Markus Unterhuber: Kinder trainieren und stark machen
Zum zehnten Mal sucht FUSSBALL.DE die "Amateure des Jahres". Einer der Kandidaten ist Markus Unterhuber vom DJK‑TSV Dietfurt. FUSSBALL.DE stellt den 32-Jährigen vor.
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"Grundsätzlich sehen wir uns als eine große Einheit": der SV Oppum.[Foto: BEAUTIFUL SPORTS/Natacha Freisen]
Der SV Oppum aus dem Fußball-Verband Niederrhein engagiert sich in besonderem Maße für Menschen mit Handicap - und wurde dafür kürzlich mit dem Ehrenamtspreis von Bayer 04 Leverkusen ausgezeichnet. Was macht den Klub so besonders? Und warum haben sich die Verantwortlichen nun dazu entschieden, für ihre Inklusionsfußballerinnen und -fußballer einen völlig eigenständigen Verein zu gründen? FUSSBALL.DE stellt diesen Best Case vor.
Ein neues Kapitel steht kurz bevor. Nach jahrelanger Aufbauarbeit wagen die Verantwortlichen des Inklusionsbereichs beim SV Oppum den nächsten großen Schritt: die Gründung eines eigenen Vereins. Seit 2008 bietet der SV Oppum Inklusionsfußball an - und hat damit etwas aufgebaut, das weit über den Krefelder Stadtteil hinausstrahlt.
"Wir wollen nicht eine von vielen Mannschaften sein"
"Wir sind dem SV Oppum sehr dankbar für die Möglichkeiten, die wir dort bekommen haben", sagt Torsten Fochler, der zum Trainerteam der Inklusionsmannschaft gehört und das Team organisiert. Der 47-Jährige ist seit 2023 Teil des Projekts und hat in dieser Zeit miterlebt, wie sehr der Gedanke der Inklusion gelebt wird. Er sagt: "Jetzt ist einfach der richtige Zeitpunkt gekommen, um den nächsten Schritt zu machen und uns selbstständig aufzustellen."
Ende März fand die Gründungsveranstaltung des neuen Vereins statt. Der Name, unter dem die Inklusionsfußballerinnen und -fußballer künftig auflaufen werden, wird derzeit noch erarbeitet. Doch warum dieser mutige Schritt in die Eigenständigkeit? "Wir wollen unabhängiger sein, kürzere Entscheidungswege haben und die Menschen mit Handicap noch stärker in den Mittelpunkt rücken", erklärt Fochler. "Außerdem wollen wir unsere Strukturen noch stärker an den Bedürfnissen der Spielerinnen und Spieler ausrichten. Wir wollen nicht eine von vielen Mannschaften sein, sondern ein Ort, an dem die Menschen mit Handicap wirklich im Zentrum stehen."
Der Ursprung der Inklusionsabteilung beim SV Oppum liegt im Jahr 2008 - und er könnte kaum logischer sein: Die Mutter eines Kindes mit Handicap fragte an, ob ihr Sohn beim Verein Fußball spielen dürfe. Die damaligen Verantwortlichen sagten sofort zu. Aus dieser einen Anfrage ist über die Jahre ein fester Bestandteil des Vereinslebens geworden. Ende des vergangenen Jahres wurde der Verein aus Krefeld für dieses Engagement mit dem Ehrenamtspreis ausgezeichnet, den Bayer 04 Leverkusen jährlich an besonders engagierte Klubs vergibt.
"Das ist eine tolle Auszeichnung für uns, sie zeigt, dass unsere Arbeit wahrgenommen und wertgeschätzt wird", sagt Fochler. "Bei uns stehen immer die Menschen mit Handicap im Mittelpunkt. Es ist einfach wunderbar zu sehen, mit welcher Freude und Leidenschaft sie gemeinsam Fußball spielen. Jede Minute, die wir ehrenamtlich einbringen, ist gut investierte Zeit."
Janko ist eines der Gründungsmitglieder der Inklusionsmannschaft und seit der allerersten Stunde Teil des Teams. Der heute 28-Jährige hat das Downsyndrom, das mit einer verzögerten Entwicklung und individuellen kognitiven Beeinträchtigungen verbunden ist. Janko ist ein leidenschaftlicher Fußballfan. Die dienstägliche Trainingseinheit ist für ihn einer der Höhepunkte der Woche. "Mir macht es Spaß, mit den anderen Fußball zu spielen", sagt Janko. "Wir sind ein gutes Team, und auch das Trainerteam ist toll. Ich bin froh, Teil dieser Mannschaft sein zu können. Die Freundschaftsspiele und Turniere gegen andere Mannschaften machen mir ebenfalls sehr viel Spaß."
Im Inklusionsteam treffen Menschen mit den unterschiedlichsten körperlichen und kognitiven Voraussetzungen aufeinander. Der jüngste Fußballer ist derzeit acht Jahre alt, der älteste 47. Auch eine Fußballerin ist Teil der Mannschaft. Um allen Beteiligten gerecht zu werden, wird die Gruppe in gewissem Maße nach Alter und Spielstärke aufgeteilt, ohne dabei das große Miteinander aus den Augen zu verlieren. "Niemand soll überfordert werden, bei uns steht nicht der Leistungsgedanke an erster Stelle, sondern der Spaß", betont Trainer Fochler. "Grundsätzlich sehen wir uns als eine große Einheit. Nur zusammen sind wir stark - und nur gemeinsam werden wir unsere Ziele erreichen."
Mit der Vereinsneugründung wollen die Verantwortlichen den Inklusionsgedanken nicht nur weiter stärken, sondern auch gezielt ausweiten. Neben Fußballerinnen und Fußballern mit Handicap sollen künftig auch Menschen mit Fluchterfahrung eine sportliche Heimat in dem neuen Klub finden. Der Fußball soll ihnen die Möglichkeit geben, in Deutschland anzukommen, soziale Kontakte zu knüpfen und Teil einer Gemeinschaft zu werden. Integration, Migration und soziale Teilhabe sind in diesem Zusammenhang wichtige Schlagworte, die Fochler nutzt: "Es geht bei uns nicht ausschließlich um Inklusionsarbeit. Wir verfolgen einen ganzheitlichen Ansatz."
Klar ist für den Ehrenamtler eines: "Beim Fußball geht es um so viel mehr als um Sieg oder Niederlage. Mannschaftssport ist unserer Meinung nach eine hervorragende Möglichkeit, Menschen zu integrieren - auch dann, wenn sie unsere Sprache noch gar nicht sprechen", sagt Fochler. Diese Vision ist noch Zukunftsmusik. Im ersten Schritt gilt es, den Inklusionsfußball weiter auszubauen und dem neuen Verein ein starkes Fundament zu geben. Alles Weitere wird folgen - Schritt für Schritt, Kapitel für Kapitel.
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