Bezirksliga |15.05.2023|08:45

Selim Dogan: Cheftrainer mit erst 17 Jahren!

Selim Dogan: "Meine Idole im Trainerbereich sind José ​Mourinho und Sir Alex Ferguson."[Foto: FSV Columbia Donnerberg/privat]

Zumindest für drei Partien war Selim Dogan beim abstiegsbedrohten Bezirksligisten FSV Columbia Donnerberg aus Eschweiler vom Co- zum Cheftrainer aufgestiegen - und das im zarten Alter von gerade einmal 17 Jahren. Im FUSSBALL.DE-Interview spricht der angehende Abiturient über die außergewöhnliche Konstellation während seiner kurzen Amtszeit, seine Idole als Trainer und seinen großen Traum.

FUSSBALL.DE: Mit erst 17 Jahren waren Sie für einige Wochen als Cheftrainer für den FSV Columbia Donnerberg in der Bezirksliga Mittelrhein tätig. Wie kam es zu diesem besonderen Engagement, Herr Dogan?

Selim Dogan: Der Vorstand hatte sich vor einigen Wochen dazu entschieden, den neuen Cheftrainer von der Mannschaft bestimmen zu lassen. Unser Kapitän befragte jeden Spieler anonym. Dabei kam dann heraus, dass sich das Team mich als neuen Coach wünschte. Dem hat die Vereinsführung dann auch zunächst zugestimmt.

Seit wann sind Sie schon in Trainerfunktionen tätig?

"Ich habe mich über die Herausforderung gefreut und versucht, aus jedem einzelnen Spieler das Beste herauszuholen."

Dogan: Schon zur Saison 2021/2022 bin ich mit damals 15 Jahren Co-Trainer der ersten Mannschaft geworden. Ich hatte also zum Zeitpunkt meiner Beförderung bereits seit mehr als eineinhalb Jahren mit dem Team zusammengearbeitet.

Woher kommt Ihre frühe Begeisterung für den Trainerjob? Warum spielen Sie nicht noch selbst?

Dogan: Ich habe im Grundschulalter noch selbst für Columbia Donnerberg gespielt. Leider kam es früh zu einer schweren Verletzung und meine Mutter hat mir dann ans Herz gelegt, nicht weiter aktiv Fußball zu spielen, um langfristige gesundheitliche Probleme zu vermeiden. Ich wollte aber unbedingt dem Fußball erhalten bleiben und habe früh vom Verein die Möglichkeit erhalten, die erste Mannschaft als Co-Trainer zu unterstützen. Dafür bin ich dem Klub sehr dankbar. Gleiches gilt für die Chance, als Cheftrainer arbeiten zu dürfen, auch wenn sich der Verein nach drei Partien mit einem Sieg, einem Remis und einer Niederlage wieder für einen anderen Weg und einen anderen Trainer entschieden hat.

Wieviel Respekt hatten Sie grundsätzlich vor der Aufgabe als Cheftrainer? Schließlich dürfte so gut wie jeder Spieler zum Teil deutlich älter als Sie gewesen sein.

Dogan: So war es in der Tat. Als Trainer war ich der Jüngste im Team - das klingt schon komisch. (lacht) Aber ich habe mich über die Herausforderung gefreut und versucht, aus jedem einzelnen Spieler das Beste herauszuholen.

Wie haben die Spieler reagiert, als sie erfahren haben, dass sie ab sofort von einem 17-Jährigen trainiert werden?

Dogan: Wie schon gesagt: Die meisten Spieler hatten mich ja selbst zum Cheftrainer gewählt. Das gab mir direkt ein gutes Gefühl und auch die Gespräche hatten mir gezeigt, dass ich unabhängig von meinem Alter respektiert wurde. Dass der Verein jetzt wieder auf einen erfahreneren Trainer setzt, muss ich akzeptieren.

Als was für einen Trainertypen würden Sie sich beschreiben - und zu welchen Profitrainern schauen Sie auf?

Dogan: Energisch und aktiv trifft es gut - außerdem versuche ich immer, negative Energie zu vermeiden. Außerdem ist mir Disziplin sehr wichtig. Meine Idole im Trainerbereich sind José Mourinho und Sir Alex Ferguson. Dazu kommt mit Vitor Pereira, der zuletzt bei Flamengo in Brasilien und davor auch schon in Deutschland beim TSV 1860 München gearbeitet hat, ein nicht so populärer Trainer. Und auch von Coaches wie Pep Guardiola oder Carlo Ancelotti schaue ich mir immer gerne etwas ab.

Noch gehen Sie zur Schule. Welchen Abschluss streben Sie an und was sind die Pläne für danach?

Dogan: Ich werde voraussichtlich 2024 mein Abitur machen. Danach kann ich mir gut vorstellen, ein Studium zu beginnen. In welche Richtung ich gehen möchte, ist noch offen.

Lebt Ihr Traum von einer professionellen Trainerkarriere?

Dogan: Absolut. Diesen Traum möchte ich mir so schnell wie möglich erfüllen und dafür gebe ich jeden Tag auf und abseits des Platzes mein Bestes. Erst einmal freue ich mich jetzt aber über meinen ersten Job als Cheftrainer.