Magazin | 29.10.2026 | 12:15

Jeddeloh-Torhüter Moritz Onken: "Ein sagenhaftes Erlebnis"

Jeddeloh-Keeper Moritz Onken: "Am Ende waren die Akkus leer."[Foto: imago]

Der SSV Jeddeloh aus der Regionalliga Nord verpasste die große Sensation im DFB-Pokal gegen Hertha BSC. Das Team von Neu-Trainer Burak Bahar unterlag den Hauptstädtern in der zweiten Runde 0:2 (0:0) und schied als letzter unterklassiger Klub aus. Im FUSSBALL.DE-Interview spricht der 23 Jahre alte SSV-Torhüter Moritz Onken über das Duell mit dem unbesiegten Tabellenführer der 2. Bundesliga und den Trikottausch.

FUSSBALL.DE: Die märchenhafte Pokalreise des SSV Jeddeloh endete mit dem 0:2 gegen Hertha BSC. Wie haben Sie die Partie erlebt, Herr Onken?

Moritz Onken: Es war ein extrem spannendes Spiel, weil wir kein schnelles Gegentor kassiert und lange Zeit die Null gehalten haben. Hertha BSC hatte selbstverständlich mehr vom Spiel, aber wir konnten zwischendurch immer wieder Nadelstiche setzen. Am Ende hat Hertha jedoch als verdienter Sieger das Achtelfinale erreicht.

Wie haben Sie die Stimmung im Oldenburger Marschwegstadion wahrgenommen?

Onken: Das Stadion war mit 10.000 Fans ausverkauft, beide Fanlager haben für gute Stimmung gesorgt. Die Atmosphäre war super, es hat richtig Spaß gemacht. Tatsächlich war es meine erste Niederlage überhaupt im Marschwegstadion. Meine Fußballerkarriere hat beim VfB Oldenburg angefangen, dort habe ich eine Partie gespielt und gewonnen. Anschließend habe ich mich mit Kickers Emden im Pokal gegen den VfB Oldenburg im Elfmeterschießen durchgesetzt. Auch mit dem SSV Jeddeloh wurden beide Partien gegen den VfB im Marschwegstadion gewonnen. Genauso war es auch im Erstrundenspiel des DFB-Pokals beim 5:2 gegen den 1. FC Heidenheim. Schade, dass die Serie gerissen ist.

"Ich als Torwart war bereits fix und fertig, meine Vorderleute sind gefühlt alle 15 Kilometer gelaufen"

Warum ist gegen den ungeschlagenen Tabellenführer der 2. Bundesliga die erneute Pokalsensation ausgeblieben?

Onken: Wir haben alles reingeworfen, aber am Ende waren die Akkus leer. Wir mussten dem hohen Tempo Tribut zollen. Ich als Torwart war bereits fix und fertig, meine Vorderleute sind gefühlt alle 15 Kilometer gelaufen. Wir sind keine Vollprofis. Bei uns im Kader stehen beispielsweise drei Polizeibeamte, drei angehende Lehrer und noch viele weitere Studenten. Der Rest arbeitet ganz normal in Vollzeit.

Was ging Ihnen zur Halbzeit durch den Kopf, als Hertha zuvor zweimal den Pfosten getroffen hatte und einmal der Ball von der Torlinie geklärt wurde?

Onken: Mit dem 0:0 zur Halbzeit hatten wir zumindest einen Teilerfolg erzielt und bis dahin unseren Plan gut umgesetzt. Wir haben uns in der Kabine in die Gesichter geschaut und wussten, dass mit etwas Glück die große Überraschung gegen Hertha möglich ist. Mit jeder weiteren Minute ohne Gegentor ist der Glaube daran immer mehr gewachsen.

Wie stolz sind Sie grundsätzlich darauf, dass es der SSV Jeddeloh II als einziger Viertligist in die zweite Pokalrunde geschafft hat?

Onken: Ich bin unfassbar stolz auf den Verein, die Mannschaft und auch auf mich selbst. Es war ein sagenhaftes Erlebnis, das mir immer in Erinnerung bleiben wird.

Der Sportliche Leiter Olaf Blancke hatte nach der Auslosung angekündigt, dass sich der SSV Jeddeloh gegen Hertha BSC im Elfmeterschießen durchsetzen würde. Wie gerne hätten Sie seine Vorhersage wahr werden lassen?

Onken: Wir hatten kurz nach der Pause tatsächlich den Führungstreffer auf dem Fuß. Vielleicht hätte es dann zumindest klappt, in die Verlängerung zu erreichen. Ich wäre aber selbstverständlich auch gerne bis ins Elfmeterschießen gekommen. Ich mag diese Herausforderungen. Als Torhüter kann man im Elfmeterschießen nur gewinnen. Hertha BSC war aber unter dem Strich zu gut und hat es leider nicht zugelassen.

Mit welchen Hertha-Spieler haben Sie nach der Partie das Trikot getauscht?

"Hertha-Torhüter Marius Gersbeck hat mich noch auf dem Platz gelobt und mir sein Trikot gegeben - diese Aktion fand ich sehr cool"

Onken: Hertha-Torhüter Marius Gersbeck hat mich noch auf dem Platz gelobt und mir sein Trikot gegeben - diese Aktion fand ich sehr cool von ihm.

Am Sonntag geht es für den SSV Jeddeloh in der Regionalliga Nord gegen den Bremer SV weiter. Was nehmen Sie sich für den weiteren Saisonverlauf vor?

Onken: Bis zur Winterpause wollen wir so viele Punkte wie möglich holen und uns damit weiter von der Gefahrenzone der Liga absetzen. Für uns geht es vorrangig um den Klassenverbleib. Leider läuft es in dieser Spielzeit nicht so gut, wie wir uns alle das erhofft hatten. Wenn wir aber in den kommenden Partien mit derselben Leidenschaft wie gegen Hertha spielen, dann werden wir unser Ziel erreichen.

Wie erklären Sie sich grundsätzlich, dass es in der Meisterschaft bislang nicht rund läuft?

Onken: Auf gar keinen Fall liegt es an der fehlenden Qualität, dafür sind wir alle zu gut. Auch der Zusammenhalt in der Truppe ist super. Aus meiner Sicht ist es nur eine Frage der Zeit, bis wir uns aus dem Tabellenkeller herausgearbeitet haben.

Wie sehr haben Sie die bundesweite Aufmerksamkeit in den zurückliegenden Wochen genossen?

Onken: Es war schon cool, dass der SSV Jeddeloh in allen großen Medien erwähnt wurde. Ich wohne in Oldenburg, bin schon öfter mit dem Fahrrad zum Stadion gefahren. Man wird in der Stadt von den Leuten erkannt, was mich sehr freut und stolz macht.