"Danke Schiri": 62 Unparteiische bei Gala ausgezeichnet
Bei der diesjährigen "Danke Schiri"-Gala auf dem DFB-Campus nahmen 62 Preisträger*innen in drei Kategorien ein ganz besonderes Trikot entgegen.
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Cora Pinner über Marcel Lamour: "Er ist ein guter Lehrer - er kann sich durchsetzen, ist kommunikativ und immer fair."[Foto: Martin Schwartz]
Früher Lehrer und Schülerin, heute Lehrerin und Schüler: Marcel Lamour unterrichtete Cora Pinner einst in der Schule im Oberbergischen Kreis bei Köln. Einige Jahre später hat sich die Konstellation verschoben: Pinner hat Lamour beigebracht, wie man Schiedsrichter wird. FUSSBALL.DE hat die beiden auf einer Sportanlage getroffen - und eine Geschichte über Rollen, Respekt und die Faszination Schiedsrichterei erlebt.
Auf der Anlage des SV Refrath-Frankenforst im Rheinisch-Bergischen Kreis läuft gerade ein Nachwuchsspiel. Die Tribüne ist besetzt, auf dem Nebenplatz wärmen sich Kinder auf. Mittendrin stehen Cora Pinner und Marcel Lamour - und lachen. Kein Wunder: Ihre Geschichte ist eine, die man sich kaum ausdenken könnte.
Lamour ist Lehrer an einer Realschule in der Nähe von Köln. Pinner war einmal seine Schülerin - von der achten bis zur zehnten Klasse, er begleitete die Klasse sogar auf die Ski-Klassenfahrt. Heute ist die Ausgangslage eine andere: Lamour hat sich im vergangenen Sommer entschieden, im Fußballkreis Berg Schiedsrichter zu werden. Und Pinner ist dort seit 2025 im Kreisschiedsrichterausschuss aktiv - und wurde seine Patin.
Im Fußball-Verband Mittelrhein haben die Verantwortlichen ein Patensystem eingeführt: Eine erfahrene Schiedsrichterin oder ein erfahrener Schiedsrichter begleitet Neueinsteigerinnen und Neueinsteiger während ihrer ersten drei Begegnungen auf dem Platz. Als Pinner in einer Übersicht den Namen ihres ehemaligen Lehrers entdeckte, zögerte sie nicht lange.
"Ich habe mit Freude gesehen, dass Marcel als Schiedsrichter einsteigt, und habe direkt vorgeschlagen, seine Patin zu werden", erzählt sie. "Er ist ein guter Lehrer - er kann sich durchsetzen, ist kommunikativ und immer fair. Das sind ideale Voraussetzungen, um auch ein guter Schiedsrichter zu sein."
Lamour war von der Idee anfangs nicht ganz überzeugt: "Das ist schon eine ungewöhnliche Konstellation. Aber ich habe mich dann doch gerne darauf eingelassen - und Cora hat es großartig gemacht." Besonders bewährt hat sich die Unterstützung beim zweiten Einsatz, der es direkt in sich hatte. "Das Spiel war turbulent, mit vielen Diskussionen. Cora stand zwischen den Trainerbänken und hat mir den Rücken gestärkt. Das hat mir sehr geholfen."
Pinner erinnert sich gut: "Es war ein hitziges Duell mit vielen Verwarnungen. Am Ende musste Marcel sogar einen Trainer des Feldes verweisen, weil es zu Beleidigungen kam. Er hat richtig entschieden und alles klar begründet. Dass es so heiß herging, lag nicht an ihm - im Gegenteil: Er war der entscheidende Faktor dafür, dass das Spiel nicht abgebrochen werden musste."
"Entscheidungen innerhalb weniger Augenblicke treffen zu müssen - das ist nicht immer einfach."
Für Lamour begann die Schiedsrichterkarriere mit einem spontanen Einspringen. "Wenn ich meinen Sohn zu seinen Spielen begleitet habe und kein Schiedsrichter da war, bin ich manchmal einfach auf den Platz gegangen. Es hat mir sofort Spaß gemacht." Was von außen leicht wirkt, entpuppte sich schnell als echte Herausforderung: "Entscheidungen innerhalb weniger Augenblicke treffen zu müssen - das ist nicht immer einfach."
Pinner nickt. "Man unterschätzt oft, was eine Schiedsrichterin oder ein Schiedsrichter während 90 Minuten leistet - vor allem dann, wenn sie oder er allein und ohne Assistenten auf dem Platz ist. Allen Beteiligten sollte bewusst sein: Fehler gehören dazu. Die passieren Spielerinnen und Spielern genauso wie Schiedsrichterinnen und Schiedsrichtern."
Pinner ist seit 2022 dabei und leitet inzwischen Spiele bis zur Kreisliga A der Männer. Ursprünglich war sie selbst eine ambitionierte Fußballerin - doch Verletzungen warfen sie immer wieder zurück. Heute ist sie zwar noch beim TuS Immekeppel gemeldet, dessen Frauen in der Kreisliga antreten, doch auf dem Platz steht sie dort kaum noch. "Das Verletzungsrisiko ist mir zu hoch, und am Wochenende bin ich ohnehin meist als Schiedsrichterin oder Patin im Einsatz", sagt sie. "Beim Training unter der Woche bin ich aber regelmäßig dabei - ich liebe es einfach, Teil einer Mannschaft zu sein."
Beide sind sich einig: Die Schiedsrichterei ist weit mehr als ein Hobby. "Als Schiedsrichter nehme ich eine besondere Rolle ein", sagt Lamour. "Ich sorge dafür, dass das Spiel geregelt abläuft - und bin mir gleichzeitig bewusst, dass ich mit jeder Entscheidung eine Seite enttäusche. Das muss man aushalten können."
Pinner ergänzt: "Man kann es niemals allen recht machen. Wichtig ist, dass man auf Augenhöhe mit den Spielerinnen und Spielern kommuniziert. Ich erkläre Entscheidungen gerne - aber wenn es beleidigend wird, greife ich auch durch. Vieles, was ich auf dem Platz gelernt habe, hilft mir auch im Alltag."
Deshalb werben beide ausdrücklich dafür, dass vor allem Jugendliche die Schiedsrichterei für sich entdecken sollten. "Das ist schon mit 14 Jahren möglich", sagt Pinner. "Es macht Spaß, fördert die Persönlichkeit - und man verdient ein gutes Taschengeld dazu. Ich ärgere mich heute, dass ich nicht viel früher damit angefangen habe."
Früher stand Marcel Lamour vor der Klasse und Cora Pinner hörte zu. Heute stehen beide auf dem Fußballplatz - und haben voneinander gelernt. Vielleicht wird Lamour eines Tages selbst zum Paten für jemanden, der gerade seinen ersten Pfiff wagt. So würde sich der Kreis schließen. Das Spiel geht weiter.
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