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"Es geht vor allem darum, durch das Spielen zu lernen": Finja Franow (l.) und Annika Wenning. [Foto: Tobias Hummler]
Bewegte Pause, Trainingseinheiten als "Junior Coach" und Zusammenarbeit mit Vereinen - dies sind drei Beispiele, die zeigen, wie der Sport in der Schule durch kleine Spielformen gefördert wird. Und was bei allem im Mittelpunkt stehen sollte: die Freude an der Bewegung, nicht nur am Fußball.
Finja Franow und Annika Wenning besuchen das Gymnasium am Romäusring in Villingen-Schwenningen und spielen beim FC Pfaffenweiler. Was die beiden 15-Jährigen bei der Ausbildung zum "Junior Coach" gelernt haben, setzen sie in Schule und Verein um. Im neuen DFB-Journal schreiben sie über ihre Erfahrungen.
Junior Coach? Ist das wirklich etwas für uns? Diese Frage haben wir uns gestellt, als unser Lehrer Tobias Hummler uns vor einiger Zeit vorgeschlagen hat, die Ausbildung zum Junior Coach zu absolvieren. Er meinte, dass das gut zu uns passen würde. Herr Hummler engagiert sich schon seit Jahren in diesem Bereich und hat viele Schülerinnen und Schüler unseres Gymnasiums davon überzeugt, Junior Coaches zu werden. Aber wollen wir das wirklich? Und warum? Ja, wir sind beide fußballverrückt. Wir lieben diesen Sport und spielen ihn seit Jahren. Und, ja, wir übernehmen auch gerne Verantwortung und wollen uns einbringen. Also haben wir uns nach kurzer Bedenkzeit entschieden und zugesagt.
"Wir planen die Einheiten so, dass niemand am Rand steht, dass sich niemand 'verstecken' kann"
Heute - mit etwas Abstand - können wir sagen, dass es genau die richtige Entscheidung war. Der Junior Coach passt für uns perfekt, weil wir in der Schule früh erleben, dass Sport nicht nur etwas ist, das man selbst ausübt. Die Ausbildung zum Junior Coach hat uns gezeigt, dass es auch Spaß machen kann, die Perspektive zu wechseln - vom Mitmachen zum Anleiten. In der Ausbildung haben wir gelernt, wie Training altersgerecht und spielorientiert funktioniert. Über allem steht die Freude. Sport muss Spaß machen, Fußball muss Spaß machen. Das funktioniert am besten, wenn alle Beteiligten voll einbezogen sind. Alle sind ständig aktiv, es gibt viele Wiederholungen, niemand wird ausgeschlossen. Am besten funktioniert das in kleinen Gruppen. Und genau das ist auch der Ansatz, den wir verfolgen.
Wir planen die Einheiten so, dass niemand am Rand steht, dass sich niemand "verstecken" kann, wie es vielleicht in einer größeren Gruppe möglich ist, und dass jedes Kind viele Ballkontakte hat. Dabei geht es vor allem darum, durch das Spielen zu lernen. Das macht unserer Erfahrung nach doch viel mehr Spaß, als stundenlang irgendwelche Übungen ausführen zu müssen. Und außerdem haben wir festgestellt, dass das die Kinder mutiger macht. Wenn man oft am Ball ist und so zwangsläufig Erfolgserlebnisse sammelt, wächst das Selbstvertrauen. Und genau das sehen wir jedes Mal, wenn wir eine Gruppe begleiten.
"Wir entwickeln beim Junior Coach auch unsere eigene Persönlichkeit weiter"
Was uns der Junior Coach außerdem bringt: Wir entwickeln dabei auch unsere eigene Persönlichkeit weiter. Wir müssen erklären, vormachen, zuhören, entscheiden. Wir lernen, wie man eine Gruppe zusammenhält, Spiele anpasst und so gestaltet, dass alle mitgenommen werden. Und ja - wir sind dabei manchmal auch Vermittlerinnen. Wir müssen Konflikte erkennen, sie fair lösen, Regeln klären und Kinder bestärken, wenn mal etwas schiefgegangen ist. Das klingt groß, aber im Alltag ist es ganz praktisch: Wir sind Platzbegleiterinnen, Co-Trainerinnen und auch ein Stück weit Vorbilder für die Kinder, die normalerweise ein paar Jahre jünger sind als wir.
Unser neues Wissen, das wir dank der Ausbildung zum Junior Coach jetzt haben, bringen wir inzwischen an zwei wichtigen Orten ein: erstens bei uns im Gymnasium am Romäusring und zweitens im Verein beim FC Pfaffenweiler. In der Schule möchten wir Bewegung im Alltag selbstverständlicher machen. Ein Beispiel ist die Idee der "Schule des Kleinfeldfußballs" als Teil der Trainingsphilosophie Deutschland. Wir versuchen, die Pausen aktiver zu gestalten.
Wir haben in den letzten Tagen vor den Sommerferien einen kleinen Test gemacht. Wir haben mit Kreide ein kleines Feld mit einem dicken Strich in der Mitte auf dem Schulhof aufgemalt. Der Strich sollte ein Netz darstellen, das wir gerade nicht zur Verfügung hatten. Ein paar Schülerinnen und Schüler sind direkt neugierig geworden. Genau das hatten wir gehofft. Und so ist in der großen Pause mit sechs Kindern ein Spiel entstanden - drei auf der einen Seite, drei auf der anderen Seite und das Ziel war, den Ball über das gemalte Netz zu spielen. Das hat super funktioniert. Alle waren in Bewegung, hatten Spaß und konnten Englisch, Mathe und den Vokabeltest für ein paar Minuten vergessen. Für uns war das vor allem ein Beweis, dass es nicht viel braucht, um Kinder ins Spielen zu bringen. Als Junior Coaches wissen wir jetzt, wie man solche Situationen anleitet, ohne übermäßig viel organisieren zu müssen.
Auch im Verein setzen wir das Gelernte ganz konkret ein: Wir bauen in Pfaffenweiler gerade eine Mädchenfußballgruppe neu auf. Momentan ist es eine freie Trainingsgruppe, die später im besten Fall in den Spielbetrieb münden soll - aber selbstverständlich nicht muss. Unser Ziel ist ein einfacher Einstieg. Nicht zuerst Taktik und Druck, sondern spielen, spielen, spielen - und dabei lernen. Unserer Meinung nach erklärt ein guter Junior Coach nicht den Fußball - er schafft Spielräume, in denen Kinder ihn selbst entdecken können.
Ein wichtiger Startpunkt war in diesem Zusammenhang der "Tag des Mädchenfußballs", den wir mitorganisiert haben. Rund 75 Kinder waren da, wir haben Inhalte geplant, Spielfelder aufgebaut und begleitet - zum Beispiel im 2-gegen-2 auf dem Beachsoccerfeld und im 3-gegen-3 auf kleinen Feldern. Genau da merkt man, was der Junior Coach kann. Wir geben Struktur, sorgen für viele Aktionen, passen Spiele an - und schaffen eine Atmosphäre, in der Mädchen Lust bekommen wiederzukommen.
Zum Schluss noch einmal zurück zum Anfang. War es also die richtige Entscheidung, die Ausbildung zum Junior Coach zu machen? Die Antwort ist eindeutig: auf jeden Fall! Der Junior Coach ist nicht nur eine Ausbildung für den Fußball. Er ist eine Ausbildung dafür, Verantwortung zu übernehmen - für Bewegung, für Gemeinschaft und für andere. Und wenn wir sehen, dass Kinder erst in der Schule Spaß am Spielen bekommen und dann den Weg in den Verein finden, dann wissen wir, dass es sich lohnt.
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