SV Linx: Freibier nach Finaltag-Sensation
Da ist das Ding! Linx schnappt sich den Verbandspokal in Südbaden.[Foto: imago/Eibner]
Der SV Linx dürfte bis zum Finaltag der Amateure nur ausgewiesenen Fußball-Experten ein Begriff gewesen sein. Der Sechstligist aus der 1200 Einwohner-Gemeinde an der Grenze zu Frankreich trat bundesweit bislang nur 1995 beim DFB-Pokalspiel gegen den FC Schalke 04 (1:2) kurz in Erscheinung - bis jetzt. Denn mit dem sensationellen 2:1 gegen den eine Klasse höher spielenden Oberligisten FC Villingen 08 im Finale um den Südbadischen Verbandspokal qualifizierte sich Linx zum zweiten Mal in seiner Vereinsgeschichte für den DFB-Pokal.
Einen Tag nach dem historischen Erfolg vor 2722 Zuschauern im Stadion Dammenmühle in Lahr im Schwarzwald konnten es der Sportliche Leiter Marc Schuhmacher und Trainer Sascha Reiß noch immer nicht richtig fassen. „Ich habe Sascha zum Essen eingeladen - und wir haben uns immer wieder ungläubig angeschaut“, sagt der 29-jährige Schuhmacher, ehemaliger Kapitän und Torhüter des SVL sowie im Hauptberuf Leiter eines Speditionsunternehmens, im Gespräch mit FUSSBALL.DE .
Am überraschenden Erfolg über den Favoriten aus Villingen hatte Torjäger Adrian Vollmer, der in der Verbandsliga Südbaden schon 33-mal erfolgreich war, entscheidenden Anteil. Zwar war Villingen dank Damian Kaminski (47.) kurz nach der Halbzeit in Führung gegangen. Doch nach einem Vollmer-Kopfball unterlief dem Villinger Verteidiger Daniel Niedermann (82.) ein Eigentor. Vollmer (86.) ließ kurz vor Schluss mit dem 2:1 aus kurzer Distanz alle Linxer jubeln.
Schuhmacher hatte das Spiel von der Tribüne aus verfolgt. „Ganz ehrlich: In der 70. Minute haben wir uns alle angeschaut und gedacht: Schade, das wird nichts mehr. Nach dem Eigentor war das Momentum aber plötzlich auf unserer Seite.“
"In der 70. Minute haben wir uns alle angeschaut und gedacht: Schade, das wird nichts mehr."
Mit Autokolonne, Freibier und Linxer Würstchen
Den Moment des Erfolgs kostete der SV Linx gebührend aus. Noch in Lahr begannen die Feierlichkeiten, danach ging es in Kolonne über die Autobahn auf die Platzanlage in Linx. Die Mannschaft und rund 150 Fans feierten bis in die Morgenstunden bei Freibier und den „berühmten“ Linxer Würstchen.
Die drei SVL-Spieler Alexander Merkel, Dennis Klemm und Norman Riedinger erwiesen sich bei den Feierlichkeiten als besonders ausdauernd. Zum Schlafen gastierten sie sich kurzerhand bei der Vereinswirtin ein. Gleich nach dem Aufstehen schnappte sich das Trio den Pokal und präsentierte ihn in der gesamten Gemeinde. „Viel können die Jungs nicht geschlafen haben“, so Schuhmacher mit einem Lachen auf dem Gesicht.
Auslosung am 8. Juni
Jetzt wartet ganz Linx gespannt auf den 8. Juni. Dann wird live in der ARD die erste Hauptrunde um den DFB-Pokal ausgelost. Eine Delegation des SVL wird die Auslosung im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund verfolgen.
„Wir wünschen uns einen renommierten Erst- oder Zweitligisten“, so Schuhmacher, auf den so oder so einige Arbeit zukommt. „In unserem Stadion für knapp 3000 Zuschauer werden wir kaum spielen können. Ein Ausweichen nach Kehl oder sogar Freiburg wird wohl unausweichlich sein - je nachdem, auf welchen Gegner wir treffen.“
Die garantierten Einnahmen in Höhe von 115.000 Euro für das Erreichen der ersten DFB-Pokalrunde will Schuhmacher nicht in Beine, sondern in Steine investieren. „Ein Rasenplatz und das Flutlicht stehen bei uns auf der Liste“, erklärt der Funktionär.
Bei aller Freude über das Erreichen des DFB-Pokals, auf den SV Linx warten noch einige wichtige Aufgaben. Die Verbandsliga Südbaden führt der SVL mit drei Punkten Vorsprung auf den Freiburger FC an. Drei Spieltage sind noch auszutragen. Schuhmacher „Wir haben alles selbst in der Hand. Werden wir Meister, steigen wir direkt auf. Andernfalls müssen wir Aufstiegsspiele bestreiten. Das wollen wir vermeiden. Ich hoffe, dass unsere Mannschaft den Rückenwind mit in den Saisonendspurt nimmt.“