Sievers: Über England und Japan nach Leipzig
Jan-Ole Sievers (rechts) in Leipzig: ""Ich möchte hoch in die 3. Liga und glaube, dass ich das mit Lok Leipzig schaffen kann."[Foto: 1. FC Lok Leipzig]
Für Jan-Ole Sievers beginnt im Juli eine neue Herausforderung. Wieder einmal. Der 26 Jahre alte Torhüter wechselt innerhalb der Regionalliga vom Südwest-Vizemeister SV 07 Elversberg in die Nordost-Staffel zum 1. FC Lok Leipzig. Die Gründe für diesen Schritt sind vielfältig. In erster Linie will der in Karlsruhe geborene Schlussmann aber eines: Wieder häufiger zwischen den Pfosten stehen. Während des halbjährigen Intermezzos in Elversberg war Sievers nicht über die Rolle des Ersatztorhüters hinausgekommen.
Sich nach nur kurzer Zeit umzuorientieren, damit hatte der 1,88 Meter große Linksfuß aber ohnehin nie ein Problem. Und so schlägt er nun ein weiteres Kapitel in seiner bereits bemerkenswerten Karriere auf. "Ich bin immer offen für Neues", erzählt Sievers, während er sich gerade am Flughafen von Palma de Mallorca auf den Rückflug nach Deutschland bereit macht. Auf Mallorca gab es gemeinsam mit seiner Freundin ein paar Tage Entspannung, bevor er in Leipzig nun neu angreift.
"Lok Leipzig ist ein ambitionierter Traditionsverein", sagt Sievers über seinen neuen Klub, für den er beinahe ans andere Ende des Landes zieht. Rund 550 Kilometer trennen Elversberg und die sächsische Metropole. Der zunächst beim Karlsruher SC und später in der berühmten Fußballschule von Gerry Ehrmann beim 1. FC Kaiserslautern ausgebildete Torwart möchte in Leipzig aber nicht nur mehr Einsätze sammeln als zuletzt im Saarland - sondern hat auch große Ziele: "Ich möchte hoch in die 3. Liga und glaube, dass ich das mit Lok Leipzig schaffen kann. Die Rahmenbedingungen sind optimal. Das Umfeld, das Stadion, die Fans: Der Verein besitzt eine große Strahlkraft und viel Potential", so Sievers, der für den 1. FC Kaiserslautern bereits in der 2. Bundesliga und 3. Liga auflief.
Schreine und Tempel in Japan
"Das Umfeld, das Stadion, die Fans: Der Verein besitzt eine große Strahlkraft und viel Potential"
Profiluft schnuppern durfte Sievers aber nicht nur beim langjährigen Bundesligisten am Betzenberg. 13.000 Kilometer von der Pfalz entfernt stand er von Dezember 2019 bis Juni 2020 beim japanischen Zweitligisten FC Gifu zwischen den Pfosten. Über seinen Berater bekam der Torwart die Möglichkeit, in das Land der aufgehenden Sonne ausgeliehen zu werden. "Als ich das Angebot bekam, musste ich erst einmal auf der Landkarte nachschauen, was mich geografisch genau erwartet", sagt Sievers grinsend: "Danach habe ich mich etwas intensiver eingelesen und war schnell begeistert. Da ich ohnehin reiselustig bin und gerne Neues entdecke, war es eine schöne Chance, ein anderes Land kennenzulernen und dort gleichzeitig Spielpraxis zu sammeln."
Während seiner ersten Zeit in Asien erlebte Sievers viel - neben Spielen vor bis zu 15.000 Zuschauer*innen musste er beispielsweise akzeptieren, dass Begegnungen aufgrund von Taifunen und Erdbeben abgesagt werden. Generell entdeckte Sievers in Japan eine ganz andere Landschaft, die nicht mit Deutschland zu vergleichen sei: "Ich bin auch viel gereist, war unter anderem in Tokio, Osaka und Kyoto. Von wunderschönen verlassenen Seen über tropische Wälder bis hin zu traditionsreichen Schreinen und Tempeln: Ich habe Japan als ein beeindruckendes Land kennengelernt und wäre tatsächlich gerne auch noch länger geblieben."
Die Corona-Pandemie machte ihm aber einen Strich durch die Rechnung. Die Grenzen wurden früh geschlossen. So wurde es schwer für ihn, ein verlängertes Arbeitsvisum zu erhalten. Also ging es zunächst zurück zum 1. FC Kaiserslautern, im Januar dieses Jahres folgte dann der Wechsel nach Elversberg.
Von Karlsruhe zu den Bolton Wanderers
Die zehn Monate in Japan waren für Sievers aber nicht seine erste Auslandserfahrung. Schon in der Jugend zog es ihn in ein anderes Land. Über einen Kontakt seines Vaters kam Sievers zu einem Probetraining bei den Bolton Wanderers in England. Er überzeugte - und entschied sich als 16-Jähriger für einen Wechsel von Karlsruhe nach Bolton. In England wohnte Sievers bei einer Gastfamilie und verfolgte zeitgleich seinen Traum vom Profifußball.
Zwei Jahre blieb der Keeper, bevor er 2013 nach Deutschland zurückkehrte. "Für mich war von Anfang an klar, dass ich irgendwann zurückkomme", erinnert sich Sievers: "Ich wollte mein Fachabitur in Deutschland abschließen und bekam außerdem die Möglichkeit, in die Nachwuchsabteilung des 1. FC Kaiserslautern zu wechseln."
Ausbildung bei Lautern-Legende
Der Wechsel zum FCK bedeutete für Sievers zum einen, nicht weit von der Heimat in Karlsruhe entfernt zu sein. Zum anderen wurde er dort von Lautern-Legende Gerry Ehrmann ausgebildet, der auch spätere Bundesliga- und Nationaltorhüter wie Roman Weidenfeller, Tim Wiese oder Kevin Trapp unter seinen Fittichen hatte. Beste Voraussetzungen also, um weiter an seinem Profitraum zu arbeiten.
Durchsetzen konnte sich Sievers anschließend in Kaiserslautern aber nicht. Über Japan und Elversberg führt sein Weg jetzt nach Leipzig. Schreine und Tempel wird Sievers dort nicht vorfinden. Dafür aber etwas anderes Traditionsreiches: Einen Verein, der sich seit mehreren Jahrzehnten nach der Rückkehr in den Profifußball sehnt. In den 1970er und 1980er Jahren zählte die "Loksche" zu den erfolgreichsten Vereinen der DDR-Oberliga, 1987 standen die Leipziger sogar im Endspiel um den damaligen Europapokal der Pokalsieger. Gemeinsam mit Sievers wollen die Sachsen bald zurück auf die große Bühne.