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Interview |02.11.2020|08:00

Schult: Aus dem Fußballdorf ins Nationalteam

Almuth Schult: "Als kleine Schwester wollte ich natürlich das machen, was der Bruder macht."[Foto: 2019 Getty Images]

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Der 31. Oktober 1970 markiert einen Meilenstein in der Geschichte des deutschen Frauenfußballs - er wurde an diesem Datum vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) offiziell in seine Satzung aufgenommen. Rund um den Jubiläumstag widmet FUSSBALL.DE dem Frauen- und Mädchenfußball eine Themenwoche. Heute: Nationaltorhüterin Almuth Schult (29), die noch immer einen sehr engen Kontakt zu ihrem Heimatverein FC SG Gartow hat.

FUSSBALL.DE: Frau Schult, Sie haben mit fünf Jahren beim FC SG Gartow mit dem Fußball begonnen. Wie kam es dazu?

Almuth Schult: Ich habe drei ältere Geschwister. Mein nächstälterer Bruder hat in dieser Zeit mit dem Fußball begonnen. Als kleine Schwester wollte ich natürlich das machen, was der ältere Bruder macht. Ich bin dann einfach mit ihm zum Training gegangen. Dort habe ich einige Freunde aus dem Kindergarten getroffen. Kurz danach bin ich in die Schule gekommen. Ich denke sehr gerne an diese Zeit zurück. Das war einfach toll. Es hat mir unglaublich Spaß gemacht, mit meinen Freunden zu spielen. Ich habe schon immer dieses Gemeinschaftsgefühl geliebt, das im Verein entsteht.

Haben Sie noch Erinnerungen an Ihre ersten Fußballspiele im Verein?

"Wenn man ein Problem hat, findet man in einem Verein fast immer eine Person, die helfen kann"

Schult: Oh ja. Es gibt ohne Ende Anekdoten, an die ich mich erinnere. Ich hatte als Mädchen beispielsweise den Vorteil, dass ich immer ein Jahr älter sein durfte als die Jungs in meiner Mannschaft. So kam es, dass ich teilweise in meinem Jahrgang gespielt habe, aber auch in dem über und unter mir. Ich hatte dann einige Spiele in der Woche, so dass ich gar nicht so oft beim Training sein konnte. 

Erzählen Sie bitte noch eine Geschichte.

Schult: In der Anfangszeit habe ich noch im Feld gespielt. Ich weiß noch sehr gut, dass wir eines meiner ersten Spiele im Verein mit 0:26 verloren haben.

Haben Sie nicht sofort wieder aufhören wollen?

Schult: Nein, auf keinen Fall. Natürlich habe ich gedacht, dass das doch nicht wahr sein kann. Bei mir hat sich in diesem Moment die Motivation entwickelt, es besser zu machen - und das ist uns dann auch gelungen. Ich habe beispielsweise auch Hallenturniere geliebt, weil wir da den ganzen Tag zusammen waren. Unsere Eltern hatten immer einen riesigen Picknickkorb dabei. Den haben wir auf der Tribüne durchsucht und geschaut, ob es dort nur Butterbrote gibt oder ob vielleicht auch Pizzabrötchen und Frikadellen dabei waren.

Gibt es auch eine Geschichte dazu, wie Sie ins Tor gekommen sind?

Schult: Ich habe ungefähr zwei Jahre im Feld gespielt, dann ist unser Stammtorwart weggezogen. Plötzlich war diese Position frei. Es wurden alle im Tor ausprobiert. Und ich habe es wohl ganz gut gemacht. Hinzu kam, dass ich damals größer als die meisten meiner Mitspieler war.  Der Trainer hat dann gesagt: "Almuth, du machst das am besten. Du hast keine Angst vor dem Ball. Du bist unsere neue Torhüterin." Da es kaum weitere Torhüterinnen gab, war ich dann sogar ziemlich schnell bei der U 14-Kreisauswahl dabei - mit acht Jahren stand ich als F-Mädchen in dem großen Tor. Im Rückblick hat es mir sicher in meiner Entwicklung nicht geschadet, mit den sechs Jahre älteren Jugendlichen zusammenzuspielen. 

Bis dahin haben Sie also vorwiegend mit Jungs gespielt?

Schult: Ja, in erster Linie schon. Ich war jahrelang in meiner Fußballmannschaft das einzige Mädchen. Bis ich 16 Jahre alt war, habe ich im Großen und Ganzen mit diesen Jungs zusammengespielt, mit denen ich im Kindergartenalter begonnen habe. Mit vielen von ihnen habe ich heute natürlich auch noch Kontakt. Die meisten spielen dort noch immer im Verein Fußball. Wenn ich mal Zeit habe, bin ich dort ein gerne gesehener Trainingsgast. Mein Bruder gehört auch noch zu dieser Mannschaft. 

Kann man sagen, dass Sie mit dem Fußball erwachsen geworden sind?

Schult: Ja, das würde ich schon sagen. Es hat mir unglaublich wehgetan, als ich mit 16 Jahren weggegangen bin, um weiterzukommen. Das war der Zeitpunkt, als ich mit meinen Jungs bald nicht mehr im Verein spielen konnte. Spätestens in der A-Jugend wäre das nicht mehr möglich gewesen. Ich bin dann zum Hamburger SV gegangen. Das war eine krasse Erfahrung. Ich bin aus dem Dorf in die große Stadt gekommen, aus der Kreisliga der Jungs in die Frauen-Bundesliga. Das war einerseits großartig, aber andererseits auch echt kompliziert. Ich war ein pubertierendes Mädchen, musste die Schule wechseln und habe plötzlich in einem völlig neuen Umfeld gelebt. Es war schwierig für mich, dort Anschluss zu finden. Aber ich hatte da schon den Traum, Profifußballerin zu werden. Zu dieser Zeit war das kaum möglich. Ich wollte es trotzdem schaffen.

Und Sie haben es geschafft.

Schult: Das stimmt. Ich hatte einen steinigen Weg dorthin, wo ich heute bin. Aber ich bin ein Beispiel dafür, dass man es auch aus einem kleinen Dorf in die Nationalmannschaft schaffen kann. Man braucht einen starken Willen, das richtige Umfeld und auch das nötige Glück. Meine Eltern haben mich Hunderte und Tausende Kilometer zu den verschiedensten Lehrgängen, Auswahltrainings und Stützpunkten gefahren, weil bei uns in der Nähe nichts war. Auch meine Großeltern waren eine riesige Hilfe. Ohne die hätte ich es nicht schaffen können. Deshalb kann ich auch jeden verstehen, der lieber wieder zurück in sein bekanntes Umfeld geht, um mit den Freunden zu spielen. Ich kann mir gut vorstellen, dass ich diesen Weg später auch gehen werde. Bei uns im Landkreis ist es erlaubt, dass bei den Alten Herren auch die Frauen wieder mitspielen dürfen. Es ist gut möglich, dass ich nach meiner Karriere wieder mit den Jungs zusammenspiele, mit denen ich mal angefangen habe.

Ist es für Sie also immer wieder eine Rückkehr in die Heimat, wenn Sie in Gartow auf der Sportanlage sind?

Schult: Für mich ist es sogar völlig normal, wenn ich dort bin. Ich habe den Kontakt in all den Jahren nicht verloren. Durch die Geburt meiner Zwillinge habe ich in den vergangenen 15 Monaten selbst ja nicht spielen können. Da ist es häufiger vorgekommen, dass ich mir die Kreisligaspiele der Männer in Gartow angeschaut habe. Auch wenn der Verein mal Unterstützung braucht, helfe ich gerne, wenn es mir möglich ist.

Zum Beispiel?

Schult: Ich komme erfreulicherweise einfach an Torwarthandschuhe, und auch ich wechsle regelmäßig meine eigenen. Meist sind meine alten Modelle noch sehr in Ordnung. Diese stelle ich dann gerne beispielsweise den Männern zur Verfügung. Aber ich bestelle auch kleinere Größen für die Nachwuchstorhüter. Ich bin übrigens auch immer noch Mitglied im Verein. Meine Zwillinge natürlich auch. 

Klingt nach einer sehr engen Verbindung weiterhin.

Schult: Absolut. Mein Mann ist beispielsweise im Vorstand des Vereins tätig und engagiert sich dort gerne ehrenamtlich. Wir haben also auch organisatorisch viel damit zu tun.

Was zeichnet Ihrer Meinung nach den Amateurfußball aus?

Schult: Grundsätzlich ist Amateurfußball ja viel mehr, als sich sonntags zu treffen und ein Fußballspiel zu bestreiten. Für mich gehört es dazu, dass man nach dem Training noch zusammensitzt und vielleicht ein Bier trinkt. Es kann sein, dass man dann noch stundenlang in der Kabine sitzt und Quatsch macht. Durch Corona ist im Moment leider vieles davon nicht möglich. Aber normalerweise ist es so, dass bei Geburtstagen oft die ganze Mannschaft eingeladen ist. Bei unserer Hochzeit beispielsweise war gefühlt die komplette erste Herrenmannschaft dabei und hat ordentlich Stimmung gemacht. Am Standesamt stand plötzlich der halbe Verein zu unserer Überraschung zum Gratulieren. Das ist ein Gemeinschaftsgefühl, das über den Fußball hinausgeht. Es fühlt sich an wie eine große Familie. Das schätze ich daran. Das ist aber auch nur möglich, weil es Menschen gibt, die sich ehrenamtlich engagieren, die ihre Aufgabe im Verein lieben. Auf dem Fußballplatz sieht man immer Menschen, die ein Lächeln im Gesicht haben.

Sind Fußball- und Sportvereine gerade auch in ländlichen Gegenden besonders wichtig, um eine Zusammengehörigkeit zu erzeugen?

Schult: Ich würde hier nicht nur Sport- und Fußballvereine nennen, sondern auch die Feuerwehr, Reit- und Fahrvereine oder Schützenvereine. In manchen Regionen nehmen auch Karnevalsgesellschaften eine sehr wichtige gesellschaftliche Rolle ein. Diese Organisation in Vereinen ist sehr, sehr wichtig für Dorfgemeinschaften und über die Grenze hinaus für die Verständigung untereinander. Man lernt sich dadurch besser kennen und entwickelt ein Bewusstsein für die Region. Wenn man ein Problem hat, findet man in einem Verein fast immer eine Person, die helfen kann. Das ist auch heute noch so und extrem gut zu wissen. 

Längst stehen Sie beim VfL Wolfsburg unter Vertrag. Wissen Sie schon, wann Sie nach der Geburt Ihrer Zwillinge dort wieder einsteigen werden?

Schult: Im Mannschaftstraining bin ich schon wieder komplett dabei. Ich merke, dass mir noch etwas die Routine fehlt. Aber das wird kommen, da mache ich mir keine Sorgen. Ich bin schon sehr zufrieden. Das erste Ziel habe ich erreicht.

Wie geht es Ihnen persönlich in der neuen Lebenskonstellation?

Schult: Ich bin einfach nur glücklich. Mir und meiner ganzen Familie geht es sehr gut. Wir haben zwei gesunde Kinder. Was wollen wir mehr? Es ist alles sehr herausfordernd, neu und wir müssen natürlich viel organisieren. Aber das bekommen wir hin. Es ist eine sehr schöne Aufgabe. Wir sind froh, dass alles so klappt, wie wir es uns gewünscht haben. Und vor allem sind wir dankbar gegenüber unseren großen Familien drumherum.

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