Verbandstag Niedersächsischer Fußballverband
[Foto: Burghard Neumann]
Großer Vertrauensbeweis für Karl Rothmund. Die 268 stimmberechtigten Delegierten des 44. Verbandstages des Niedersächsischen Fußballverbandes (NFV) votierten jetzt einstimmig für eine Wiederwahl des Präsidenten. Der 71-jährige Barsinghäuser, der als vierter Präsident in der Geschichte des NFV seit 2005 an der Spitze des Verbandes steht, geht damit in seine vierte Amtszeit.
Der diesjährige Verbandstag war ein Schaufenster der Aktivitäten des Niedersächsischen Fußballverbandes. NFV-Präsident Karl Rothmund nahm die dreitägige Veranstaltung zum Anlass, den NFV mit all seinen Facetten vorzustellen. Ganz nach dem Motto: „Tu Gutes und sprich darüber.“ Oder zeig es allen. Gleich zu Beginn der Veranstaltung sahen die Delegierten den neuen Imagefilm , der in sieben Minuten die ganze Palette der Aufgaben des Niedersächsischen Fußballverbandes ins rechte Licht rückt. Und kein Geringerer als Ex-Nationalspieler Günter Netzer stellt im Film die Wichtigkeit und die Vielfalt des Niedersächsischen Fußballverbandes heraus und wird dabei unter anderem von Niedersachsens Ministerpräsident Stefan Weil und DFB-Präsident Wolfgang Niersbach bestätigt. Der Imagefilm ist auf der NFV-Homepage zu sehen .
Ein hohes Lied auf die Ehrenamtlichkeit stimmte der alte und neue Präsident am Verbandstag an. „Wir müssen die ehrenamtlichen Strukturen auf allen Ebenen erhalten, denn der Fußball darf seine Seele nicht verlieren. Nur dann können wir den Fußball auf Dauer tragfähig erhalten“, betonte Rothmund, der die Geschlossenheit des Verbandes als eine Erfolgsgeschichte pries. „Wir haben uns in den vergangenen drei Jahren in vielen Bereichen gesellschaftlich und sozial engagiert. Darauf können wir stolz sein“, fuhr der NFV-Präsident fort. Der Bericht auf dem Weg zur Nachhaltigkeit drückt es in seinem Titel „Ein starkes Stück Leben“ treffend aus. Gesellschaftliche Themen gehörten heute zum Kerngeschäft des Fußballs. Der Niedersächsische Fußballverband sei finanziell gesund und wirtschaftlich stark. Hinzu komme eine solide Haushaltsführung. Eine Herzensangelegenheit ist für Karl Rothmund die Strukturreform. Dabei hob er die geplante Fusion der Kreisverbände Hannover-Stadt und Hannover-Land besonders hervor. Von der Fläche sei die Region Hannover so groß wie der neuntgrößte Landesverband im Deutschen Fußball-Bund.
Der Niedersächsische Fußballverband investiere in seinen Einrichtungen in Barsinghausen viel im energetischen Bereich. So seien laut Rothmund mit dem neuen Blockheizkraftwerk nicht nur finanzielle Einsparungen in Höhe von jährlich 44.000 Euro zu erzielen. Der NFV leiste damit auch einen großen Beitrag zum Umweltschutz. Hinzu komme eine effizient arbeitende Verwaltung. Karl Rothmund nannte ein Beispiel: In der Pass-Stelle gebe es kaum noch Wartezeiten. 280.000 Vorgänge habe die Geschäftsstelle in den drei Jahren abgewickelt.
Der Sport in Niedersachsen entwickelt sich nach Einschätzung von Rothmund in die richtige Richtung. Als Beispiel nannte er das vom Land verabschiedete Sportfördergesetz. Der NFV-Präsident lobte in diesem Zusammenhang den guten Kontakt zu den anderen Sportfachverbänden in Niedersachsen. Besonders hob er den Deutschen Handballbund hervor, der in den vergangenen Jahren vier Mal mit seiner Nationalmannschaft zu Gast im Sporthotel Fuchsbachtal war und Trainingslager absolvierte. „Wir können unseren Verpflichtungen auch in Zukunft nachkommen“, prognostizierte Rothmund. Lob gab es vom Präsidenten auch für das Erfolgsmodell DFBnet. Die neue Technologie entlaste das Ehrenamt. Dadurch würden Kapazitäten frei für die gesellschafts- und sozialpolitischen Herausforderungen. „Mein Dank geht an den DFB, der uns in allen Belangen großartig unterstützt.“ Abschließend formulierte Karl Rothmund in seiner Rede das Ziel für die kommenden drei Jahre: „Wir werden die Weichenstellungen vornehmen, dass auch in Zukunft der Verband vom Präsidenten bis zum Mitarbeiter im Verein ehrenamtlich geführt werden kann. Allerdings muss jeder Mitarbeiter des Verbandes Ehrenamt und Beruf in Einklang bringen können. Wir müssen eine Mischung aus Erfahrung und Jugend finden. Ich verspreche in den nächsten drei Jahren die professionellen Weichenstellungen vorzunehmen und das Ehrenamt weiter zu stärken.“
Staatssekretär Stephan Manke erinnerte in einem Grußwort daran, dass es im Fußball immer wieder zu Szenen komme, in denen weit über das Ziel hinausgeschossen würde – im Profisport und auch in den Klassen darunter. So würde der Fußball von Chaoten für ihre Exzesse missbraucht, käme es in unteren Spielklassen zu Übergriffen gegenüber Schiedsrichtern. Das sei auf keinen Fall hinnehmbar. Deshalb seien die Verbände gefordert, konsequent vorzugehen und derartige Vorfälle entsprechend zu sanktionieren. „Das Thema Gewalt geht uns alle an, und ich bin deshalb dagegen, den Vereinen Polizeieinsätze in Rechnung zu stellen. Sicherheit darf nicht privatisiert werden, sie darf keine Frage des Geldes sein“, so der Vertreter aus dem Ministerium für Inneres und Sport.
Gastredner vom DFB war Schatzmeister Reinhard Grindel, der scheidende 1. Vizepräsident des NFV. Er erinnerte an die Freude, die der WM-Gewinn durch die deut-sche Mannschaft ausgelöst habe und bei dem die große Integrationskraft des Fußballs unter Beweis gestellt wurde. Beim Finale seien 34,6 Millionen Menschen an den Fernsehbildschirmen vereint gewesen, dazu kämen ungezählte Besucher von Public-Viewing-Veranstaltungen. „Weltmeister wird man nicht durch Oligarchen und durch Scheichs, sondern durch das Ehrenamt“, erinnerte der Rotenburger daran, dass der Grundstein für den WM-Gewinn an der Basis durch ehrenamtliches Engagement gelegt worden sei. Deshalb betrachte er den „vierten Stern als Auszeichnung an den gesamten Fußball in Deutschland.“ Der Gewinn des WM-Titels hat laut Grindel „phantastische Chancen für eine große Zukunftsperspektive eröffnet.“ So sei derzeit beim DFB der größte Mitgliederzuwachs seit 2008 zu verzeichnen. Vom Glanz des WM-Titels dürfe sich der Fußball aber auch nicht blenden lassen, seien die Herausforderungen doch nicht kleiner geworden.
Schließlich warf Grindel einen Blick in die Zukunft, erinnerte an die europaweit ausgetragene Fußball-EM 2020, bei der in Deutschland vier Spiele ausgetragen werden und hoffte auf eine erfolgreiche DFB-Bewerbung für das Turnier 2024. „Wir werden für eine nachhaltige Europameisterschaft sorgen. Der Fußball und die Fans werden dann im Mittelpunkt stehen und nicht der Kommerz“, versprach Grindel, der auch eine Bewerbung des Deutschen Olympischen Sportbundes für die Ausrichtung der Olympischen Sommerspiele 2024 nicht als Konkurrenz sieht. „Wir werden den DOSB bei einer Bewerbung unterstützen. Deutschland kann beides vertragen und leisten“, zeigte sich Grindel überzeugt.
Im Mittelpunkt der sportpolitischen Entscheidungen des Verbandstages in der Barsinghäuser Karl-Laue-Halle standen Veränderungen an der Führungsspitze des Verbandes. Ausgeschieden ist neben Reinhard Grindel (Rotenburg) als 1. Vizepräsident auch Vizepräsident Ferdinand Dunker (Dinklage). Während das Amt des 1. Vizepräsidenten künftig entfällt, tritt Dieter Ohls (Schortens) als neuer Vorsitzender des NFV-Bezirks Weser-Ems die Nachfolge von Ferdinand Dunker an. Weiter im Amt bleiben als Vorsitzende der übrigen NFV-Bezirke die Vizepräsidenten Egon Trepke (Gifhorn/Bezirk Braunschweig), August-Wilhelm Winsmann (Heinsen/Bezirk Hannover) und Hans-Günther Kuers (Eldingen/Bezirk Lüneburg) sowie NFV-Direktor Bastian Hellberg (Burgdorf). Zusätzlich rückten die Vorsitzenden der Verbandsausschüsse als Mitglieder in das Präsidium auf. Dieses sind Walter Fricke (Westoverledingen/Jugendausschuss), Jürgen Stebani (Melbeck/Spielausschuss), Karen Rotter (Uetze/Ausschuss für Frauen- und Mädchenfußball), Dieter Neubauer (Wolfsburg/Ausschuss für Qualifizierung – ehemals Lehrausschuss) sowie die am Verbandstag neu gewählten Vorsitzenden des Schiedsrichterausschusses, Bernd Domurat (Wilhelmshaven), der die Nachfolge von Wolfgang Mierswa (Uetze) antritt, und Frank Schmidt (Osnabrück), der künftig dem durch den Verbandstag neu installierten Ausschuss für gesellschaft-liche Verantwortung vorsteht. Diese schreibt sich der NFV seit jeher auf seine Fahnen, doch mit der Einrichtung des neuen Fachauschusses soll nachhaltiges Denken und Handeln noch intensiver Einzug im sportpolitischen Wirken, aber auch im Satzungs- und Ordnungswerk des NFV finden. Einen ausführlichen Vorbericht zur Nachhaltigkeit im niedersächsischen Fußball hat der NFV allen Verbandstagsdelegierten zur Verfügung gestellt.
Personelle Änderungen gibt es auch in der Sportgerichtsbarkeit des Verbandes. Für den verstorbenen Heinz Meyer (Osterholz-Scharmbeck) übernimmt Ralph-Uwe Schaffert (Hildesheim) den Vorsitz im Obersten Verbandssportgericht des NFV, sein Stellvertreter wird Ralf Burgdorf (Helmstedt) als Nachfolger des ausscheidenden Wolfgang Tickwe (Hannover). Jörg Firus (Ötzen) tritt als Vorsitzender des Verbandssportgerichtes die Nachfolge von Johannes Budde (Barssel) an, der Beisitzer wird. Stellvertreter ist künftig Nicolai Sauer (Syke) als Nachfolger des ausscheidenden Heinrich Sasse (Rinteln).
Einen breiten Raum nahmen die Ehrungen verdienter Funktionäre, Sportler und Förderer des Fußballs ein. So wurde Ferdinand Dunker zum Ehrenmitglied ernannt, während Johannes Budde, Peter Eilts (Wilhelmshaven), Martin Kind (Großburgwedel), Wilhelm Kläfker (Stadthagen), Harald Koning (Nordhorn), Hans-Günther Kuers, Gerd Lüdtke (Bad Bevensen), Wolfgang Mierswa, Fritz Redeker (Neustadt-Mariensee), Jürgen Stebani, Manfred Steinhauer (Estorf), Dieter Tempel (Bad Zwi-schenahn), Günther Thielking (Hagen), Egon Trepke und August-Wilhelm Winsmann die Goldene Ehrennadel des Niedersächsischen Fußballverbandes erhielten. Mit „Silber“ wurden Friedel Gehrke (Achim), Reinhard Grindel, Bastian Hellberg, Udo Mientus (Barsinghausen), Karl-Heinz Neddermeier (Barsinghausen) und Klaus-Detlef Richter (Barsinghausen) ausgezeichnet.
Besonderen Dank sprach NFV-Präsident Karl Rothmund bereits beim „Barsinghäuser Abend“ zudem Stefan Antkowiak und Andreas Grajewski (beide Posen) aus. Antkowiak ist Vizepräsident des Polnischen Fußballverbandes (PZPN) und Präsident des Großpolnischen Fußballverbandes (WZPN), zu dem der NFV seit Jahren freundschaftliche Beziehungen pflegt. Grajewski hatte als Sportmanager die Verbindung zwischen den Verbänden hergestellt. Beide polnischen Gäste erhielten die Ehrenspange des NFV-Verbandstagsgäste waren auch Roger Deshuelles, Generalsekretär der Ligue de Football Basse-Normandie, sowie Guy Dancel, Vorsitzender der Kommission Partnerschaften im französischen Regionalverband, mit dem der NFV ebenfalls eine langjährige Fußballfreundschaft pflegt. Franzosen und Polen wurden anlässlich des Verbandstages von Marc Lahmann, Bürgermeister der Stadt Barsinghausen, empfangen und trugen sich in das Goldene Buch der Stadt ein. Auch Horst R. Schmidt als Ehrenmitglied des Deutschen Fußball-Bundes verewigte sich später in diesem Buch.
Das neue Präsidium des Niedersächsischen Fußballverbandes setzt sich in den kommenden drei Jahren wie folgt zusammen: Präsident: Karl Rothmund (Barsinghausen), Vizepräsident Finanzen: Günter Distelrath (Hannover), NFV-Direktor: Bastian Hellberg (Burgdorf), Vizepräsidenten: Egon Trepke (Gifhorn), August-Wilhelm Winsmann (Heinsen), Hans-Günther Kuers (Eldingen) und Dieter Ohls (Schortens) sowie den Mitgliedern: Walter Fricke (Westoverledingen), Jürgen Stebani (Melbeck), Karen Rotter (Uetze), Bernd Domurat (Wilhelmshaven), Dieter Neubauer (Wolfsburg) und Frank Schmidt (Osnabrück).