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Almuth Schult: "Der Amateurfußball bedeutet Heimatgefühl und weckt viele Erinnerungen an meine Anfänge."[Foto: Getty Images]
Ex-Nationalspielerin Almuth Schult kehrt nach ihrem Abschied aus dem Profifußball vor rund einem Jahr überraschend auf den Platz zurück. Mitte März lief die 35‑Jährige für die SG Gartow/Breese, einem Amateurverein in ihrer Heimat im Landkreis Lüchow‑Dannenberg in Niedersachsen, auf. Noch dazu stand sie nicht wie gewohnt zwischen den Pfosten, sondern half kurzerhand als Feldspielerin aus. Schult gehört zu den erfolgreichsten Spielerinnen, die der deutsche Fußball hervorbrachte. Zu ihren Erfolgen zählen unter anderem Olympia-Gold 2016, der EM-Titel 2013 sowie zahlreiche Triumphe mit dem VfL Wolfsburg. FUSSBALL.DE hat mit ihr darüber gesprochen, wie es zu diesem spontanen Comeback kam, welche Rolle der Amateurfußball in ihrem Leben spielt und ob ihre Fans künftig mit weiteren Einsätzen rechnen dürfen.
FUSSBALL.DE: Frau Schult, vor rund einem Monat haben Sie im Trikot der SG Gartow/Breese, einer Spielgemeinschaft Ihres Heimatvereins FC Samtgemeinde Gartow, ein kleines Fußball‑Comeback gefeiert. Wie haben Sie die Rückkehr auf den Platz erlebt?
Almuth Schult: Die Aktion war sehr spontan. Erst am Tag zuvor stand fest, dass ich überhaupt mitspielen würde. Eigentlich wollte ich warten, bis ich mich wieder richtig fit fühle. Aber die Frauen meines Vereins hatten in letzter Zeit öfter Personalsorgen, und deshalb habe ich mich bereit erklärt auszuhelfen, wenn es mir möglich ist. Es ist schön, wieder Fußball zu spielen, erst recht in der Heimat.
In Ihrem Podcast haben Sie verraten, dass Ihr letztes richtiges Training schon etwas länger zurückliegt. Die Folgen: Wadenprobleme und Muskelkater. Hatten Sie erwartet, dass es körperlich so anstrengend wird?
Schult: Ja, damit hatte ich gerechnet. Ich bin auch nicht davon ausgegangen, die vollen 90 Minuten zu spielen. Ab etwa der 60. Minute war es dann eher mehr Stehen als Laufen.
Sie haben Ihre Karriere im März vergangenen Jahres offiziell beendet. Wie viel Überzeugungsarbeit musste die Trainerin leisten, um Sie als Aushilfe zu gewinnen?
Schult: Von der Trainerin, aber auch vom Vorstand kam immer wieder die Nachfrage, ob ich nicht aushelfen könnte. Und da ich ohnehin das Ziel hatte, irgendwann wieder für meinen Heimatverein zu spielen, hatte ich bereits im Januar meinen Spielerpass beantragt. Trotzdem brauchte es etwas Überzeugungsarbeit, dass ich mit meinem aktuellen Fitnesszustand auf den Platz gehe. Fußball macht einfach mehr Spaß, wenn man sich beschwerdefrei, fit und ohne großes Nachdenken bewegen kann.
Welchen Charme versprüht der Amateurfußball für Sie, gerade im Vergleich zum Profifußball?
Schult: Für mich hat der Amateurfußball unheimlich viel Charme. Er bedeutet Heimatgefühl und weckt viele Erinnerungen an meine Anfänge. Es ist schön zu sehen, welche Emotionen der Fußball auf jedem Sportplatz auslösen kann. Im Vergleich zum Profibereich gibt es natürlich weniger Druck, mehr Unbeschwertheit und Spontanität. Gleichzeitig ähneln sich beide Bereiche aber auch: Man ist Teil eines Teams, die Regeln sind dieselben, der Ehrgeiz ist gleichermaßen da und auch die Abläufe rund um das Spiel ähneln sich.
"Ich spiele dort, wo ich aufgestellt werde, aber nicht mehr vorrangig im Tor"
Überraschenderweise fand Ihr Einsatz auf dem Feld statt, inklusive Kopfballtor. War das Ihr neuer Auftakt als Stürmerstar?
Schult: Für mich war es nicht überraschend, auf dem Feld zu spielen. Das hatte ich im Verein schon vor Jahren angekündigt. In diesem Spiel habe ich auf der Sechser-Position gespielt und habe nach einer Ecke per Kopf getroffen. Vielleicht darf ich künftig noch weitere Positionen ausprobieren. Ich spiele dort, wo ich aufgestellt werde, aber nicht mehr vorrangig im Tor.
Welche Position auf dem Feld reizt Sie besonders?
Schult: Natürlich ist es schön, nahe am gegnerischen Tor zu sein und selbst die Chance zu haben, ein Tor zu schießen. Aber jede Position hat ihren Reiz und ihre Aufgabe. Deshalb sehe ich das ganz entspannt und genieße es einfach, Fußball zu spielen, solange es körperlich noch möglich ist.
Gibt es in Zukunft mehr von Ihnen zu sehen? Oder bleibt es neben Beruf und Familie bei spontanen Einsätzen, wenn der Kader knapp ist?
Schult: Bis zum Sommer habe ich die Spiele noch nicht fest eingeplant und schaue spontan, wann es passt. Momentan ist es noch eine Herausforderung, Arbeit und Familienalltag mit dem Fußball als Hobby zu vereinbaren. Nach der WM und zur neuen Saison wird das aber besser werden, vor allem, wenn das jüngste Familienmitglied etwas älter ist.
Sie sagten in Ihrem Podcast, Sie könnten sich vorstellen, wieder mit den Mitspielern aus Ihrer Jugend auf dem Platz zu stehen. Wäre das der "Full Circle Moment" Ihrer Fußballkarriere?
Schult: Bei den Männern spielen noch ein paar Jungs, mit denen ich früher in der Jugend angefangen habe. Das wäre für mich tatsächlich ein solcher Moment. Es war schon immer mein Wunsch, dass es irgendwann dazu kommt. Und auch von den Jungs gibt es positive Signale. Der Kontakt ist nie abgebrochen, und zusätzlich bin ich ja auch als Jugendtrainerin im Verein aktiv.
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