Zeitler: "Freue mich wie ein Schnitzel"
Sebastian Zeitler: "Wir waren mit 201 Treffern die erfolgreichste Mannschaft im gesamten bayerischen Amateurfußball".[Foto: Florian Zeitler/VfB Wölbattendorf]
Mit 77 Treffern schnappte sich Sebastian Zeitler aus der A-Klasse Frankenwald Nord in Bayern für die Spielgemeinschaft VfB Wölbattendorf/FC Konradsreuth die Torjägerkanone für alle in der 10. Liga. Im FUSSBALL.DE-Interview spricht der 27 Jahre alte Angreifer, der beruflich als Produktionsmechaniker in einer Spinnerei arbeitet, über die Aufstiegsparty und die Ehrung beim Länderspiel in Dortmund.
FUSSBALL.DE: Haben Sie bereits realisiert, was Ihnen mit 77 Saisontreffern in der gerade abgelaufenen Spielzeit gelungen ist, Herr Zeitler?
Sebastian Zeitler: Noch nicht so wirklich. ( lacht ) Die Saison war wirklich außergewöhnlich. Wahrscheinlich werde ich in meinem Leben nie mehr so viele Tore erzielen. Andererseits: In wenigen Wochen beginnt für uns schon die neue Saison. Deshalb ist dieser Erfolg für mich auf Null gestellt. Ich habe mich riesig gefreut, bekomme deshalb aber keinen Höhenflug.
Ab welchen Zeitpunkt war Ihnen klar, dass Sie es schaffen können?
"Ich spiele lieber mit meinen Kumpels zusammen, die ich seit dem Kindergarten kenne"
Zeitler: Wir sind in unserer Liga ohne Niederlage Meister geworden und waren mit 201 Treffern die erfolgreichste Mannschaft im gesamten bayerischen Amateurfußball. In der Winterpause hatte ich bereits 55 Tore auf dem Konto. Das war schon eine gute Basis, auch wenn zu diesem Zeitpunkt schon rund zwei Drittel der Saison absolviert waren. Ich habe weiter an mich geglaubt, hatte das Ranking immer fest im Blick.
Wurden der Gewinn der Meisterschaft und Ihr persönlicher Erfolg im Rahmen einer Abschlussfeier gebührend gefeiert?
Zeitler: Bei der Aufstiegsparty im Vereinsheim haben wir die Korken knallen lassen. Ich selbst habe die Mannschaft als Dankeschön auch ein wenig gesponsert und ein 20-Liter-Fass Bier spendiert. ( lacht )
Wo sehen Sie Ihre Stärken? Was macht es so schwer, gegen Sie zu verteidigen?
Zeitler: Ich bin extrem schnell, wendig und vor dem Tor eiskalt. Kaum ein Gegenspieler kann mich auf unserem Niveau aufhalten, wenn ich einmal Fahrt aufgenommen habe.
In welchen Bereichen wollen Sie sich noch verbessern?
Zeiter: Meine größte Schwäche ist das Kopfballspiel. Daran muss ich arbeiten, wenn ich mich eine Liga höher ebenfalls durchsetzen will. Grundsätzlich muss ich meinen Fitnesszustand verbessern. Ganz ehrlich: Ich bin ein bisschen bequem, werde deshalb in der Sommerpause verstärkt die Laufschuhe anziehen.
Tore wecken bekanntlich Begehrlichkeiten bei anderen Klubs. Wie viele Angebote mussten Sie bereits ablehnen?
Zeitler: Im Herrenbereich spiele ich jetzt auch schon seit zehn Jahren für meinen Heimatklub VfB Wölbattendorf. Ich habe immer meine Tore gemacht und Angebote bekommen. Aber die Leute in unserer Region wissen mittlerweile, dass ich für keinen anderen Verein mehr auflaufen werde. Ich spiele lieber mit meinen Kumpels zusammen, die ich seit dem Kindergarten kenne. Alles läuft sehr familiär ab.
Ihr Verein hat in den zurückliegenden sechs Jahren zwei Auf- und zwei Abstiege erlebt. Wie zuversichtlich sind Sie, dass die Spielgemeinschaft keine Fahrstuhlmannschaft bleibt?
Zeitler: Durch die neugegründete Spielgemeinschaft mit dem FC Konradsreuth sind wir jetzt viel besser aufgestellt. Der FC Konradsreuth hat genau die Spieler und die Qualitäten mit in das Team eingebracht, die uns vorher gefehlt haben. Ich hoffe sehr, dass wir den
Klassenverbleib schaffen und uns mittelfristig in der Kreisklasse etablieren. Auf einen dritten Abstieg habe ich keinen Bock. ( lacht )
Am 12. September wird Ihnen die Torjägerkanone im Rahmen des Länderspiels Deutschland gegen Frankreich in Dortmund überreicht. Wie finden Sie das?
Zeitler: Es ist bombastisch, dass ich bei diesem Spiel meine Auszeichnung erhalte. Besser hätte es gar nicht laufen können. Neben meiner Sympathie für den 1. FC Nürnberg bin ich auch BVB-Fan, freue mich schon jetzt wie ein Schnitzel und habe richtig Bock, dort hinzufahren. Das ist für mich ganz großes Kino.
Wo wird die Torjägerkanone zuhause ihren Platz finden?
Zeitler: Die Trophäe wird in meiner Vitrine einen Ehrenplatz bekommen. Ich habe bereits vier Pokale bekommen. Die Torjägerkanone, die am aussagekräftigsten und wertvollsten ist, werde ich genau in die Mitte stellen.
Welchen Tipp können Sie anderen Stürmern geben, um so erfolgreich wie Sie zu werden?
Zeitler: Bei der Vorbereitung auf eine Partie esse ich fast gar nichts. Damit habe ich gute Erfahrungen gemacht. Im Spiel selbst muss man immer in Bewegung bleiben, sich ständig anbieten, sich auf seine Stärken konzentrieren und ständig hungrig auf Tore sein.