Ehrenamt |04.07.2021|12:30

Mit erst 18 Jahren: Spieler, Trainer & Schiri

Fabian Waid: "Nicht nur ich, sondern meine gesamte Familie, ist fußballverrückt."[Foto: privat]

"Ganz ohne Fußball werde ich nie können", sagt Fabian Waid – und das trifft den Nagel auf den Kopf. Der gerade einmal 18 Jahre alte Fachabiturient ist in seinen jungen Jahren bereits in dreierlei Hinsicht "fußballverrückt", denn Fabian hat nicht nur seinen Schiedsrichterschein in der Tasche und engagiert sich als Jugendtrainer – er steht zusätzlich auch noch selbst als Spieler auf dem Platz.

Eine Begeisterung, die in Kindheitstagen begann. "Die Fußballfaszination meines Vaters hat mich geprägt und ich war schon als Kind nie wirklich ein Lego-Spieler, sondern immer der Typ, der draußen gekickt hat", so Waid, der bereits im Alter von vier Jahren beim TUS Kleinern im Verein spielte. Aber nicht nur Fabians Vater Markus, der von den Bambinis bis zur C-Jugend seinen Sohn trainierte, ist begeisterter Fußballer. Auch Fabians Großeltern waren als Spieler aktiv. Sogar Oma Waid war ihrerzeit Spielerin in der Frauenmannschaft von Bad Wildungen. "Das war sehr besonders für meine Oma, da es früher noch nicht viele Frauenmannschaften gab. Dadurch wird deutlich: Nicht nur ich, sondern meine gesamte Familie, ist fußballverrückt."

Und genau deswegen will Fabian mehr als "nur" Kicken. Mit 14 Jahren entschied er sich, den Schiedsrichterschein zu machen. "Mein Kumpel wollte unbedingt den Schiri-Lehrgang machen, und auch ich hatte diesen Wunsch seit der D-Jugend, in der ich selbst ein Spiel pfeifen durfte. Es war so: Meine Mannschaft, mich eingeschlossen, hat damals sehr viel gegen den Schiri gemeckert. Deswegen hat mein Vater, der damals unser Trainer war, beschlossen, dass jeder von uns Spielern mal ein E-Jugend-Spiel pfeifen soll. Sein Ziel war, dass wir verstehen, wie es ist, in der Haut des Schiris zu stecken, der ständig den Meckereien der Spieler ausgesetzt ist. Ich habe direkt großen Spaß am Pfeifen gefunden und damit war die Entscheidung für den Schirischein gefallen." 

Ehrenamt ist essenziell

"Ich bin fußballverrückt, dadurch ist das Ehrenamt für mich selbstverständlich. Ich bin gerne am Sportplatz, ich liebe Fußballspielen und für mich ist das keine Arbeit, sondern durchweg Spaß"

Seither ist der 18-Jährige, zumindest vor dem Corona-Lockdown, jeden Sonntag in Schiri-Montur auf den Sportplätzen der Umgebung unterwegs. Welche Partien Fabian pfeift, muss gut getimt werden, denn wenn Fabian nicht selbst spielt oder pfeift, ist er seit der vergangenen Saison zusätzlich als Jugendtrainer im Einsatz. "Bei uns in der Jugend herrscht großer Trainermangel, deshalb wurde ich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, die E-Jugend zu trainieren. Da dachte ich mir: 'Warum nicht?!' Und los ging meine Trainerlaufbahn."

Mit seinem Engagement will Fabian den Nachwuchs im Verein stärken. "Zu meiner Anfangszeit waren wir bei den Bambinis etwa 30 Spieler. Heute knacken wir, wenn es gut läuft, gerade mal die 20er-Marke. Dass immer weniger Nachwuchs da ist, ist ein großes Problem, vor allem wenn man später eine Herrenmannschaft aus diesen Spielern formen möchte." Sein ehrenamtliches Engagement ist für Fabian selbstverständlich. "Das Ehrenamt ist für das Vereinsleben essenziell. Amateurvereine haben keine finanziellen Mittel, um Trainer zu bezahlen. Es muss also auch zukünftig auf der ehrenamtlichen Basis laufen. Ich bin fußballverrückt, dadurch ist das Ehrenamt für mich selbstverständlich. Ich bin gerne am Sportplatz, ich liebe Fußballspielen und für mich ist das keine Arbeit, sondern durchweg Spaß."

Jeder Tag dreht sich um Fußball

Für den jungen Mann ist der Fußball ein täglicher Begleiter. "Eine normale Woche vor dem Lockdown war sehr voll mit Fußball. Dienstags und donnerstags hatte ich selbst mit der A-Jugend der JSG Edertal/Friedrichstein Training, Montag und Mittwoch war ich als E-Jugend-Trainer der JSG Edertal aktiv, freitags war das Spiel meiner E-Jugend-Kids, am Samstag habe ich selbst gespielt und sonntags habe ich gepfiffen." Eine Leidenschaft, die tiefer geht. Für den 18-Jährigen ist der Fußball nicht nur eine Sportart. Fabian schätzt vor allem die Kameradschaft: "Die Freundschaften, die sich durch das Vereinsleben entwickeln, bestehen auch über den Fußballplatz hinaus."

Spieler wie Fabian, die zusätzlich Schiri und Trainer sind, gibt es sehr selten. Umso spannender also die Frage, welche der drei Rollen die schwierigste ist. "Am leichtesten ist das selbst Spielen. Da ist man weitestgehend auf sich gestellt, konzentriert sich nur auf den Sieg. Als Trainer muss man seine Jungs weiterentwickeln, ihnen viel über den Fußball beibringen. Außerdem hat man eine Sorgfaltspflicht. Ich bin für die Kids eine Vertrauensperson und in gewisser Weise auch ein Vorbild. Als Schiedsrichter muss man aufpassen, dass alle Akteure die Regeln beachten und man selbst muss sie in- und auswendig beherrschen. Man will fair pfeifen und hofft auf ein gutes Spiel, aber man ist allein verantwortlich und kann auch ganz schnell zum Buhmann werden. Alle drei Positionen haben ihr Für und Wider und sind völlig unterschiedlich, deshalb kann ich mich nicht festlegen."

Den schwierigsten Job kann Fabian also nicht ausmachen, seine Favoritenrolle allerdings schon: "Trotz meiner Tätigkeit als Trainer und in der Schiedsrichterei ist es immer noch so, dass ich in der Rolle als Spieler am meisten aufgehe und mir das am meisten Spaß macht."

Trotz Studium auch zukünftig am Ball

Seitdem Fabian selbst pfeift, hat sich auch seine Sichtweise gegenüber den Schiedsrichter*innen geändert. "Früher habe ich viel und gerne gegen den Schiri gemeckert. Erst seit ich selbst Schiri bin, weiß ich, wie schwer es ist, fehlerlos zu pfeifen. Gerade im unteren Amateur- und Jugendbereich gibt es so gut wie nie Linienrichter, deshalb ist es sehr schwer, alles zu sehen und richtig zu entscheiden. Zusätzlich noch dumme Kommentare von den Spielern zu bekommen, ist deswegen alles andere als hilfreich. Deshalb versuche ich inzwischen sogar, meine Mitspieler zu beruhigen. Die Schiris können gar nicht alles richtig machen."

Neben dem Ballsport hat Multitalent Fabian Waid erst kürzlich sein Fachabi geschrieben. Für den Abiturienten steht ein neues Kapitel bevor, doch wider Erwarten hat sein Berufswunsch nichts mit Fußball zu tun. "Klar hatte ich als kleiner Bub den Traum, später Profifußballer zu werden, aber das ist relativ unrealistisch, deswegen will ich ab Oktober anfangen, Wirtschaftswissenschaften zu studieren und in Zukunft Steuerberater werden – genau wie mein Vater."

Trotz des Studiums steht für Fabian aber fest: Er will keinen seiner drei "Fußballjobs" an den Nagel hängen. "Ich werde nicht mehr den gleichen Zeitaufwand wie früher aufwenden können und etwas kürzertreten müssen. Aber ich werde keine Rolle aufgeben und sowohl als Schiri, Spieler als auch als Trainer weitermachen." Denn für Fabian ist der Fußball "ein Großteil" seines Lebens, wie er selbst sagt: "Fußball ist für mich das Hobby fürs Leben. Ganz ohne Fußball werde ich nie können. Weniger, aufgrund meines Studiums, ist okay, aber ganz ohne werde ich niemals können."