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"Ich bin torhungrig geblieben": Jerome Kirschner (M.) vom SV Reichensachsen.[Foto: SV Reichensachsen/Privat]
Mit einem Fünferpack beim 9:3 in der Kreisoberliga Werra-Meißner in Hessen beim Lichtenauer FV II übernahm Jerome Kirschner vom SV Reichensachsen die Führung in der bundesweiten Wertung zur Torjägerkanone für alle in der 8. Liga. Bei neun Einsätzen erzielte er 22 Tore und damit mehr als die Hälfte seines gesamten Teams (38).
Im FUSSBALL.DE-Interview spricht der 30 Jahre alte Angreifer, der als Dach- und Fassadentechniker tätig ist, über seinen Heimatverein, Vaterfreuden und seine starke Torquote.
FUSSBALL.DE: In der Kreisoberliga gelang Ihnen zuletzt ein Fünferpack. Damit sprangen Sie in der Wertung zur Torjägerkanone für alle auf Platz eins. Wie sehr hat Sie das selbst überrascht, Herr Kirschner?
Jerome Kirschner: Dass ich durch meine fünf Treffer nun deutschlandweit der derzeit beste Torschütze in der 8. Liga bin, finde sich super. Ein großer Dank geht an meine Mitspieler, die die Schnittstellen gefunden und mich sehr gut in Szene gesetzt haben. Nur die drei Gegentore, die wir innerhalb von fünf Minuten kassierten, ärgern mich noch immer. (lacht)
Haben Sie schon einmal so viele Tore in einer Partie erzielt?
Kirschner: Tatsächlich sind mir in der Saison 2022/2023 sogar einmal neun Treffer in einem Spiel gelungen. Damals spielte ich für den SV Adler Weidenhausen, wir haben 10:1 bei der SG Wehretal gewonnen.
Warum läuft es für Sie persönlich in dieser Spielzeit so gut?
Kirschner: Unsere Mannschaft hat sich nach dem Aufstieg nicht groß verändert. Eigentlich machen wir genau dort weiter, wo wir in der zurückliegenden Saison aufgehört haben. Während der Winterpause war ich zu meinem Heimatverein SV Reichensachsen zurückgekehrt, habe in der Rückrunde in zwölf Spielen 37 Tore erzielt und in den Aufstiegsspielen noch einmal acht weitere Treffer draufgepackt. Ich habe meinen guten Lauf mit in die neue Saison genommen, bin torhungrig geblieben.
Sie haben exakt 57,89 Prozent aller Treffer Ihrer Mannschaft erzielt. Wie wird das von Ihren Teamkollegen wahrgenommen?
Kirschner: Laut der regionalen Presse bin ich beim SVR die "Lebensversicherung". Das macht mich stolz, aber letztlich zählt der Erfolg der Mannschaft. Meine Teamkollegen machen aus meiner Torquote keine große Sache. Ich spendiere den Jungs im Vereinsheim nach jedem Fünferpack eine Runde Kaltgetränke. Da haben sie Spaß. (lacht)
"Ich habe bereits drei regionale Torjägerkanonen zu Hause auf meinem Regal stehen - es wäre schön, wenn ich die Torjägerkanone für alle dazustellen könnte"
An Ihre Torquote kommt in der 8. Liga aktuell niemand heran. Wie gerne würden Sie am Saisonende die Trophäe in den Händen halten?
Kirschner: Ich habe bereits drei regionale Torjägerkanonen zu Hause auf meinem Regal stehen. Es wäre schön, wenn ich die Torjägerkanone für alle dazustellen könnte. Ich bin jetzt zusätzlich motiviert und werde alles dafür geben. Der Gewinn der Trophäe würde mir sehr viel bedeuten.
Wie viele Treffer haben Sie sich für diese Spielzeit noch vorgenommen?
Kirschner: Eine genaue Trefferanzahl ist schwer vorherzusagen. Ich wäre froh, wenn ich die 45 Tore aus der zurückliegenden Saison bestätigen könnte. Alles, was darüber hinaus dazukommt, nehme ich aber gerne mit. (lacht)
Trotz Ihrer guten Trefferquote liegt Ihr Team mit zehn Punkten Rückstand hinter Ligaprimus TSG Bad Sooden-Allendorf auf Platz vier. Wie zufrieden sind Sie mit dem bisherigen Saisonverlauf?
Kirschner: Als Aufsteiger können wir im Großen und Ganzen recht zufrieden sein, wir hatten ein schwieriges Auftaktprogramm. Jetzt kommen die vermeintlich leichteren Gegner. Wir haben bereits 36 Gegentore kassiert. Wenn wir verlieren, dann meistens deutlich. Beim 3:6 gegen die SG Sontratal ist mir zuletzt ein Hattrick gelungen. Dann ist es natürlich schade, wenn man dennoch ohne Punkte nach Hause fährt.
Sie haben während Ihrer Karriere bereits höherklassig gespielt. Warum kicken Sie jetzt in der Kreisoberliga?
Kirschner: Ich bin vor einem halben Jahr Vater geworden. Nach der Geburt unserer Tochter Alva wollte ich meine Frau unterstützen. Ich schaffe es einfach zeitlich nicht mehr, höherklassig zu spielen. Wir haben uns ein Haus gekauft, und jetzt benötige ich sieben Minuten, bis ich auf dem Sportplatz stehe.
Warum haben Sie den großen Durchbruch nicht geschafft?
Kirschner: Ich hatte mir vor eineinhalb Jahren einen Meniskusriss zugezogen, war insgesamt zwölf Wochen raus. Beim Lichtenauer FV war mir bei einem Zweikampf die Kniescheibe herausgeflogen. Hinzu kam ein Knorpelschaden, der für mich eine Fußballerkarriere in höheren Ligen unmöglich machte.
Würde es Sie denn noch einmal reizen, ein oder zwei Klassen höher zu spielen?
Kirschner: Der Reiz ist weiterhin vorhanden. Es kommt darauf an, wie sich unsere kleine Tochter entwickelt. Ich will mit dem SV Reichensachsen möglichst in die Gruppenliga aufsteigen. Das ist aus meiner Sicht nicht unrealistisch und wäre das Sahnehäubchen.
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