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"Ein wichtiges Zeichen, dass diese Ehre einer Frau zuteil wird": Jule Brand (l.) in Dudenhofen.[Foto: DFB/dpa Picture-Alliance]
Am vergangenen Samstag wurde das Stadion der Verbandsgemeinde Römerberg-Dudenhofen in Jule Brand Stadion umbenannt. Eine besondere Ehre für die 75-malige Nationalspielerin, die beim FV Dudenhofen in Rheinland-Pfalz mit dem Fußball spielen begann. Die Namensgebung wurde im Rahmen eines bunten Familienevents in Anwesenheit der Offensivspielerin von Olympique Lyon gefeiert.
"Hier hat alles angefangen.“ Jule Brand steht auf einer Empore, lässt den Blick über das Stadion zu ihren Füßen schweifen, den Rasen, die Laufbahn und erinnert sich, wie das damals war. Damals, als sie als kleines Mädchen jeden Tag hier kickte, Flanken schlug und Torschüsse abfeuerte, immer wieder, und das Schönste gemacht hat, das sie sich vorstellen konnte: Fußball spielen.
Hier also hat alles angefangen. Und hierhin ist sie heute zurückgekommen. Die 23 Jahre alte Nationalspielerin steht vor rund 1000 Menschen, die nur wegen ihr gekommen sind, und erinnert sich, wie das damals war, als im örtlichen Stadion der Verbandsgemeinde Römerberg-Dudenhofen eine Weltkarriere begann. Vom FV Dudenhofen zu Olympique Lyon, vom heimischen Dorfplatz in die Champions League.
"Jule Brand steht für Leidenschaft, Einsatzbereitschaft, Heimatverbundenheit und für die wichtige Botschaft, dass Mädchen und Frauen im Sport sichtbar, erfolgreich und selbstverständlich Teil unserer Sportlandschaft sind"
Beim FV Dudenhofen in Rheinland-Pfalz hatte die gebürtige Germersheimerin einst mit dem Fußballspielen begonnen, ihre ersten Trainingseinheiten im örtlichen Stadion absolviert, das nur einen Steinwurf vom Elternhaus entfernt liegt. Viele Menschen sind heute gekommen, um ein besonderes Ereignis zu feiern, denn das Stadion der Verbandsgemeinde heißt künftig: Jule Brand Stadion.
Ein besonderer Vorgang, denn dass eine Sportstätte nach einer noch lebenden und dazu noch weiblichen Fußballerin benannt wird, kommt nicht so oft vor. Und doch sind sich alle schnell einig, als Silke Schmitt-Makdice, die Bürgermeisterin der Verbandsgemeinde, den Vorschlag in die politischen Gremien bringt, dass das VG-Stadion künftig den Namen des berühmtesten Mitglieds der Gemeinde trägt: Jule Brand.
"Mit dieser Ehrung würdigt die Verbandsgemeinde die sportlichen Erfolge von Jule Brand ebenso wie ihre Bedeutung als Vorbild für junge Menschen“, betont Bürgermeisterin Silke Schmitt-Makdice vor der feierlichen Enthüllung des Namensschildes. "Sie steht für Leidenschaft, Einsatzbereitschaft, Heimatverbundenheit und für die wichtige Botschaft, dass Mädchen und Frauen im Sport sichtbar, erfolgreich und selbstverständlich Teil unserer Sportlandschaft sind."
Viele weitere politischen Würdenträger reihen sich ein. Der rheinland-pfälzische Sportminister Marcus Klein, die Bundestagsabgeordnete Isabel Mackensen-Geis, Marlene Gottwald und Michael Wagner aus dem Landtag sowie Landrat Volker Knörr, alle betonen sie die Strahlkraft von Jule Brand, die als Vorbild für Millionen von Menschen gilt, mit ihrer Bodenständigkeit, Nahbarkeit und fußballerischen Exzellenz.
Jule Brand hört die Lobeshymnen, sie lächelt, und wer die 75-malige Nationalspielerin kennt, weiß genau, wie verlegen sie diese Situation da gerade macht, wie ungern sie im Mittelpunkt steht. Dennoch ergreift auch sie das Wort: "Es ist eine sehr große Ehre, dass das Stadion jetzt meinen Namen trägt, und ein wichtiges Zeichen, dass diese Ehre einer Frau zuteil wird. Ich hoffe, dass noch viele Frauen dazukommen, die Namensträgerinnen von Sportstätten werden."
Dann ein Hauch von Nostalgie: "Ja, hier hat alles angefangen. Hier hatte ich meine ersten Bundesjugendspiele, bin meine ersten Runden gelaufen und habe meine Fußballtrainingseinheiten gemacht. Es sind sehr viele schöne Erinnerungen. Und es ist unglaublich, dass ich jetzt hier mit euch stehen darf.“ Einerseits ist es Brand unangenehm, dass so viel Aufhebens um sie gemacht wird, zugleich ist ihr aber auch der Stolz anzusehen. Sie freut sich, dass ihre Familie - die Großeltern, ihre Eltern und Bruder Felix, einer ihrer wichtigsten Ratgeber - dabei sind. Dass sie so im Mittelpunkt steht, nun gut - ist eigentlich nicht ihr Ding, gehört heute aber irgendwie dazu.Jule lächelt dann doch ziemlich oft und ziemlich viel.
Jule Brand ist eine der prägenden Persönlichkeiten des Frauenfußballs, steht aktuell bei einem europäischen Spitzenklub mit Weltklasse-Spielerinnen unter Vertrag. Sie ist eine der Führungsspielerinnen der Nationalmannschaft, und das mit gerade mal 23 Jahren. Vom FV Dudenhofen ging es über die TSG Hoffenheim und den VfL Wolfsburg zu Olympique Lyon. Sie hat in der französischen Liga das Double gewonnen, zweimal den DFB-Pokal, die olympische Bronzemedaille, stand zuletzt mit OL im Finale der Champions League - doch hier in Dudenhofen ist sie "die Jule“, für manche sogar "unsere Jule“.
Alle sind stolz auf sie, und so viele sind gekommen an diesem Tag. Familie, Freunde, aber auch viele Fans, die eine weite Anreise in Kauf genommen haben. Mädchen und Jungs, jünger oder älter, bunt gemischt. Viele Trikots mit der Nummer 22 und 29 sind in Dudenhofen zu sehen, die eine trägt sie in der Nationalmannschaft, die andere bei Olympique Lyon.
Jule Brand zählt zu den populärsten Fußballerinnen des Landes. Vor allem an die Kinder und Jugendlichen, die heute gekommen sind und die auch mal so werden wollen wie Jule Brand, wendet sie sich zum Abschluss des offiziellen Teils in persönlichen Worten: "Das Wichtigste ist einfach, Spaß zu haben. Ich hatte immer meine Ziele und Träume. Meine Motivation war, dass der Fußball mir unheimlich viel Spaß macht. Einfach auf den Platz zu stehen und es zu genießen. Macht euch nicht so viel Stress oder Druck. Habt einfach Spaß, und dann kommt alles von allein."
Nach dem offiziellen Teil und der Enthüllung des Stadionnamens mischt sich Jule Brand unter die Menschen, steht für Selfies und Autogramme zur Verfügung. Später besetzt sie die offizielle Autogrammkarten-Station, die Warteschlange davor scheint endlos zu sein. Zweieinhalb Stunden nimmt sie sich Zeit für jeden einzelnen Fan. Wer möchte, bekommt ein Selfie, auf alles wird die Unterschrift gesetzt, ein Lächeln und ein freundliches Wort von Jule Brand inklusive. Niemand aus der langen Warteschlange wird heute nach Hause gehen ohne Autogramm oder Selfie - und ohne dass sich die 23-Jährige persönlich bedankt fürs Kommen.
Viele Partner arbeiten an diesem Tag Hand in Hand: Neben dem heimischen FV Dudenhofen, der JSG Römerberg, dem Südwestdeutschen Fußballverband und der Gemeinde haben zahlreiche Helfer*innen dafür gesorgt, dass der Tag unvergesslich wird. Verschiedene Informationsstände sind aufgebaut, auch das Kinderhospiz Sterntaler aus Dudenhofen, bei dem sich Jule Brand seit Kurzem als Botschafterin engagiert, informiert über seine Arbeit. Fußballparcours laden zur Bewegung ein, Kinder kicken, überall herrscht gute Laune.
Mittlerweile ist es früher Nachmittag geworden. Bei der Warteschlange an der Autogrammstation ist ein Ende in Sicht, und die Organisatoren gönnen sich das eine oder andere Kaltgetränk - ein Hoch auf eine gelungene und würdige Veranstaltung, an jenem Ort, wo für Jule Brand alles angefangen hat. Einige Stunden zuvor, bei ihrer Begrüßung, hat sie den Menschen zugerufen: "Ich freue mich einfach, dass ihr alle hier seid. Lasst uns gemeinsam einen schönen Tag genießen." Ein Appell, der ausnahmslos in die Tat umgesetzt worden ist.
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