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Magazin | 02.05.2026 | 10:30

Cantz: "Amateurfußball ist eine wunderbare Schule fürs Leben"

Comedian Cantz: "Wenn ein Ball in der Nähe ist, zuckt es bei mir immer noch."[Foto: imago]

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Guido Cantz ist einer der bekanntesten und beliebtesten Comedians Deutschlands. Im FUSSBALL.DE-Interview spricht der 54-Jährige, dessen aktuelles Programm den Namen "Komische Zeiten" trägt, über sein Leben abseits der Bühne. Über fast 50 Jahre im Amateurfußball, das schmerzhafte Ende seiner Fußballkarriere, die Magie der Kabine - und er sagt, warum er als Kölner trotzdem den VfB Stuttgart ins Herz geschlossen hat.

Guido Cantz, als wir vor neun Jahren zuletzt gesprochen haben, waren Sie noch aktiv im Amateurfußball unterwegs. Wie ist heute der Stand?

Guido Cantz: Leider kann ich nicht mehr spielen. Ich habe in einem Knie Arthrose und musste meine Fußballkarriere vor einiger Zeit an den Nagel hängen. Das Knie ist nach der Belastung immer dick geworden, und dann hat es einfach irgendwann keinen Sinn mehr gemacht. Ich habe teilweise am nächsten Tag unter Schmerzmitteln auf der Bühne gestanden. Das eine ist mein Job, das andere leider nur mein Hobby. Und deshalb musste ich dann irgendwann diesen Schritt gehen, der mir wirklich unfassbar schwergefallen ist. Es ist eine Katastrophe, dass ich nicht mehr kicken kann.

"Es ist eine Katastrophe, dass ich nicht mehr kicken kann"

Sie waren fast 50 Jahre Amateurfußballer.

Cantz: Und damit fast mein ganzes Leben. Ich habe mit fünf Jahren begonnen. Aber zum Schluss ging es einfach nicht mehr. Meine Frau hat irgendwann gesagt: "Ah, er merkt es selber". Das war ihr Kommentar zu dem Thema. Und spätestens da habe ich dann auch gemerkt, dass es keinen Weg mehr zurück gibt.

Haben Sie inzwischen Abstand gewonnen?

Cantz: Nein, wie soll das auch gehen? Wenn ein Ball in der Nähe ist, zuckt es bei mir immer noch. Ich war kürzlich auf einem Geburtstag von einem Kumpel, mit dem ich früher bei den Alten Herren zusammengespielt habe. Da waren viele Fußballjungs, die versucht haben, mich zu überreden. Ich hatte fast schon wieder zugesagt. Wenn meine Frau nicht neben mir gestanden hätte, wäre ich wahrscheinlich schon wieder beim Training dabei.

Nach fast 50 Jahren im Amateurfußball - wie wichtig ist dieser aus Ihrer Sicht?

Cantz: Toni Kroos hat kürzlich bei der Verleihung der Laureus Awards etwas sehr schön gesagt: Dass Kabine für ihn der Idealzustand der Gesellschaft sei. Und genau das kann ich aus meiner Erfahrung nur bestätigen.

In welcher Hinsicht?

Cantz: Amateurfußball ist eine wunderbare Schule fürs Leben. Man sitzt mit Leuten unterschiedlichster Herkunft, unterschiedlichster Religionen und unterschiedlichstem sozialen Background zusammen in der Kabine und verbringt ganz viel Zeit mit ihnen. Man muss sich nicht mit allen in einem 25-Mann-Kader super verstehen, aber man muss trotzdem als Mannschaft funktionieren. Deshalb ist Amateurfußball für mich eine super Vorbereitung auf das Leben.

Als wir vor neun Jahren zuletzt gesprochen haben, hat Ihr Sohn bei den Bambini des 1. FC Spich gespielt. Tritt er in Ihre Fußstapfen?

Cantz: Nein, leider nicht. Er hat mit dem Fußball aufgehört, weil es Schwierigkeiten mit einem Trainer gab. Ich bedauere das sehr. Es hat mir das Herz gebrochen. Aber wenn es so ist, dann ist es ebenso. Heute spielt er begeistert Tennis und Golf. Das ist natürlich auch in Ordnung.

"Ich habe es geliebt, wenn es geregnet hat - das war beim Fußball mein Wetter"

Welche speziellen Erlebnisse sind Ihnen in 50 Jahren Amateurfußball in Erinnerung geblieben?

Cantz: Da gibt es ganz viele. Wo soll ich das anfangen? Vor einiger Zeit habe ich mal etwas Bilanz gezogen. Ich durfte drei Aufstiege feiern und bin zweimal abgestiegen. Die Aufstiege habe ich immer noch in sehr guter Erinnerung, das waren tolle Momente. Ich glaube, dass es letztlich auch keinen Unterschied macht, ob man in die Kreisliga B aufsteigt oder den DFB-Pokal gewinnt. Das Gefühl ist am Ende das gleiche. Im Altherren-Bereich sind wir mit den Sportfreunden Troisdorf Westdeutscher Meister geworden und durften an der Deutschen Ü 40-Endrunde in Berlin teilnehmen. Das war ebenfalls eine besondere Erfahrung.

Was waren Sie für ein Spieler: der Gestalter oder der Wadenbeißer?

Cantz: Ich gehöre ganz sicher in die zweite Kategorie. Ich war jemand, der Zweikämpfe gewonnen hat. Und dann - das war meinen Trainern immer besonders wichtig - sollte ich den Ball so schnell wie möglich denjenigen zuspielen, die damit umgehen konnten. Ich musste immer viel rennen und war sicher ein ungemütlicher Gegenspieler. Ich konnte den anderen ziemlich gut auf den Sack gehen. Viel mehr konnte ich nicht.

Auch solche Typen braucht eine gute Fußballmannschaft.

Cantz: Absolut. Die Mischung macht’s. Das ist ja auch das schöne beim Fußball. Du hast die genialen Kicker und musst auch diejenigen haben, die die Drecksarbeit machen. Ich habe es geliebt, wenn es geregnet hat. Das war beim Fußball mein Wetter.

Sie sind Kölner durch und durch, aber Fan des VfB Stuttgart. Wie passt das denn zusammen?

Cantz: Das ist in der Tat sehr polarisierend. Und ich werde in den sozialen Netzwerken auch gerne mal beschimpft, wenn das thematisiert wird. Aber es ist so, und ich stehe dazu. Man sucht sich den Verein nicht aus. Es ist eher umgekehrt der Fall. Wenn man einmal einen Verein ins Herz geschlossen hat, dann ändert sich das auch nicht mehr. Aber ich drücke natürlich auch dem 1. FC Köln die Daumen. Ich lebe schließlich in dieser Stadt.

Als wir 2017 gesprochen haben, war der VfB gerade in die 2. Bundesliga abgestiegen. Sie haben damals gesagt, dass das vielleicht ein heilsamer Einschnitt sein kann. Jetzt spielen die Stuttgarter um die Qualifikation für die Champions League und stehen erneut im Finale um den DFB-Pokal. War der Einschnitt also heilsam?

Cantz: Ja, es scheint so. Aber es tat damals unfassbar weh, diesen Abstieg miterleben zu müssen. Und es ist danach ja noch mal passiert. Seitdem läuft es aber sehr gut. Vor drei Jahren hat der VfB sich über die Relegation gerettet und ist danach Vizemeister geworden. Unglaublich! Ich habe den Eindruck, dass im Moment die richtigen Personen in Stuttgart am Werk sind. Wichtig ist, dass wir jetzt dranbleiben und weiterhin gute Entscheidungen treffen.

Sie sind als Comedian aktuell mit Ihrem Programm "Komisch Zeiten" auf Tour. Erleben wir gerade komische Zeiten?

Cantz: Ja, absolut. In meiner aktuellen Show fasse ich den ganzen Wahnsinn zusammen, den wir gerade erleben. Aber natürlich auf humoristische Art und Weise. Die Fußball-Weltmeisterschaft im Sommer spielt da natürlich auch eine Rolle. Aber auch Donald Trump und der Wal Timmy. Wir fliegen hinter den Mond, aber wir schaffen es nicht, diesen Wal von der Sandbank zu befreien. Ich spreche über alles, was die Menschen gerade irgendwie bewegt. Wenn man sich diese ganzen Ereignisse vor ein paar Jahren auf der Bühne ausgedacht hätte, hätten die Leute einen für verrückt erklärt. Mittlerweile toppt die Realität unsere Fantasie. Es geht also um den alltäglichen Wahnsinn. Es geht aber auch um meine private Situation.

Die wie aussieht?

Cantz: Mein Sohn ist mitten in der Pubertät, meine Frau in den Wechseljahren, ich in der Midlife-Crisis. Da gibt es einiges zu erzählen. Ich kann nur sagen, dass auch ich persönlich gerade komische Zeiten erlebe.

Um zurück zum Anfang unseres Gesprächs zu kommen: Auch im Amateurfußball gibt es immer wieder komische Zeiten. Sind Sie manchmal sonntags noch am Platz bei Ihrem Heimatverein?

Cantz: Leider ganz selten. Mein Heimatverein ist die SpvG. Wahn-Grengel. Aber mein Job findet ganz oft am Wochenende statt. Deshalb habe ich kaum Zeit, um samstags oder sonntags auf der Anlage zu sein. Und wenn ich doch mal ein freies Wochenende habe, nutze ich die Zeit, um sie mit meiner Familie zu verbringen. Ich habe in meinem Leben schon sehr viel Zeit auf Fußballplätzen verbracht. Und es waren immer tolle Zeiten.

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