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Magazin | 28.02.2026 | 09:00

"Pokalheld" Michael Stahl: "Koblenz und ich passen zusammen"

"Torschütze des Jahres 2010" Michael Stahl: "Für diese Momente spielt man Fußball."[Foto: imago]

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In der Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar setzt der frühere Zweitligist TuS Koblenz weiter auf Trainer Michael Stahl, der 2010 mit seinem "Tor des Jahres" im DFB-Pokal gegen Hertha BSC (2:1) bundesweit für Aufmerksamkeit sorgte. Der langjährige TuS-Profi, der 331 Partien für Koblenz absolvierte, will den Verein zurück nach oben führen, machte deshalb auch nach dem Abstieg aus der Regionalliga weiter. Im FUSSBALL.DE-Interview spricht der 38 Jahre alte A-Lizenz-Inhaber über die Möglichkeit einer erneuten Teilnahme am DFB-Pokal, seine Vertragsverlängerung, den gelungenen Rückrundenstart und die Saisonziele.

FUSSBALL.DE: Sie haben vor wenigen Tagen ihren Vertrag, der ursprünglich bis zum Sommer 2026 lief, bei der TuS Koblenz vorzeitig verlängert. Was hat Sie zu diesem Schritt bewogen, Herr Stahl?

Stahl: Ich habe durch die zurückliegenden 20 Jahre eine tiefe emotionale Verbundenheit zum Verein entwickelt. Alles, was ich bin und was mich ausmacht, habe ich meiner Zeit bei der TuS Koblenz zu verdanken. Ich habe alle Insolvenzen und Tiefschläge mitgemacht. Im November 2021 sah es für die TuS nicht so gut aus und der Verein kam auf die Idee, mich zum Trainer zu machen. Ich hatte die Aufgabe übernommen, konnte als Trainer wachsen und wurde zu keinem Zeitpunkt in Frage gestellt.

In der Oberliga steht Platz vier zu Buche. Mit dem 2:1 gegen den Tabellenzweiten FK 03 Pirmasens setzte Ihr Team zum Auftakt des neuen Jahres ein Ausrufezeichen. Was kann man von der TuS im Saisonendspurt noch erwarten?

Michael Stahl: Wenn bei uns alle Spieler fit sind, dann gehören wir zu den besten Mannschaften der Liga. In der Hinrunde hatten wir am ersten Spieltag in Pirmasens bereits einen Punkt geholt, haben auswärts beim Tabellenführer 1. FC Kaiserslautern unentschieden gespielt. Unser Kader ist aber nicht so breit aufgestellt, wir können Ausfälle nur ganz schwer kompensieren. Mittelfeldspieler Tomoya Kurogi, der jetzt wieder fit ist, stand uns in der Hinrunde wegen eines Innenbandrisses lange Zeit nicht zur Verfügung. Leon Waldminghaus ist die Saison nach seinem Kreuz- und Außenbandrisse bereits gelaufen.

Rang zwei ist neun Punkte entfernt. Glauben Sie, dass Ihr Team in dieser Spielzeit noch in das Aufstiegsrennen eingreifen kann?

Stahl: Warum sollte man die Saison abhaken? Wenn wir unser Nachholspiel beim FV Diefflen gewinnen, rücken wir näher an die Spitze heran. Wir haben von Vereinsseite keinen Druck, können unsere Situation ganz gut einordnen. In der Hinrunde sind uns auch mal sechs Siege in Folge gelungen. Ich will immer gewinnen, kann mich nicht mit Ambitionslosigkeit identifizieren.

Als Profi haben Sie mehr als 331 Pflichtspiele für die TuS absolviert und sich den Status einer Vereinslegende erarbeitet. Was bedeutet Ihnen der Verein?

Stahl: Die Geschichte der TuS Koblenz und meine persönliche Geschichte passen gut zusammen. Ich hatte während meiner Laufbahn zwei Kreuzbandrisse und eine schwerwiegende Rückenverletzung, stand kurz vor dem Karriereende. Der Verein musste auch immer wieder mit herben Rückschlägen umgehen. Wir haben zusammen viel erreicht, aber auch gemeinsam große Niederlagen eingesteckt. So etwas schweißt zusammen. Ich liebe das, was ich tue, arbeite gerne mit Menschen zusammen. Wir wissen, dass wir nicht die größten finanziellen Mittel zur Verfügung haben, streben dennoch mittelfristig den Wiederaufstieg an.

Als Trainer sind Sie mittlerweile mehr als 1500 Tage im Amt, hatten die TuS in die Regionalliga geführt und erlebten auch den Wiederabstieg. Welche Spuren hat das bei Ihnen hinterlassen?

Stahl: Nach dem Abstieg gab es definitiv schmerzliche Tage und schlaflose Nächte. Für mich als Trainer war es dennoch eine wertvolle und wichtige Erfahrung. Wenn man ein tiefes Tal durchschreitet, sich nicht verliert und weiter an sich glaubt, wird man besser.

"Dieses Tor aus 61,5 Metern ist einfach ein Teil von mir geworden: Ich habe immer das Gefühl, dass damals mehr als 50.000 Menschen im Stadion gewesen sein müssen, so oft werde ich darauf angesprochen"

An welche Highlights mit der TuS erinnern Sie sich ganz besonders gerne?

Stahl: Ich hatte als Trainer schnell Erfolg, bin in meiner ersten Saison in die Regionalliga Südwest aufgestiegen. Das 1:0 im Viertelfinale des Rheinlandpokals 2023/2024 gegen Eintracht Trier vor 7064 Fans im Moselstadion war großartig. Im DFB-Pokal hatten wir gegen den VfL Wolfsburg 0:1 verloren, hätten fast einen Bundesligisten ausgeschaltet. Die Regionalliga-Aufstiegsrelegationsspiele gegen die SG Sonnenhof Großaspach werden mir auch immer in Erinnerung bleiben. Wir hatten das Hinspiel 2:1 gewonnen und sind im Rückspiel nach dem 2:2-Ausgleichstreffer in allerletzter Sekunde aufgestiegen. So etwas vergisst man nicht.

In der nächsten Woche steht das aktuelle Viertelfinale im Rheinlandpokal beim Ahrweiler BC an, dem Tabellenführer der Rheinlandliga. Ein Sieg im Wettbewerb würde den Einzug in den DFB-Pokal bedeuten. Wie schätzen Sie die Chancen ein?

Stahl: Es wird extrem schwer. Wir treten an, um den Pokal zu gewinnen. In den beiden zurückliegenden Runden hatten wir auch jeweils einen Gegner aus der Rheinlandliga, haben uns beim 2:1-Sieg bei der SG Hochwald sowie beim 2:1 nach Verlängerung beim TuS Kirchberg jeweils schwergetan, aber durchgesetzt. Sollten wir weiterkommen, spielen wir im Halbfinale gegen den Sieger der Partie FC Bitburg gegen FC Rot-Weiß Koblenz. Es könnte tatsächlich zu einem Stadtduell kommen.

Wie wichtig wäre die Teilnahme am DFB-Pokal in finanzieller Hinsicht für den Verein?

Stahl: Das würde für die meisten Vereine im Rheinland den größten Teil ihres Etats ausmachen, auch bei uns. 165.000 Euro plus die zu erwartenden Zuschauereinnahmen sind für einen Oberligisten eine Riesensumme Geld.

Im DFB-Pokal erzielten Sie 2010 beim sensationellen 2:1 gegen Hertha BSC sogar das "Tor des Jahres". Wie oft werden Sie in der Stadt noch darauf angesprochen und welche Erinnerungen haben Sie daran?

Stahl: Dieses Tor aus 61,5 Metern ist einfach ein Teil von mir geworden. Ich habe immer das Gefühl, dass damals mehr als 50.000 Menschen im Stadion gewesen sein müssen, so oft werde ich darauf angesprochen. Für diese Momente spielt man Fußball. Das Tor und den Abend werde ich nie vergessen.

Wie lauten Ihre persönlichen Ziele und die des Vereins?

Stahl: Ich habe keinen Karriereplan in der Schublade. Natürlich träume ich davon, irgendwann dauerhaft vor großen Kulissen zu coachen. Ich erwarte nicht, dass ich dort ankomme, gebe aber jeden Tag alles, um am nächsten Tag besser zu sein. Alles Weitere wird sich ergeben. Ich bin jedoch nicht unglücklich, wenn ich das fortsetze, was ich aktuell mache. Die TuS Koblenz verfolgt das Ziel, den Verein mittelfristig wieder in Richtung Profifußball zu bringen.

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