wie viel Leben auf dem Trainingsplatz war und wie viel Spaß die Jungs haben. Egal, wie der Tag vorher war: Wenn du so eine Form in der Aktivierung hast, bist du direkt positiv gestimmt und freust dich auf das Training. Deshalb machen wir das gerne direkt zu Beginn", erklärt Kohlschmidt. Dass die Spieler nach einem Torabschluss sofort umschalten, aufmerksam bleiben und neue Situationen lösen müssen, ist dabei kein Zufall. Genau diese Verbindung verschiedener Spielphasen ist ein zentraler Bestandteil des Trainingsansatzes. "Wir versuchen, in einer Übung nicht nur eine Spielphase abzubilden, sondern mindestens noch eine zweite mit drin zu haben. Der Spieler, der abschließt, soll nicht abschalten. Er muss direkt wieder verteidigen", sagt Raab.
Nach der Aktivierung wird die Intensität weiter erhöht. Es folgt eine kleine Spielform im Stil der Trainingsphilosophie Deutschland, wie man sie aus dem Jugendbereich kennt: Zunächst spielen jeweils fünf Spieler gegeneinander, danach sind es pro Team jeweils sechs. Auf engem Raum entstehen so ständig neue Situationen. Jeder Ballkontakt zählt, jede Entscheidung hat unmittelbare Folgen. Anders als im klassischen Großfeldspiel gibt es kaum Momente, in denen sich ein Akteur aus dem Geschehen herausnehmen kann.
Kohlschmidt sagt: "In dieser Übung ist man viel häufiger als im klassischen Spiel am Ball. So muss man ständig Entscheidungen treffen, ob im Angriff oder in der Rückwärtsbewegung. Genau darin liegt die Idee hinter dieser Spielform. Ein Pass unter Gegnerdruck, ein verlorener Ball, ein schneller Gegenangriff: Situationen entstehen nicht nach einem festen Muster, sondern immer wieder neu. Die Spieler sollen daher trainieren, wie sie richtig reagieren und Lösungen finden."
"Fitness durch Spielformen erarbeiten"
Besonders die hohe Aktionsdichte spielt bei der Trainingsphilosophie Deutschland eine entscheidende Rolle. "Die Spieler entwickeln sich individuell weiter, weil sie in jeder Situation Entscheidungen treffen müssen. Hinzu kommt: Durch die kleinen Spielformen trainiert man automatisch die nötige Fußball-Fitness", sagt Raab, der neben seiner Aufgabe bei Lichtenberg 47 auch als Verbandssportlehrer beim Berliner Fußball-Verband (BFV) tätig ist.
Dass der Ansatz auch bei den Spielern auf große Zustimmung trifft, betont etwa Offensivmann John Gruber. Der 24-Jährige spielt seit drei Jahren für die 47er, stand zwischendurch aber auch bei den Regionalligisten VSG Altglienicke und dem FSV Luckenwalde unter Vertrag. "Als Spieler muss ich sagen: Es ist immer ein schönes Gefühl, bei Lichtenberg zum Training zu kommen. Man freut sich natürlich, wenn man nicht unbedingt die Laufschuhe rausholen muss, sondern sich die Fitness durch Spielformen erarbeitet. Es macht einfach mehr Spaß", sagt er. Die Belastung sei keineswegs geringer als bei den anderen Teams, sondern schlicht anders - aber vor allem viel näher an den Anforderungen des Spiels.
"Ich fühle mich bei Lichtenberg deutlich fitter. Hier hast du im Training viel mehr Ballaktionen. Dadurch bekommst du die Erfahrung, die du für das Spiel brauchst, und kannst Abläufe besser verinnerlichen", fügt Gruber hinzu. Gerade die vielen Entscheidungen unter Gegnerdruck, die im Rahmen der Kleinfeldspielformen trainiert werden, sieht er als entscheidenden Vorteil für die Pflichtspiele. Denn während bei klassischen Laufeinheiten oder isolierten Übungen bestimmte Spielsituationen nur schwer simuliert werden können, entstehen sie in den kleinen Spielformen automatisch. Ein Ballverlust, ein schneller Umschaltmoment oder ein unerwarteter Zweikampf – die Spieler müssen hier ständig reagieren. Auch innerhalb der Mannschaft sei die besondere Trainingsform längst akzeptiert. "Am besten entwickelt man sich als Spieler, wenn man Spaß beim Training hat", sagt Gruber. "Dann gibst du vielleicht auch noch einmal diese Extra-Prozente, die du sonst nicht geben kannst."
Sein Trainer Raab sieht gerade für den ambitionierten Amateurfußball in den Spielformen der Trainingsphilosophie Deutschland entscheidende Vorteile. Sein Fazit lautet: "Im Profifußball sieht es sicherlich etwas anders aus, aber wenn du weniger Trainingseinheiten in der Woche zur Verfügung hast, musst du möglichst viele Dinge miteinander verbinden. In den Spielformen hast du alles drin: Angreifen, Verteidigen, Umschalten und technische Aktionen." In den vergangenen drei Spielzeiten wurden die Rot-Weißen in der Oberliga jeweils Vizemeister. Kein Zufall, wie Rudy Raab betont: "Mit der Trainingsphilosophie Deutschland trainierst du unter der Woche genau das, was du am Wochenende auf dem Platz brauchst."