Markus Halfmann: Vom Ehrenamt in den Profifußball
Fußballhelden-Bildungsreise: FUSSBALL.DE stellt ehemalige Teilnehmer und ihre Wege im Porträt vor. Heute: Markus Halfmann vom 1. FC Köln.
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Neu-Coach Christian Knappmann: "Ich stehe vor einer scheinbar unlösbaren Aufgabe".[Foto: imago]
Ex-Regionalligist FC Kray überwintert in der Oberliga Niederrhein auf dem vorletzten Tabellenplatz. Der Rückstand zu einem Nichtabstiegsrang beträgt 13 Punkte. Im FUSSBALL.DE-Interview spricht der neue Cheftrainer und frühere Regionalliga-Torschützenkönig Christian Knappmann (41) über die Hoffnung auf das "Wunder von Kray" und seine hauptberufliche Tätigkeit beim Traditionsklub Wuppertaler SV.
FUSSBALL.DE: Erst seit wenigen Wochen sind Sie Cheftrainer beim stark abstiegsbedrohten Essener Oberligisten FC Kray. Seit dem 2. Januar wird schon wieder trainiert. Konnten Sie über die Feiertage überhaupt ein wenig die Beine hochlegen, ohne an Ihre neue Aufgabe zu denken, Herr Knappmann?
Christian Knappmann: Das war in der Tat sehr schwierig. Über die gesamte Zeit ging es recht stressig zu. Es fallen nicht nur Aufgaben an, die sich mit der sportlichen Situation rund um die Mannschaft befassen, sondern es gibt auch organisatorisch und infrastrukturell die eine oder andere Baustelle, der ich mich widme.
Der Klassenverbleib mit dem FC Kray in der Oberliga Niederrhein käme fast einem Wunder gleich. Wie sehr glauben Sie daran?
"Wenn ich mich vor einen Tabellenrechner setze, können die wildesten Konstellationen dabei herausspringen und der FC Kray am Ende auch über dem Strich stehen"
Knappmann: Ich betrachte die gesamte Situation aus zwei verschiedenen Perspektiven. Aus fachlicher und inhaltlicher Sicht muss ich zugeben, dass wir vor einer scheinbar unlösbaren Aufgabe stehen. Damit wir ein weiteres Jahr in der Oberliga vertreten sein können, müssten wir in den verbliebenen 19 Partien einen Schnitt von mehr als zwei Punkten pro Begegnung einfahren. Das sind Sphären, in denen sich vielleicht die drei Meisterschaftsaspiranten SSVg Velbert , KFC Uerdingen 05 und ETB Schwarz-Weiß Essen bewegen. Wir aber eher nicht. Allerdings gibt es noch eine zweite Betrachtungsweise.
Die wäre?
Knappmann: Die Phantasiewelt. ( lacht ) Wenn ich mich vor einen Tabellenrechner setze, können die wildesten Konstellationen dabei herausspringen und der FC Kray am Ende auch über dem Strich stehen.
Wie versuchen Sie, Ihre Mannschaft zu motivieren?
Knappmann: Ich zeige allen Jungs auf, was ein ambitionierter Amateurfußballer leisten sollte, und übertrage ihnen Verantwortung für die Sache. Damit wächst die Identifikation und auch die Motivation. Wichtig ist dabei vor allem, dass wir auch weiterhin akribisch arbeiten. Wir werden jetzt nicht anfangen, irgendeinen Harakirifußball zu spielen. Besonders die Vorbereitungszeit mit vier Testspielen gegen Klubs aus dem näheren Umfeld wollen wir nutzen, um uns bestens auf die zweite Saisonhälfte vorzubereiten. Mit einer Leistungsdiagnostik hatten wir bereits einen guten Jahresauftakt. Das zeigt auch, dass wir uns unserer Lage bewusst sind und die Aufgabe ernst nehmen.
Was macht Sie zuversichtlich, dass das "Wunder von Kray" am Ende doch wahr werden könnte?
Knappmann: Vor allem, dass wir mit dem neuen Jahr auch wieder bei Null gestartet sind. Was in der Hinrunde passiert ist, das können wir nicht mehr rückgängig machen. Wir haben einen ordentlichen Kader beisammen, der die Qualität besitzt, um in der Oberliga zu punkten.
Gibt es einen "Plan B", falls es doch nicht klappen sollte?
Knappmann: Dass der Klassenverbleib ein fachlich unrealistisches Szenario darstellt, ist jedem im Verein bewusst. Von daher ist es auch selbstverständlich, dass wir bei der Planung für die kommende Saison auch die Landesliga ins Auge gefasst haben. Der Tenor bei meiner Verpflichtung war klar: Sollten wir den Gang in die 6. Liga antreten müssen, dann wollen wir alle Hebel in Bewegung setzen, um direkt wieder aufzusteigen. Im Hinterkopf haben wir also bereits die Planung für die Saison 2023/2024 begonnen.
Sie persönlich haben ein Studium zum Sportmanager abgeschlossen. Hauptberuflich sind Sie Geschäftsstellenleiter beim ambitionierten Regionalligisten Wuppertaler SV. Wie lassen sich die beiden Jobs miteinander vereinbaren?
Knappmann: Total unproblematisch. So wie fast jeder andere Trainer im Amateurfußball muss auch ich schauen, dass ich einer hauptberuflichen Tätigkeit nachgehe, die natürlich absolute Priorität besitzt. Schon während meiner aktiven Laufbahn habe ich versucht, für eine berufliche Laufbahn nach der aktiven Zeit vorzusorgen. Dass mich Sportmarketing und der Managementbereich interessieren, hat sich schon früh abgezeichnet. Eine Rolle als Sportlicher Leiter oder eine andere Funktionärstätigkeit reizen mich dagegen aber nicht. In diesem Bereich sind andere Leute besser geeignet. ( lacht )
Was wollen Sie beim WSV im administrativen Bereich bewegen?
Knappmann: Ich freue mich zunächst einmal sehr über die neue Herausforderung bei dem Verein, bei dem ich als Spieler meine beste Zeit hatte. Wir wollen den WSV weiterentwickeln und gemeinsam die Rahmenbedingungen für dauerhaften Profisport in Wuppertal schaffen.
Während Ihrer aktiven Zeit verweilten Sie nie allzu lange an einem Ort. In 16 Jahren waren Sie für 17 verschiedene Vereine am Ball. Wie blicken Sie auf Ihre aktive Zeit zurück?
Knappmann: Die Zeit rennt. Mittlerweile ist es schon sieben Jahre her, dass ich die Schuhe an den Nagel gehängt habe. Wenn ich aber an diese Zeit zurückdenke, fallen mir immer wieder tolle Momente ein. Besonders wenn ich mit ehemaligen Weggefährten rede, sind es doch meist positive Erinnerungen. Dass es aber nicht immer so rosig war, vergisst man dann schon gerne mal. ( lacht )
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