Lothar Matthäus |10.05.2018|16:00

7. Liga: Matthäus will die "10" nicht tragen

Sorgt mit seinem Comeback für den 1. FC Herzogenaurach für großes Medieninteresse: Weltmeister Lothar Matthäus[Foto: imago]

Der Weltmeister von 1990 in der Bezirksliga! Was an diesem Sonntag, 13. Mai, um 15 Uhr Wirklichkeit wird, hat der Bayerische Fußball-Verband (BFV) bereits am 27. Oktober 2017 möglich gemacht - an diesem Tag hat die Passstelle im "Haus des Fußballs" den Wechsel von Lothar Matthäus zum 1. FC Herzogenaurach formell genehmigt und dem Ehrenspielführer der deutschen Nationalmannschaft einen offiziellen Spielerpass ausgestellt. "Ein Vorgang, wie wir ihn pro Jahr über 60.000 Mal haben", sagt der zuständige BFV-Abteilungsleiter Stefan Schneider: "Aber natürlich war das schon etwas Besonderes."

Besonders deshalb, weil es kein Jux war: Der Weltmeister von 1990 erfüllt sich einen Traum und läuft tatsächlich für seinen Heimatverein in der  Bezirksliga Mittelfranken Nord  auf. "Das letzte Spiel meiner Karriere will ich für den FCH spielen. Ich habe dem Verein viel zu verdanken", sagte der Weltfußballer jüngst gegenüber der Sport Bild, sein Comeback hatte der TV-Experte live im Sky-Studio verkündet - und nun ist es soweit: Der 57-Jährige wird am Sonntag das Trikot "seines" 1. FCH tragen, bei dem er alle Jugendmannschaften durchlaufen hat, ehe er zu Borussia Mönchengladbach gewechselt ist. Gegner ist ab 15 Uhr die SpVgg Hüttenbach-Simmelsdorf. Herzogenaurach steht bereits als Meister und Landesliga-Aufsteiger fest - weswegen am Sonntag ohnehin die große Sause steigt: "Im Anschluss an das Spiel ist die Meisterfeier im Sportheim geplant", sagt FCH-Abteilungsleiter Rudolf Litz: "Mit Lothar Matthäus wird das jetzt sicherlich alles etwas größer ausfallen."

"Das letzte Spiel meiner Karriere will ich für den FCH spielen. Ich habe dem Verein viel zu verdanken"

Denn die Resonanz ist enorm, das Medieninteresse riesig: "Wir haben zahlreiche Anfragen, was uns absolut freut, denn als Amateurfußballer stehen wir so oft ja nicht im Rampenlicht." Litz hatte bereits mehrmals Kontakt mit Matthäus und weiß, "dass er sich als Teil der Mannschaft sieht und sich da ganz bescheiden gibt": So ist die Frage nach der Rückennummer für den Weltmeister komischerweise noch offen: "Für uns war klar, dass wir ihm die 10 geben", sagt Litz: "Aber er wollte das nicht. Er will eine Nummer, die frei ist. Das zeigt, wie normal er tickt und dass ihm das Spiel eine echte Herzensangelegenheit ist." Und auch auf welcher Position er spielt, überlässt Matthäus dem Trainer. "Dort", sagt Litz, "wo ihn der Trainer haben möchte, spielt er, hat er uns gesagt."

Also wird Matthäus am Sonntag wie alle seine Teamkollegen um Trainer Jakob Karches vom 1. FC Herzogenaurach pünktlich um 13.30 Uhr zum vereinbarten Treffpunkt in der vor einem Jahr erst frisch renovierten Kabine erscheinen. Matthäus ist nicht das erste Mal dort, bei der Einweihung im Frühjahr 2017 war er selbst da - und auch ihren berühmtesten Sohn haben die FCH-Verantwortlichen entsprechend verewigt. Im Gang zur Kabine ist dem heute 57-Jährigen eine ganze Wand gewidmet, die von seinen Erfolgen erzählt. Für Rudolf Litz und sein Team steht also ein großer Tag bevor, wenn es zum einen die Meisterschaft offiziell zu feiern gibt und zum anderen ein Weltmeister in der sechsten Liga sein Comeback gibt.

Ein ähnliches Highlight gab es bereits im vergangenen Jahr, als Ex-Nationaltorhüter Tim Wiese beim Kreisliga-Duell zwischen der SSV Dillingen und dem TSV Haunsheim (Endstand 1:2) sein Comeback auf dem Fußballplatz feierte und dem bayerischen Amateurfußball eine gehörige Portion Aufmerksamkeit verschaffte. "Der Amateurfußball muss mit der Zeit gehen. Wir können nicht damit rechnen, dass die Menschen Woche für Woche von alleine zum Fußballplatz kommen. In unserer eventisierten Gesellschaft müssen wir besondere Höhepunkte schaffen und einzelne Partien wie Derbys oder Relegationsspiele herausstellen. Dann kommen die Menschen auch gerne. Dillingen hat in der Regel etwa hundert Zuschauer, beim Wiese-Comeback waren über 2000 im Stadion. Auch in Herzogenaurach werden am Sonntag wesentlich mehr als die üblichen 150 Zuschauer den Weg an den Platz finden", erklärt BFV-Präsident Rainer Koch.