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Magazin | 15.01.2026 | 08:00

Sepp-Herberger-Awards: Wenn aufgeben keine Option ist

[Foto: Carsten Kobow/Herberger-Stiftung]

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Auch 2026 werden die Sepp-Herberger-Awards wieder von der DFB-Stiftung Sepp Herberger verliehen. Fußballorganisationen, Einzelpersonen und Justizeinrichtungen können sich ab sofort um die renommierte Auszeichnung bewerben. Am 16. März 2026 werden in der Autostadt in Wolfsburg die Preisträgerinnen und Preisträger für herausragende Aktivitäten aus dem Handicap-Fußball, der Resozialisierung von Strafgefangenen sowie in der Kooperation zwischen Schulen und Vereinen geehrt.

Zusätzlich wird in der Kategorie "Sozialwerk" der "Horst-Eckel-Preis" in Erinnerung an den gleichnamigen Weltmeister verliehen, mit dem ein Engagement für in Not geratene Fußballerinnen und Fußballer prämiert wird. Einsendungen sind bis Freitag, 16. Januar 2026, möglich. Weitere Informationen und das Bewerbungsformular gibt es unter www.dfb-stiftungen.de/awards. FUSSBALL.DE stellt zur Einstimmung noch mal die Gewinnerin in der Kategorie "Sozialwerk" aus 2025 vor.

Irini Ioannidou hat nie einen Gedanken daran verschwendet aufzugeben. Diese Mentalität hat ihr eine beeindruckende Fußballkarriere mit 162 Bundesligaspielen und Einsätzen in Nachwuchsnationalteams des DFB ermöglicht. Und diese Mentalität prägt nun den Kampf gegen eine unheilbare Erkrankung. Die 34-Jährige leidet an amyotrophe Lateralsklersose, besser bekannt als ALS. Für ihren Mut, ihre Geschichte in der breiten Öffentlichkeit zu teilen und als Vorbild für zahlreiche weitere an ALS erkrankte Personen aufzutreten, erhielt Irini Ioannidou 2025 den Sepp-Herberger-Award in der Kategorie Sozialwerk.

"Ich habe keine Angst vor dem Tod", sagt Ioannidou. Und noch kämpferischer: "Ich bin ein positiv denkender Mensch und glaube an Wunder." Um dann eine Frage zu stellen, die sie direkt selbst beantwortet: "Warum sollte es nicht auch für mich ein Wunder geben? Aufgeben ist keine Option." Im Oktober 2023 wurde der fortschreitende Verlust von Nervenzellen bei ihr diagnostiziert. Seitdem geht es ihr schubweise schlechter. Die Folgen der Krankheit sind dramatisch. Nach und nach tritt eine Muskellähmung ein. Dadurch ist sie auf fremde Hilfe angewiesen. "Ich bin meiner Familie, meinen Freunden und meiner Lebensgefährtin unglaublich dankbar, die mich rund um die Uhr unterstützen", sagt Ioannidou. "Wer mich kennt, weiß, dass mich nichts so schnell aus der Bahn wirft, ich nicht leicht unterzukriegen bin. Ich habe immer lieber anderen geholfen, als selbst um Hilfe zu bitten und auch anzunehmen. Jetzt bin ich allerdings an einem Punkt angelangt, wo ich auf Unterstützung anderer angewiesen bin."

"Wer mich kennt, weiß, dass mich nichts so schnell aus der Bahn wirft"

In der Schulmedizin gibt es derzeit nur ein Medikament, das die Krankheit verzögert. Ioannidou ist bei ihrer Recherche nach weiteren Möglichkeiten auf eine Kombination von Therapiemaßnahmen gestoßen, die Patientinnen und Patienten mit gleichen Symptomen und Verläufen unterstützt und zur Verbesserung der Lebenssituation beigetragen haben. Das Problem: Die Maßnahmen müssen selbst gezahlt werden. Der hohe fünfstellig Betrag war für Ioannidou allein nicht mehr stemmbar.

Sie hat daher eine Spendenaktion gestartet – mit unglaublichem Feedback. Innerhalb von nicht einmal 48 Stunden hat ihr Schicksal tausende Menschen berührt. Vor allem aus der Fußballerinnenszene. Ioannidou hat auf diesem Weg Geld gesammelt, mit der sie die Therapie beginnen konnte: "Ich habe in Deutschland und der Schweiz verschiedene Dinge ausprobiert. Einiges hat sehr gut angeschlagen, auf anderes hat mein Körper ablehnend reagiert. Ich kämpfe weiter gegen diese Krankheit an."

Wer mit Ioannidou spricht, erlebt die Kämpferin, die sie früher auch auf dem Fußballplatz war. Die gebürtige Essenerin hat lange für den FCR 2001 Duisburg, die SGS Essen und zuletzt für den 1. FC Köln gespielt. Sie hat für die U 15, U 17 und U 21 das DFB-Trikot getragen. Sie stand im Halbfinale der Champions League, hat den früheren UEFA-Cup geholt und zweimal den DFB-Pokal gewonnen. Im November 2021 beendete sie ihre Karriere.

Nun bestimmt die Krankheit ihren Alltag. Sie hat Schwierigkeiten beim Sprechen, kann die Wohnung nicht mehr allein verlassen. "Ich nehme die Situation jetzt so an, wie sie ist und versuche, das Beste daraus zu machen." Bei allem Optimismus gibt es bessere und schlechtere Tage: "Manchmal bin ich niedergeschlagen und müde. Aber dann helfen mir die Gespräche mit meinen Freunden und meiner Familie. Die Unterstützung, die ich von allen Seiten bekommen, ist unglaublich. Ich bin diesen Menschen unendlich dankbar."

Jetzt für Herberger-Awards bewerben

Ihr Verein hat auch Fußballerinnen und Fußballer in Not unterstützt? Sie setzen sich für Mitglieder der Fußballfamilie ein, die Hilfe benötigen? Dann verfassen Sie eine Bewerbung für die Sepp-Herberger-Awards in der Kategorie "Sozialwerk". Weitere Informationen und das Bewerbungsformular finden Sie unter www.dfb-stiftungen.de/awards. Der Sonderpreis ist mit 12.500 Euro dotiert.

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