Martina Müller: "Ich wollte zurück zu den Wurzeln"
Zweimal Weltmeisterin und Europameisterin: Martina Müller ist eine der größten Fußballerinnen - ihre Karriere hat sie vor einiger Zeit im Amateurfußball beendet.
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Ajkic (v.): "Mein Ziel war immer der Profifußball, dafür habe ich alles andere zurückgesteckt."[Foto: Nina Ruck]
Zehn Treffer hatte er sich für diese Saison mindestens vorgenommen, zweistellig sollte die Quote sein. Nach 30 Spieltagen sind es nun schon 31 Tore – und noch ist die Serie ja nicht zu Ende. Es läuft bei Selim Ajkic, dem Knipser des TSV Sasel. Für den 25-jährigen Deutsch-Bosnier ist der Hamburger Oberligist vielleicht auch nur eine weitere Durchgangsstation auf dem Weg in eine höhere Spielklasse. Schließlich hat Selim Ajkic seinen Traum vom Profifußball noch nicht ganz aufgegeben, schließlich hat er schon unter 1990-Weltmeister Jürgen Kohler und dem jetzigen RB-Leipzig-Chefcoach Ole Werner trainiert. Im Interview mit FUSSBALL.DE erzählt der 1,95 Meter große Angreifer von seiner bewegten Reise durch die Welt des Fußballs, die ihn auch schon zu Kurzengagements in Italien und bei einem klangvollen Klub in Österreich geführt hat.
FUSSBALL.DE: Selim Ajkic, im Schnitt jedes Spiel ein Tor – so kann es weitergehen, oder?
Selim Ajkic: Ja, ich hätte nichts dagegen. Als ich im vergangenen Sommer nach Sasel gekommen bin, hatte ich ein paar Stationen hinter mir, bei denen es aus verschiedenen Gründen nicht so gut geklappt hat. Daher habe ich mir vor Saisonbeginn zum Ziel gesetzt, zweistellig zu treffen, aber mit über 30 Toren habe ich wirklich nicht gerechnet.
Wo würden Sie selbst Ihre Stärken beschreiben, ist es angesichts Ihrer Körpergröße vor allem das Kopfballspiel?
Ajkic: Nein, das gerade nicht. Auch wenn mir in dieser Saison auch schon einige Kopfballtore gelungen sind, ist das trotz meiner 1,95 Meter nicht meine beste Waffe. Ich bin ein klassischer Neuner mit einem starken linken Fuß und denke, dass ich technisch auch ganz gut bin.
Waren Sie schon als Jugendlicher so groß, als Sie über Eintracht Norderstedt und den Niendorfer TSV den Sprung zu Holstein Kiel gewagt haben?
Ajkic: Ja, ich bin früh schnell gewachsen, mit 16 war ich schon bei 1,95 Metern. In Norderstedt habe ich viele Tore geschossen und wollte es in Kiel probieren. Dort habe ich in einer Gastfamilie gelebt und natürlich davon geträumt, mal in der Bundesliga zu spielen. Dazu hat es zwar nicht gereicht, aber ich habe in Kiel und auf meinen weiteren Stationen trotzdem viele wertvolle Erfahrungen sammeln können.
Erzählen Sie bitte!
Ajkic: Als ich in Kiel in der U 17 gespielt habe, war Ole Werner mein Hausaufgaben-Lehrer. Ein sehr netter Typ, er hat zu der Zeit die U 23 von Holstein Kiel trainiert und war zu uns Jungs immer ehrlich. Wir wollten alle Profis werden, aber er hat gesagt, dass eine Menge passen muss, damit dieser Traum wahr wird. Er hat viel von mir gehalten, und ich durfte auch ein- oder zweimal bei ihm in der U 23 trainieren, aber dann ist es mit meinem Durchbruch in Kiel leider nichts geworden.
Von Kiel ging es für Sie nach Südtirol. Wie kam das denn zustande?
Ajkic: Der Kontakt lief über einen Bekannten. Da ich aber noch nicht 18 war, habe ich keine Freigabe erhalten und bin zurück nach Deutschland gegangen. Viktoria Köln hat angefragt, wo ich in der U 19-Bundesliga unter Jürgen Kohler gespielt habe. Von ihm konnte man viel lernen, er hat eine große Karriere hingelegt, die er sich hart erarbeitet hat. Er hat mir gesagt, ich müsste dreckiger spielen.
Haben Sie den Rat des Weltmeisters beherzigt?
Ajkic: Auf jeden Fall! Allerdings muss ich zugeben, dass ich in der Vergangenheit vielleicht zu ungeduldig war, daher kommen auch die vielen Wechsel in den vergangenen Jahren zustande.
Sportfreunde Lotte, ASD Lanciano in Österreich, Concordia Hamburg, FC Wacker Innsbruck, Heeslinger SC, Altona 93 und die Dritte des Hamburger SV: Da kommt einiges zusammen…
Ajkic: Mein Ziel war immer der Profifußball, dafür habe ich zunächst alles andere zurückgesteckt und mich sicher auch zu Entscheidungen verleiten lassen, die im Nachhinein betrachtet nicht glücklich waren. In Lanciano, ein Viertligist in Italien, gab es zum Beispiel Probleme mit der Freigabe. Und Innsbruck ist ein Verein mit einem großen Namen in einer schönen Stadt, aber Wacker hatte gerade eine Insolvenz hinter sich und musste in der Regionalliga Tirol einen Neuanfang starten.
Haben Sie den Traum vom Durchbruch inzwischen aufgegeben?
Ajkic: Nein, durch die gute Torquote in dieser Saison sind wieder einige Vereine auf mich aufmerksam geworden. Der Druck, es unbedingt schaffen zu müssen, ist raus, daher spiele ich viel befreiter auf. Falls also ein höherklassiger Klub anklopfen sollte, dann würde ich mir das schon anhören. Allerdings stehen bei mir inzwischen auch andere Dinge als nur der Fußball im Vordergrund. Ich habe letztes Jahr geheiratet und bin Vater geworden, außerdem habe ich mich selbstständig gemacht und gemeinsam mit meinem Bruder eine Gebäudereinigungsfirma eröffnet.
"Ich habe immer zu Edin Dzeko aufgeschaut, das ist einfach ein super Spieler und ich hoffe, dass er auch bei der WM wieder trifft"
Anderes Thema: In knapp zwei Monaten beginnt die WM. Sie sind Deutsch-Bosnier, für wen schlägt Ihr Herz?
Ajkic: Ich bin zwar in Hamburg aufgewachsen und meine Mutter ist Deutsche, aber durch meinen Vater und meine Frau, beide Bosnier, habe ich eine enge Verbindung zur Heimat. Wir sind regelmäßig dort, und natürlich haben wir auch bei der WM-Qualifikation mitgefiebert. Das war der Wahnsinn! Ich habe immer zu Edin Dzeko aufgeschaut, das ist einfach ein super Spieler und ich hoffe, dass er auch bei der WM wieder trifft.
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