Lohausens Larissa Krumrey: Noch eine Torjägerkanone?
Larissa Krumrey: "Auf dem Platz mit Rudi Völler zu stehen, war schon genial".[Foto: DFB/dpa Picture-Alliance]
Mit optimalen 21 Punkten und 62:3 Toren ist der Lohausener SV Tabellenführer in der Frauen-Kreisliga Düsseldorf. Angreiferin Larissa Krumrey, die sich bereits in der abgelaufenen Saison mit 81 Treffern die Torjägerkanone für alle in der 7. Liga gesichert hatte, führt mit 24 Treffern nach nur sechs Einsätzen erneut das bundesweite Ranking an. Im Schnitt erzielt sie vier Tore pro Spiel.
Im FUSSBALL.DE-Interview spricht die 29-Jährige, die im Berufsleben als Mediengestalterin tätig ist, über den Traum vom Aufstieg, die mögliche Titelverteidigung sowie das Treffen mit den Weltmeistern Rudi Völler und Philipp Lahm sowie Olympiasiegerin Alexandra Popp.
FUSSBALL.DE: Ihr Team hat als Spitzenreiter in dieser Saison noch keinen Punkt abgegeben. Sie steuerten bereits 24 Treffer bei und führen damit erneut die Wertung zur Torjägerkanone für alle an. Wie sehr überrascht Sie das, Frau Krumrey?
Larissa Krumrey: Damit konnte ich nicht rechnen, zumal ich nicht alle Spiele mitgemacht habe. Einmal musste ich wegen einer kleinen Knieverletzung aussetzen und wurde am folgenden Wochenende erst zur zweiten Halbzeit eingewechselt. Von daher kann ich mit der Ausbeute definitiv sehr zufrieden sein.
An diesem Sonntag steht das Topspiel gegen den ärgsten Verfolger DJK Sportfreunde Gerresheim an. Was ist gegen den Tabellenzweiten gefordert?
Krumrey: Wir haben bereits in der zurückliegenden Saison unser Heimspiel gegen Gerresheim 5:0 gewonnen. Ich hätte nichts gegen eine Wiederholung. (lacht) Wenn wir an die zuletzt gezeigten Leistungen anknüpfen und in den entscheidenden Momenten die richtigen Entscheidungen treffen, bin ich guter Dinge.
Mit 81 Saisontreffern sicherten Sie sich in der Vorsaison die Torjägerkanone für alle. Was trauen Sie sich in dieser Spielzeit zu?
Krumrey: Es wäre grandios, wenn ich 81-Tore-Marke überbieten könnte. Ich gebe mein Bestes. Einfacher wird es allerdings nicht.
Warum?
Krumrey: Ich bekomme jetzt öfter eine Sonder- oder sogar eine Doppelbewachung. Ich muss mir deshalb meine Wege und Freiräume suchen, um mich von den Gegenspielerinnen zu lösen. Die gegnerischen Trainer geben lautstarke Anweisungen an ihr Team, rufen meinen Namen oder meine Rückennummer, damit ich möglichst keinen Treffer erziele.
Was würde Ihnen die mögliche Titelverteidigung bedeuten?
Krumrey: Es war schon außergewöhnlich, die Trophäe einmal zu gewinnen. Ich glaube nicht, dass für mich sportlich noch etwas Größeres passieren wird. Ich würde gerne noch einmal die Kanone gewinnen, weil das Erlebnis für mich als Amateursportlerin grandios war.
Im Rahmen eines Länderspiels wurde Ihnen die Trophäe von Weltmeister und DFB-Sportdirektor Rudi Völler überreicht. Wie gerne erinnern Sie sich an diesen Moment?
Krumrey: Ich war zuvor noch nie in der Münchner Allianz Arena. Es war ein sehr schönes Event, das super organisiert war. Diese Erfahrung werde ich niemals vergessen. Auf dem Platz mit Rudi Völler zu stehen, war schon genial. Wir wurden im VIP-Bereich untergebracht, standen dort unter anderem auch neben Alexandra Popp und Philipp Lahm, haben zusammen gegessen und uns anschließend das Länderspiel gegen Serbien angeschaut.
Was treibt Sie grundsätzlich an?
Krumrey: Ich bin seit 21 Jahren im Verein und es macht mir immer noch großen Spaß. Auch nach meinen beiden Kreuzbandrissen 2017 und 2023 habe ich weitergemacht und nie die Freude am Fußball verloren.
Zusammen mit Ihren Mitspielerinnen Emma Brandt und Malina Sophie König haben Sie in dieser Saison fast drei Viertel aller Tore für den Lohausener SV erzielt.
Krumrey: Mit Emma und Malina spiele ich schon über mehrere Jahre zusammen. Wir verstehen uns gut, wissen auch ohne Kommunikation, wie die andere sich in gewissen Situationen verhält und bewegt.
Was zeichnet Ihr Team insgesamt aus?
Krumrey: Die Mannschaft wurde im Sommer punktuell mit einigen externen Zugängen und jungen Spielerinnen aus der eigenen Nachwuchsabteilung verstärkt. Der Teamspirit ist momentan sehr gut, was sich auch auf dem Platz widerspiegelt. Wir hatten vor der Saison ohne die Trainer ein offenes Gespräch bei uns im Vereinsheim geführt. Dort wurde besprochen, mit welchen Vorstellungen und Zielen wir in die Spielzeit gehen, damit wir alle auf einen gemeinsamen Nenner kommen.
Sie haben bislang in jedem Saisonspiel getroffen, im Schnitt viermal pro Partie. Wie schaffen Sie es, sich immer wieder durchzusetzen?
Krumrey: In den Laufduellen mit jüngeren Spielerinnen merke ich schon, dass ich manchmal an meine Grenzen komme. Dieses kleine Defizit gleiche ich aber mit Cleverness und Erfahrung aus. (lacht)
Sie sprachen in einem Interview davon, dass Sie vor dem Tor oft zu viel nachdenken. Wie sehr hat das mittlerweile geändert?
Krumrey: Es ist tatsächlich immer noch so, um ganz ehrlich zu sein. Es gibt Spiele, da fällt es mir leichter, Tore zu erzielen. Aber es gibt auch immer wieder Situationen, da stehe ich vor dem Kasten und alles wird komplizierter, als es eigentlich sein müsste. Aber ich arbeite daran.
Welche sportlichen Ziele haben Sie sich mit dem Lohausener SV gesteckt?
Krumrey: Ich bin noch nie aufgestiegen, möchte mir diesen Traum noch erfüllen. In dieser Saison halte ich den Aufstieg in die Bezirksliga für realistisch, weil unsere aktuelle Verfassung sehr gut ist.