Elf Treffer pro Spiel: Auwel-Holt extrem torhungrig
Der SC Blau-Weiß Auwel-Holt aus der Frauen-Kreisliga Kempen-Krefeld erzielte in sieben Spielen 78 Tore. FUSSBALL.DE hat mit Trainer Rainer Statetzny gesprochen.
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Vorfreude "auf ein echtes Fußballfest" am DFB-Campus: Riem Hussein und Richard Hempel.[Foto: IMAGO]
Erst der FC Bayern, dann die Amateure: Bundesliga-Schiedsrichter Richard Hempel leitete am vergangenen Mittwoch das 4:1 von Titelverteidiger FC Bayern München in der ersten DFB-Pokalrunde beim Zweitligisten VfL Osnabrück. Am Samstag nun ist er im Rahmen des zweiten "Wochenendes des Amateurfußballs" am DFB-Campus in der Hessenliga im Einsatz. Am Sonntag kehrt auch die frühere Bundesliga-Unparteiische Dr. Riem Hussein, fünfmalige "Schiedsrichterin des Jahres", auf den Rasen zurück - ebenfalls in der Hessenliga.
Beide Spiele werden von DFB-TV übertragen, der Verbandskanal sendet am Samstag (ab 14 Uhr) und am Sonntag (ab 13.45 Uhr) vom "Wochenende des Amateurfußballs 2026". Im FUSSBALL.DE-Doppeltinterview sprechen Riem Hussein und Richard Hempel über ihre Vorfreude und Vorbereitung auf die Hessenliga-Partien - und über ihre Verbindung zum Amateurfußball.
FUSSBALL.DE: Frau Dr. Hussein, sie haben im Mai Ihre herausragende aktive Karriere als Schiedsrichterin mit der Partie des Hamburger SV gegen den FC Bayern München in der Google Pixel Frauen-Bundesliga beendet. Ist Ihr Einsatz beim Wochenende des Amateurfußballs und der Hessenliga-Partie Spvgg. Oberrad gegen MFFC Wiesbaden nun ein Comeback auf dem Platz?
Dr. Riem Hussein: Ich hatte nicht geplant, noch einmal zu pfeifen. Ich wollte nach Abschluss meiner Karriere eigentlich nicht mehr auf den Platz zurückkehren. Schluss bedeutet für mich Schluss, da bin ich normalerweise konsequent. Aber ich fühle mich dem Amateurfußball und dem DFB verbunden. Und ich habe die Hoffnung, dass mein Einsatz der Schiedsrichterinnen-Gewinnung dienen, dass ich mich noch mal als Vorbild präsentieren kann. Vielleicht kann man das also einfach als schöne Ausnahme vom Rentnerinnendasein bezeichnen. (lacht)
"Vielleicht kann man das einfach als schöne Ausnahme vom Rentnerinnendasein bezeichnen"
Sie sind fünfmalige Schiedsrichterin des Jahres, Rekordschiedsrichterin mit 156 Spielen in der Google Pixel Frauen-Bundesliga, haben mehr als zwei Jahrzehnte auf höchstem nationalen und internationalen Niveau Spiele geleitet. Bereiten Sie sich auf eine Partie in der Hessenliga so akribisch vor wie früher? Oder sagen Sie eher: Wird schon klappen mit all meiner Erfahrung?
Hussein: Ich werde mich auf jeden Fall vor Ort nochmal mit meinem Team vernünftig absprechen. Es war mir immer sehr wichtig, dass jeder weiß, was zu tun ist. Ansonsten habe ich gar nicht so viele Möglichkeiten wie früher, mich vorzubereiten. Vor Bundesligaspielen kann man sich viel Videometarial anschauen, es stehen viele Informationen zur Verfügung. Das ist in der Hessenliga anders. Ich denke, dass ich nach all dem, was ich in meiner Laufbahn schon überstanden habe, auch das mit meiner Erfahrung hinbekomme. Und ich hoffe, dass ich es innerhalb von ein paar Monaten nicht verlernt habe, ein Spiel zu leiten.
Freuen Sie sich auf diese Partie oder haben Sie nach Ihrer Pause auch ein wenig Respekt vor der Aufgabe?
Hussein: Ich freue mich, nochmal zu pfeifen. Das hat mir ja immer sehr viel Spaß gemacht. Und Respekt habe ich ohnehin vor jedem einzelnen Spiel.
Herr Hempel, kennen Sie Vincent Hofer und Marco Filges schon? Das sind die aktuell besten Torschützen von Darmstadt 98 U 21 und Türk Gücü Friedberg.
Richard Hempel: Da ich aktuell in der Vorbereitung auf andere Spiele gesteckt habe, sagen die zwei mir noch nichts. Aber ich werde mich rechtzeitig vor dem Wochenende des Amateurfußballs mit beiden Mannschaften beschäftigen. Auch wenn viele Vereine bis hinunter in die Kreisliga mittlerweile Social-Media-Aufritte haben, ist das natürlich nicht mit den Vorbereitungsmöglichkeiten auf Spiele im Profifußball zu vergleichen. Aber im Rahmen der Möglichkeiten bereite ich mich vor, schaue mir an, wer die Kapitäne und wer die Trainer sind, und versuche vorher ein paar Gespräche zu führen.
"Im Rahmen der Möglichkeiten bereite ich mich vor, schaue mir an, wer die Kapitäne und wer die Trainer sind"
Wie unterscheidet sich die Spielleitung einer Partie in der vierten oder fünften Liga von einer in der Bundesliga oder in der Champions League?
Hempel: Normalerweise liegt der größte Unterschied in der medialen Präsenz. Aber die ist ja, wie ich gehört habe, am Wochenende des Amateurfußballs auch relativ hoch. Bei einem normalen Spiel der fünften Liga, in meiner Heimat ist das die Sachsenliga, ist die öffentliche Wahrnehmung natürlich eine ganz andere. Je weniger Zuschauer da sind, desto mehr nimmt man allerdings einzelne Fan-Kritik wahr. Das kann den Druck auf den Schiedsrichter schon mal erhöhen.
Hussein: Ich kann mich gar nicht daran erinnern, wann ich zuletzt ein Spiel unterhalb der Regionalliga gepfiffen habe. Das ist schon ganz lange her. Deshalb bin ich sehr gespannt, ob das eher ein kämpferisches oder ein fußballerisch geprägtes Spiel wird. In meinem Schiri-Leben habe ich die Erfahrung gemacht: Je höher die Spielklasse, desto leichter fiel mir das Pfeifen. Weil der Fußball mehr im Vordergrund stand, die Taktik, die spielerischen Lösungen. Da legen die höherklassigen Teams einen größeren Fokus drauf. Ich hoffe, dass ich in den ersten Minuten merke, in welche Richtung sich das Spiel entwickelt, darauf konnte ich grundsätzlich immer ganz gut reagieren.
Herr Hempel, Sie sind Sozialarbeiter und Deeskalationstrainer: Helfen Ihnen diese Fähigkeiten bei der Leitung eines Spiels?
Hempel: Total. Als Vierter Offizieller bin ich gefühlt Sozialarbeiter an der Seitenlinie. Da kommt alles zusammen: von Krisen- und Konfliktmanagement bis hin zur Kommunikation, was alles Inhalte meiner Ausbildung waren. Ich finde es interessant zu sehen, wie Menschen unter Druck reagieren und miteinander umgehen. Ich versuche das mit den Skills, die ich gelernt habe, in die richtigen Bahnen zu lenken.
Ihre Spiele im Rahmen des Wochenendes des Amateurfußballs werden live auf DFB-TV übertragen, kommentiert von Steffen Simon, Sie werden verkabelt und eine Kamera wird nur auf Sie gerichtet sein: Verändert das eigentlich Ihr Auftreten auf dem Platz?
Hempel: Verkabelt sind wir ja die ganze Zeit schon. Vielleicht wird es aufgrund des Rahmens etwas unterhaltsamer als an Spieltagen im Profibereich. Ich finde es gut, wenn alle drumherum hören können, was gesagt wird.
Hussein: Die Spiele in der Google Pixel Frauen-Bundesliga und in der 3. Liga wurden in den vergangenen Jahren ohnehin komplett aufgezeichnet. Ich bin es also gewohnt, verkabelt zu sein und dass sich jemand anhört, was ich sage. Zum anderen lege ich ohnehin sehr, sehr viel Wert darauf, dass auf dem Spielfeld im Schiri-Team nicht so viel gesprochen wird, so dass man sich auf seine Wahrnehmung konzentrieren kann. Dass nur die allernotwendigsten Dinge besprochen werden. Meine Kommunikation ist also grundsätzlich eher schlank. Mit den Spielerinnen und Spielern hatte ich immer ein sehr freundliches und vertrauensvolles Verhältnis, da musste ich nie aufpassen, was ich sage. Ich bin auch der Meinung, dass man sich auf dem Platz nicht verstellen sollte.
"Verkabelt sind wir ja die ganze Zeit schon: Ich finde es gut, wenn alle drumherum hören können, was gesagt wird"
Herr Hempel, Sie haben die mediale Präsenz am Wochenende des Amateurfußballs schon angesprochen. Wie sehr freut es Sie, dass eine Partie der Hessenliga auch mal so im Fokus steht?
Hempel: Ich finde das super. Das ist Werbung für den Fußball in all seinen Facetten. Ich finde es generell gut, dass der Fußball immer stärker sichtbar wird und dass jetzt auch die Amateure diese Plattform bekommen.
Der DFB-Campus ist die Heimat des gesamten deutschen Fußballs: Hier trainieren die Nationalmannschaften, Sie waren mit den Elite-Schiris öfter hier, zur neuen Saison zieht das Video-Assist-Center nach Frankfurt. Wie finden Sie es, dass der Campus jetzt zum zweiten Mal ein ganzes Wochenende lang nur dem Amateurfußball gehört?
Hussein: Ich finde das sehr gut, weil man nicht nur immer auf die Spitze schauen kann. Die Breite ist die Basis für alles - für alle Dinge im Leben, vor allem aber im Sport. Niemand wird als Weltmeister oder als Deutscher Meister geboren. Deshalb ist es wichtig, dass auch die Amateur-Spielklassen merken, dass sie ernst genommen werden, dass man sich mit ihnen beschäftigt und dass man mal den Fokus auf sie richtet und sie ins Bild setzt. Dass man ihnen eine Reichweite gibt, die sie sonst nicht haben. Das gefällt mir sehr gut.
Hempel: Ich finde es klasse, dass der Campus auch so genutzt wird. Ich freue mich auf ein echtes Fußballfest.
Herr Hempel, Sie waren vor ein paar Wochen im Rahmen der Initiative "Profi wird Coach" der DFB-Schiedsrichter*innen und der DFB-Stiftung Egidius Braun am Campus. Wie wichtig ist es Ihnen, der Basis etwas zurückzugeben, sie zu unterstützen?
Hempel: Das ist mir total wichtig. Es ist immer schön, seine Erfahrungen teilen zu können. Ich habe früher selbst davon profitiert, als Wolfgang Stark, Daniel Siebert und Felix Zwayer zu Vorträgen in meine Region gekommen sind. So etwas saugt man auf. Heute möchte ich derjenige sein, der das Angebot schafft, der Basis Einblicke aus dem Profibereich zu geben, um den Mädels und Jungs zu zeigen: Das war mein Traum früher, den habe ich mir erfüllt, und ihr könnt das auch schaffen.
Welche Verbindung haben Sie generell zum Amateurfußball?
Hempel: Ich pfeife für die SG Großnaundorf. Wenn es die Zeit zulässt und ich mit meinen Eltern zum Kaffeetrinken verabredet bin, gehe ich auch ab und zu nochmal zu einem Spiel mit. Ich versuche auch Schiedsrichtergewinnungsaktionen bei uns in der Region zu verankern, weil ich es wichtig finde, dass wir etwas für die Schiedsrichterzahlen tun.
Hussein: Ich engagiere mich im Präsidium meines Heimatvereins TSG Bad Harzburg und bin seit vergangenem Jahr Ansprechpartnerin der Arbeitsgemeinschaft der Bad Harzburger Turn- und Sportvereine. Es ist mir ein Anliegen, nach all den Jahren aktiver Karriere etwas zurückzugeben. Ich habe eine kleine Nichte, die geht hier zum Sport und ich begleite sie manchmal, wenn sie Training hat. An den Wochenenden ist es für mich eher schwierig, noch ins Stadion zu gehen oder sich Spiele live anzuschauen, weil ich selbst immer noch viele Einsätze als Schiri-Coach habe. Ich coache drei Schiris, die im Perspektivteam des DFB sind und noch in Amateurklassen pfeifen. Wann immer das passt, bin ich da vor Ort.
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