"Entwicklungsfeld riesig": Zusammenarbeit von Schule und Vereinen
Sport kann in der Schule auf viele Arten gefördert werden. Zum Beispiel durch die Zusammenarbeit mit Vereinen - das zeigt Ludwig Voß von ALBA Berlin.
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Sebastian Kath: "Die Kinder können sich auspowern und haben Spaß."[Foto: DFB/dpa Picture-Alliance/Sebastian Kath]
Bewegte Pause, Trainingseinheiten als "Junior Coach" und Zusammenarbeit mit Vereinen - dies sind drei Beispiele, die zeigen, wie der Sport in der Schule durch kleine Spielformen gefördert wird. Und was bei allem im Mittelpunkt stehen sollte: die Freude an der Bewegung, nicht nur am Fußball.
Sebastian Kath hat an der Oberschule Lachendorf in Niedersachsen die "Bewegte Pause 3.0" eingeführt und mit der "Schule des Kleinfeldfußballs" verbunden, die Übungen der Trainingsphilosophie Deutschland in den Schulalltag bringt. Im neuen DFB-Journal schreibt er über seine Erfahrungen.
Vor mehr als zehn Jahren habe ich an einer anderen Schule den Ansatz der bewegten Pause kennengelernt. Die Schulturnhalle wurde damals geöffnet, ein Ballwagen stand bereit und die Schüler konnten einfach auf den Korb werfen. Bewegungsintensiv war das nicht. Dann habe ich im vergangenen September die Fortbildung von Hannes Wolf zur "Schule des Kleinfeldfußballs" am DFB-Campus besucht. Ich kannte vorher schon die Trainingsphilosophie Deutschland, weil ich Jugendtrainer in einem Verein bin. Aber das nun vom DFB adaptierte Konzept für die Schule hat mir gezeigt, wie ich das Ganze auch in meinem Beruf mit wenigen Mitteln und einfachen Materialien umsetzen kann. Ich bin damit zur Schulleitung gegangen und habe dort Rückendeckung bekommen, dass wir es ausprobieren.
"Anfangs haben 25 bis 30 Kinder pro Pause das Angebot genutzt, jetzt haben wir uns bei 60 bis 70 eingependelt"
In der Praxis sieht es jetzt so aus, dass unsere Turnhalle in beiden großen Pausen geöffnet ist, dort sind verschiedene Kleinspielfelder für das 4-gegen-4 aufgebaut. Insgesamt sind es neun Felder, sechs für Fußball, zwei für Handball, eins für Basketball. Da wir nicht so viele Minitore haben, nutzen wir viele Bänke und große Matten als Tore. Statt der Körbe nehmen wir auf dem Basketballfeld umgedrehte Turnkästen. Bei der Größe der Felder orientieren wir uns an den eingezeichneten Badmintonfeldern.
Anfangs haben 25 bis 30 Kinder pro Pause das Angebot genutzt, jetzt haben wir uns bei 60 bis 70 eingependelt. Im Winter werden es gerne mehr, aber ab 72 Kindern verweisen wir auf die nächste Pause. Ein Drittel davon sind Mädchen, dieser Anteil ist ziemlich stabil. Sie finden sich dann auch oft in eigenen Feldern zusammen, um sich richtig entfalten zu können. Zunächst hat sich das Angebot auf die 5. Klasse beschränkt, mittlerweile ist es auch für die 6. und 7. Klasse offen.
Bisher höre ich nur Gutes. Die Kinder können sich auspowern und haben Spaß. Was mir besonders gefällt: Wir haben mit den neuen Spielformen vor allem das einzelne Kind im Blick, das sich entfalten und entwickeln kann. Die Kinder haben Freude, gleichzeitig ein sportliches Mit- und Gegeneinander, dazu hoch dosierte körperliche Bewegung. Das ist umso wichtiger, da sich viele Kinder bei uns neben dem bisschen Sport in der Schule kaum intensiver bewegen.
Ein fester Rahmen ist mir dabei sehr wichtig. Alle wissen, es muss im 4-gegen-4 gespielt werden. Sonst wird einfach gebolzt, das verschreckt dann wieder viele. Ich betreue die bewegte Pause mit vier Kolleg*innen. Wir stellen fest, dass durch das Angebot weniger auf dem Schulhof los ist, wir haben weniger Konflikte. Das wiederum entlastet die dortige Aufsicht. Außerdem binden wir Neuntklässler*innen als Spielfeldbegleiter*innen ein. Hier sehen wir auch Potenzial für späteres Ehrenamt, weil sie bereits in frühem Alter täglich Verantwortung für Jüngere übernehmen. Meiner Meinung nach sollte die Betreuung nicht auf zu viele Schultern verteilt werden. Ein kleines Kernteam von drei bis fünf Personen sorgt für mehr Kontinuität und Verlässlichkeit im Sinne der Kinder. Unabdingbar ist für mich, dass es ein tägliches, offenes Angebot ist. Für die Kinder muss klar sein: Es ist Pause, ich kann in die Halle. Sie brauchen nicht zu überlegen, sie müssen sich nicht separat anmelden.
Die positiven Effekte der bewegten Pause merke ich auch an mir selbst. Mit dem Sportunterricht und dem Pausenangebot bewege ich nun täglich bis zu 100 Kinder. Das macht etwas mit mir und ist als Lehrer ein tolles Gefühl. Ich merke auch, dass ich von den Schülerinnen und Schülern positiver wahrgenommen werde. Ich kann meinen Kolleginnen und Kollegen nur empfehlen, ähnliche Angebote zu machen - natürlich immer abhängig von den Rahmenbedingungen an der jeweiligen Schule und daran angepasst.
Wir versuchen nun auch, die Konzepte weiter in unsere Region zu tragen und Partner zu finden, dazu sind wir in aussichtsreichen Gesprächen. Außerdem denken wir darüber nach, die Bewegte Pause 3.0 an unserer Schule auszubauen und ein Angebot nach dem Prinzip "Abgeschlossener Raum - wenn der Raum betreten wird, muss gespielt werden!" auf dem Pausenhof zu schaffen. Da werden gerade mögliche bauliche Anpassungen geprüft, um abgetrennte kleine Spielfelder zu ermöglichen.
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