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Am Samstag, 6. Juni wird gespannt die Auslosung verfolgt: Der SV Hemelingen nimmt am DFB-Pokal teil. [Foto: SV Hemelingen/Privat]
Auf dem Bremer Marktplatz wird die Mannschaft des Fünftligisten SV Hemelingen am Samstag, 6. Juni, ab 18 Uhr gespannt die Auslosung der ersten Runde im DFB-Pokal live in der ARD verfolgen. Der aktuelle Verbandspokalsieger und Vizemeister der Bremen-Liga nimmt zum zweiten Mal in Folge am "großen" Pokalwettbewerb teil. Das erneute Ticket löste das Team am Finaltag der Amateure durch ein 2:1 gegen den Ligakonkurrenten Leher TS.
Während die beiden langjährigen SVH-Trainer Günter und Feyhat Tuncel im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund vor Ort sein werden, treffen sich ihre Spieler in unmittelbarer Nähe zum Bremer Roland und zu den Stadtmusikanten in Beck's Bistro von Sami Tuncel, einem weiteren Bruder der beiden Coaches. Er engagiert sich als 1. Vorsitzender ebenfalls für den Verein aus dem Osten der Hansestadt. SV Hemelingen - das ist also auch eine echte Familienangelegenheit.
"Dass wir unseren Titel im Verbandspokal verteidigt und uns wieder für den DFB-Pokal qualifiziert haben, ist ein sensationeller Erfolg", sagt Günter Tuncel im Gespräch mit FUSBALL.DE: "In der Liga haben wir den erneuten Gewinn der Meisterschaft nur um zwei Punkte verpasst. Das kann sich sehen lassen."
In der Tat ist es ein weiterer Höhepunkt einer Erfolgsgeschichte. Als der inzwischen 37 Jahre alte Günter Tuncel vor fast 14 Jahren gemeinsam mit seinem älteren Bruder Feyhat (46) das Traineramt übernahm, steckte der Traditionsklub, der in den 1950er-Jahren sogar mal um die Deutsche Amateurmeisterschaft mitspielt hatte, in der Bezirksliga tief im Abstiegskampf.
"Damit begann unser Märchen", formuliert Günter Tuncel, der im Hauptberuf als Sozialarbeiter tätig ist. Der SV Hemelingen schaffte nicht nur den Klassenverbleib, sondern entwickelte sich unter der Regie der Tuncel-Brüder kontinuierlich und nachhaltig weiter: Aufstieg in die Landesliga 2015, Sprung in die Bremen-Liga 2019. Dort wurde das Team 2023 und 2024 jeweils Vizemeister, ehe in der Saison 2024/2025 erstmals nach 76 Jahren wieder der "große Wurf" gelang: Meister der Bremen-Liga - und das mit riesigem Vorsprung (17 Punkte). Hinzu kam der erste Verbandspokalsieg seit 1952 (1:0 gegen den favorisierten Regionalligisten Bremer SV), den der SVH nun nur zwölf Monate später wiederholte.
Nun warten die Hemelinger gespannt auf ihren Pokalgegner. Vor einem Jahr hatten sie im Vorfeld der DFB-Pokal-Premiere gegen den VfL Wolfsburg (0:9) bei der Suche nach einem geeigneten Stadion unfreiwillig für Schlagzeilen gesorgt. Dass die eigene Spielstätte in Hemelingen die Anforderungen für einen Auftritt im DFB-Pokal nicht erfüllen kann, war schnell klar. Zunächst hatten sich die Verantwortlichen deshalb für einen Umzug in das Stadion am Berliner Ring in Verden an der Aller entschieden.
Kurios: Bei der Abnahme durch eine Stadionkommission des DFB wurde festgestellt, dass der Rasenplatz in Verden nur 96 Meter lang ist und damit das Mindestmaß für ein Pflichtspiel im DFB-Pokal (100 Meter) nicht erreicht. Überlegungen, den Platz durch Rollrasen zu verlängern, wurde schließlich verworfen. "Um die Vorgaben erfüllen zu können, wären beim Stadion in Verden umfangreiche bauliche und organisatorische Maßnahmen erforderlich gewesen, was in der Kürze der Zeit ein zu großes Risiko dargestellt hätte", hieß es in einer Mitteilung des SV Hemelingen.
Kurzfristige Gespräche mit der Bremer Weser-Stadion GmbH, dem SV Werder, aber auch dem VfL Wolfsburg, der großzügig auf seine Einnahmen verzichtete, führten schließlich dazu, dass der SV Hemelingen in der Spielstätte des Bundesligisten antreten durfte. Dort lief der SVH schließlich vor knapp 7000 Fans gegen die "Wölfe" auf - und blieb sportlich chancenlos.
Dennoch hätte Günter Tuncel ganz und gar nichts dagegen, in der ersten Pokalrunde (21. bis 24. August) erneut im großen Stadion am berühmten Bremer Osterdeich spielen zu dürfen. "Es wäre für uns das Allergrößte, den SV Werder als Gegner zugelost zu bekommen und dann in einem ausverkauften Weserstadion anzutreten", erklärt Hemelingens Trainer. Erst auf Platz zwei der Wunschliste käme dann Titelverteidiger FC Bayern München, wie Tuncel mit einem Grinsen hinzufügt.
Nicht mehr dabei sein wird dann allerdings der junge Toptorjäger Radin Amadou (19), der sich gleich in seiner ersten Seniorensaison mit 29 Saisontreffern in der Bremen-Liga für Profiklubs interessant gemacht hat und zur U 21 des Bundesligisten Hamburger SV wechseln wird. "Das Beispiel zeigt, dass wir talentierten Spielern eine Plattform bieten, die sie für sich als Bühne nutzen können", freut sich Günter Tuncel.
Nachdem vor einem mehrere Leistungsträger den Verein verlassen hatten, geht der SVH-Trainer diesmal von einem deutlich geringeren Umbruch im Kader aus. Von daher bleiben auch die Ambitionen unverändert. Den erstmaligen Aufstieg in die Regionalliga Nord, den sie vor einem Jahr nur hauchdünn verpasst hatten, schreiben sich die Tuncel-Brüder als Ziel auf die Fahnen. Dazu darf es auch gerne der Pokalhattrick sein.
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