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Magazin | 11.02.2026 | 09:30

Urbachs Paul Schwarz: Schiedsrichter mit Beinorthesen

Schwarz: "Deniz Aytekin ist ein Vorbild für mich!"[Foto: SC Urbach/SRG Schorndorf]

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Paul Schwarz kann es kaum erwarten, dass es wieder losgeht. Nach der langen Winterpause beginnt auch im Süden Deutschlands langsam wieder der Spielbetrieb, zunächst noch in der Halle, aber in den nächsten Wochen natürlich auch wieder draußen auf dem Platz. Der 18-Jährige ist Schiedsrichter beim SC Urbach, er geht seiner Tätigkeit als Unparteiischer mit viel Leidenschaft nach – obwohl er ein Handicap hat.

Paul Schwarz wurde mit einer Schädigung des Rückenmarks geboren, laufen kann er nur mit zwei Beinorthesen. Seiner Liebe zum Fußball konnte die körperliche Beeinträchtigung, die bereits mit einigen Operationen erforderten, nichts anhaben.

Im Interview mit FUSSBALL.DE erzählt der angehende Abiturient aus dem Schwabenländle, was er sich von Deniz Aytekin bei dessen Besuch in der Schorndorfer Schiedsrichtergruppe genau angehört hat und wie ihm Daniel Siebert im Stuttgarter Bundesliga-Stadion die Kabine gezeigt hat.

FUSSBALL.DE: Paul Schwarz, wie bist du zum Fußball gekommen und wie Schiedsrichter geworden?

Paul Schwarz: Fußball hat mich von Kind an begeistert. Das hat in der Grundschule angefangen, wo ich mit meinen Freunden fast in jeder Pause gekickt habe, und nachmittags ging es auf den Bolzplatz. Dabei war nach meiner Geburt erst einmal gar nicht klar, ob ich überhaupt laufen könne. Zum Glück war meine Lähmung nicht so schlimm, dass ich in einen Rollstuhl musste.

Wie konntest du mit deiner Beeinträchtigung beim Kicken mitmischen?

Schwarz: Die Jungs haben immer Rücksicht auf mich genommen. Es war klar, dass ich nicht so gut wie sie sein werde, aber meine Kumpels haben mich stets unterstützt. Und ich habe auch immer klargemacht, dass ich genauso wie alle anderen behandelt werden möchte. Als sie dann in den Verein gingen, wurde es schwieriger für mich. Das war mit 14, in der C-Jugend. Ich konnte zwar mittrainieren, aber es war klar, dass ich nie ein Punktspiel bestreiten würde.

„Spiele zu leiten ist eine super Schule, als Schiedsrichter lernst du fürs ganze Leben.“

Dann bist du Schiedsrichter geworden…

Schwarz: Ja, Simeon Sigmas, mein damaliger B-Jugend-Trainer beim SC Urbach, hat mich gefragt, ob ich mich nicht für einen Anwärter-Lehrgang anmelden möchte. Das habe ich getan, und es hat mir sofort sehr viel Spaß gemacht.

Du bist ja noch sehr jung, übernimmst aber gerne Verantwortung, oder?

Schwarz: Ja, das liegt mir. Und jedes Spiel, das ich gut leite, macht mich selbstbewusster. Ganz am Anfang, in meinen ersten Spielen, habe ich vielleicht etwas zu viel durchgehen lassen, aber dann schnell gemerkt: Wenn du nicht eingreifst, dann haben das die Jungs ganz schnell raus und denken, dass sie alles machen können.

Gab es keine komischen Blicke oder Sprüche, weil du anders läufst?

Schwarz: Ich habe da nie negative Erfahrungen gemacht, im Gegenteil: Alle haben mich von Beginn an super unterstützt. Vor allem die Schorndorfer Schiedsrichter-Gruppe ist für mich so etwas wie eine zweite Familie geworden, in der ich mich sehr gut aufgehoben fühle.

In welchen Ligen und Altersklassen pfeifst du?

Schwarz: Ich leite meistens Jugendspiele, einmal war ich auch bei den Frauen im Einsatz und auch schon mal Linienrichter bei den Herren. Mein Ziel ist es, bald irgendwann ein Spiel bei den Herren zu leiten. Klar geht es da mit mehr Tempo zu, und mein Anspruch ist es, möglichst immer auf Ballhöhe zu sein. Das geht mit den Orthesen ganz gut, aber klar bin ich nicht so schnell wie Menschen, die normal laufen können.

Wie würdest du dich selbst als Schiedsrichter beurteilen?

Schwarz: Ich denke, dass ich sehr kommunikativ bin. Andererseits möchte ich möglichst wenig Einfluss auf das Geschehen auf dem Platz nehmen. Am liebsten ist mir, wenn der Fokus nicht auf mich gerichtet ist und ich eine Partie laufen lassen kann.

Hast du Vorbilder?

Schwarz: Deniz Aytekin ist ein Vorbild für mich! Er hat letztes Jahr unsere Schiedsrichtergruppe Schorndorf besucht, seine sympathische Art hat uns sehr gut gefallen. Auf dem Platz hat er eine souveräne Ausstrahlung, ist authentisch und begegnet den Spielern auf Augenhöhe. Daniel Siebert gefällt mir aber auch sehr gut, ihn habe ich sogar erst vor ein paar Wochen persönlich bei einem Spiel getroffen.

Erzähle bitte!

Schwarz: Ich bin vom DFB zum Bundesliga-Derby zwischen dem VfB Stuttgart und der TSG Hoffenheim eingeladen worden. Das war kurz vor Weihnachten. Vor dem Spiel durfte ich zu Daniel Siebert in die Schiedsrichterkabine. Er war ganz locker, hat mir erklärt, wie das vor so einem Bundesliga-Spiel abläuft und so weiter. Das war schon ein besonderer Moment für mich, von dem ich viel für meine eigene Tätigkeit mitnehmen konnte.

Wie geht es für dich weiter, als Schiedsrichter und abseits des Platzes?

Schwarz: Im Sommer steht mein Abitur am Max-Planck-Gymnasium in Schorndorf an. Danach will ich studieren, Rechtslehre in Starnberg. Falls das aber nicht klappen sollte, kann ich mir auch vorstellen, zunächst ein Freiwilliges Soziales Jahr zu absolvieren. Auf dem Platz möchte ich mich in meiner Persönlichkeit weiterentwickeln, das wird sicher der Fall sein, wenn ich es in den Herrenbereich schaffen sollte. Spiele zu leiten ist eine super Schule, als Schiedsrichter lernst du fürs ganze Leben.

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