"Die Zuschauer haben applaudiert"
Beim SV Wacker Nürnberg sind "Flüchtlinge willkommen" [Foto: privat]
Tag für Tag treffen überall in ganz Bayern neue Flüchtlinge ein - und die Hilfsbereitschaft der Menschen ist überwältigend. Überall im Freistaat packen auch die bayerischen Fußballvereine mit an, suchen den Kontakt zu Flüchtlingsstätten und Aufnahmehäusern in ihrer Region, sammeln Kleider und Schuhe, sensibilisieren die Bevölkerung mit öffentlichen Aktion für die Situation der Flüchtlinge, um Vorbehalte abzubauen, helfen bei Sprachschwierigkeiten weiter und integrieren fußballbegeisterte Asylsuchende ins Vereinsleben.
Auch im Raum Nürnberg werden in den kommenden Tagen wieder neue Flüchtlinge erwartet, die ganz in der Nähe der Sportanlage des SV Wacker Nürnberg in einem Schulzentrum untergerbacht werden sollen. Um Vorurteile abzubauen und deutlich zu machen: "Ihr seid bei uns willkommen" hat der mittelfränkische A-Klassist am Wochenende beim Spiel gegen den TSV Sack (6:0) schon mal ein deutliches Zeichen gesetzt: "Refugees welcome" war die deutliche Botschaft, für die die Spieler vor dem Anstoß warben. "Die Idee kam von einer Spielermutter - und wir haben den Vorschlag dann sofort aufgenommen und umgesetzt", erklärt Robert Danninger, Sportlicher Leiter beim SV Wacker Nürnberg. Doch damit nicht genug: "Wir wollten aber nicht nur ein Zeichen setzen, sondern auch aktiv Hilfe leisten. Darum haben wir dazu aufgerufen, Kleider, Trainings- und Fußballschuhe zu sammeln. Schließlich haben die Menschen, die hier Ende der Woche ankommen, nichts bis auf das, was sie am Körper tragen." Für Dannninger ist es eine Selbstverständlichkeit, dass sein Verein hier hilft: "Wir haben ja auch eine gesellschaftspolitische Aufgabe - und der wollen wir gerecht werden. Außerdem sind wir selbst ein Multikulti-Klub. Bei uns spielen Menschen, die ihre Wurzeln in Polen, Rumänien, der Türkei und im ehemaligen Jugoslawien haben." Die Rückmeldungen, die Danninger bislang bekommen hat, bestärken ihn in seinem Engagement: "Die Zuschauer haben applaudiert, als die Spieler vor der Partie die Buchstaben in die Höhe gehalten haben. Und auch auf facebook haben wir nur positive Rückmeldungen für die Aktion bekommen." Deshalb will der Klub nun auch einen Schritt weiter gehen. "Unsere 2. Vorsitzende Angelika Bierstaedt organisiert gerade die Übergabe unserer Kleidersammlung. Zudem sind wir dabei abzuklären, wie wir dafür sorgen können, dass die Flüchtlinge bei uns im Verein mittrainieren und später vielleicht mitspielen können. Ich selbst bin total fußballverrückt und weiß, wie schnell ich unleidig werde, wenn ich im Urlaub mal zwei Wochen lang nicht Fußball spielen kann", so Danninger, der anderen Vereinen nur empfehlen kann, es dem SV Wacker Nürnberg gleichzutun. "Diese Menschen brauchen Hilfe und jeder von uns kann helfen, ohne dass es einem persönlich weh tut."
BFV unterstützt Vereine
Bei der Erteilung von Spielberechtigungen für Flüchtlinge und Asylbewerber unterstützt der Bayerische Fußball-Verband seine Vereine (Infos) , der BLSV übernimmt die kompletten Kosten für deren pauschale Sportversicherung. Tipps zum Umgang mit Flüchtlingen gibt es in der kostenlosen DFB-Bröschüre "Willkommen im Verein" . Aktuell bekommen die Initiativen der Fußballvereine zusätzlich einen weiteren kräftigen Schub. Die DFB-Stiftung Egidius Braun, die Nationalmannschaft und die Bundesregierung stellen für 2015 und 2016 zusammen insgesamt 700.000 Euro bereit, mit denen Vereine in ganz Deutschland bei ihrem Engagement für Flüchtlinge unterstützt werden sollen. Pro Jahr können damit unter dem Motto "1:0 für ein Willkommen" rund 700 Vereine jeweils 500 Euro Starthilfe für ihre jeweiligen Flüchtlingsprojekte erhalten. Zum Beispiel: Spielangebote auf dem Vereinsgelände ohne Mitglied zu sein, Verabredung spezieller Schulpartnerschaften, kostenfreie Mitgliedschaft im Verein, Bereitstellung von Trainingstextilien, Engagement in Gemeinschaftsunterkünften, Begleitung bei Behördengängen, Organisation von Fahrdiensten (Unterkünfte/Verein) oder Besuche in Übergangswohnheimen. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt und auch eigene, neue Vorschläge willkommen. Vereine können die Fördermittel formlos bei der DFB-Stiftung Egidius Braun in Hennef beantragen, deren Gremien dann über die Vergabe der Mittel entscheiden. Auch hier sind bereits zahlreiche Vereine aus Bayern dabei - unter anderem der FC Wacker München, der SV Riedenberg, der SV Hartmannshof, der SV Uttenreuth, der SV Altensittenbach, der TSV Röttenbach, die SpVgg Reuth, der FC Schnaittach, die SpVgg Kaufbeuren, der FC Kempten, der TV Hindelang, der TSV Mindelheim und der TSV Seeg.
Natürlich hilft der BFV auch in Einzelfällen beispielsweise über die BFV-Sozialstiftung weiter und versucht, in Rücksprache mit den Kreisspielleitern in den 24 Fußballkreisen Vereine und Asylbewerber zusammenzubringen. Ansprechpartner beim Bayerischen Fußball-Verband ist Frank Schweizerhof (Abteilung Soziales), Telefonnummer: 089 542770-37, E-Mail: frankschweizerhof@bfv.de.