Neu-Schalkerin Julia Debitzki: "Als Vorbild vorangehen"
Die Ex-Bundesligaspielerin Julia Debitzki läuft ab sofort für Schalke 04 auf. Im FUSSBALL.DE-Interview spricht die 35-Jährige über ihren Wechsel in die 3. Liga.
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Vanessa Sokoliß (h.): "Es geht uns darum, dass die Mädchen einen Ort haben, an den sie gerne kommen."[Foto: SV Oberbilk]
Es gibt Geschichten im Amateurfußball, die zeigen eindrucksvoll, wie wichtig Ehrenamt ist. Geschichten wie diese: Ende 2021 war die Lage beim SV Oberbilk aus Düsseldorf für den Mädchenfußball ernüchternd. Zwei Mädchen spielten bei dem Verein aus dem Fußballverband Niederrhein noch Fußball. Nur noch zwei. Bereits seit 2017 gab es keine Mädchenmannschaft mehr, kein Angebot, keine Struktur – und damit auch keine Perspektive für junge Mädchen, die einfach nur Fußball spielen wollten. Was damals wie ein stilles Aus wirkte, war in Wahrheit der Startpunkt für etwas Besonderes. Denn dann übernahm Vanessa Sokoliß mit einem Kollegen die Verantwortung. Was in den folgenden Jahren passierte, ist sehr erstaunlich.
Vanessa Sokoliß mag es nicht, im Mittelpunkt zu stehen. Auch zu viel Lob ist ihr unangenehm. Aber diese Geschichte würde ohne sie nicht funktionieren. Sie beginnt so: Sokoliß ist seit 13 Jahren Jugendleiterin beim SV Oberbilk. In den vergangenen Jahren hatte sie ein großes Ziel: Den Mädchen- und Frauenfußball bei dem Verein aus dem zentralen Düsseldorfer Stadtteil neu aufzubauen. Denn die Ausgangslage war ernüchternd. Aber sie wussten: Es kann nur besser werden. Also legte sie los.
"Natürlich haben auch wir mitbekommen, dass der Frauenfußball in Deutschland vor allem durch das Auftreten der Nationalspielerinnen bei den großen Turnieren gerade einen Boom erlebt. Wir haben erkannt, dass es viele Mädchen da draußen gibt, die Fußball spielen wollen. Auch bei uns in Oberbilk. Aber wir konnten ihnen nicht wirklich etwas anbieten. Das wollten wir beim SV Oberbilk ändern", erinnert sich Sokoliß. So fing also alles an.
Was folgte, war kein schneller Erfolg. Um in der Fußballsprache zu bleiben: kein glücklicher 1:0-Sieg. Es war mühsame Arbeit, die mehrere Protagonisten gemeinsam leisten mussten. Gespräche mit Eltern, Flyer in Schulen, Mundpropaganda über Mundpropaganda. Sokoliß knüpfte Netzwerke, motivierte Trainerinnen und Trainer, koordinierte Trainingszeiten und Hallenbelegungen – und das alles neben ihrem Alltag, unbezahlt, in ihrer Freizeit. So wie es Ehrenamt eben ist.
Das Ergebnis ist bemerkenswert: Heute, etwa viereinhalb Jahre nach dem Start der Initiative, zählt der SV Oberbilk fünf Mädchenmannschaften und deutlich mehr als 40 aktive Spielerinnen. Was 2021 in einer fast hoffnungslosen Situation begann, hat sich zu einem lebendigen, wachsenden Teil des Vereinslebens entwickelt. Sokoliß war im vergangenen Jahr für ihr Engagement auch für den DFB-Ehrenamtspreis nominiert.
"Es ist nicht immer einfach - aber es lohnt sich"
Zahlen erzählen aber nie die ganze Geschichte. Denn hinter jeder dieser 40 Spielerinnen steckt ein Mädchen, das vielleicht zum ersten Mal erlebt, wie es sich anfühlt, Teil eines Teams zu sein. Das lernt, Niederlagen wegzustecken und Siege zu feiern. Das Freundschaften schließt, die manchmal ein Leben lang halten. Und das wächst – nicht nur als Fußballerin, sondern als Mensch. Das ist Amateurfußball. Man gewinnt zusammen, man verliert zusammen, man hält immer zusammen.
"Es geht uns nicht darum, Leistungssportlerinnen heranzuziehen. Es geht uns darum, dass die Mädchen einen Ort haben, an den sie gerne kommen. Einen Ort, wo sie sie selbst sein und ihrem Hobby nachgehen können", sagt Sokoliß. "Wenn ich sehe, wie sie beim Training lachen und wie stolz sie nach einem Spiel sind – dann weiß ich, warum wir das hier gemeinsam machen. Es ist nicht immer einfach, aber es lohnt sich."
Sokoliß koordiniert Spielpläne, kommuniziert mit Verbänden, sorgt dafür, dass im Hintergrund alles läuft. Die Mädchen, ihre Eltern, die Trainerinnen und Trainer – sie alle wissen, dass sie immer ein offenes Ohr hat. Sie ist Ansprechpartnerin auch für die Fragen, die mit Fußball nicht zwingend etwas zu tun haben.
"Für mich ist das ganze Projekt wirklich zu einer Herzensangelegenheit geworden. Manchmal ist es chaotisch und herausfordernd, aber zum Glück funktioniert es am Ende doch immer irgendwie", sagt Sokoliß im Auto, als sie gerade auf dem Weg zur Anlage des SV Oberbilk ist. "Meine Söhne spielen auch Fußball und ihnen macht es riesigen Spaß. Sie haben in der Mannschaft viele neue Freunde gefunden." Es geht hier um viel mehr als um Sieg, Unentschieden oder Niederlage.
Aber es funktioniert nur, weil sich im Hintergrund Menschen engagieren, um Gutes zu tun. Um anderen das Fußballspielen zu ermöglichen. In diesem Fall Vanessa Sokoliß und mehrere Wegbeleiterinnen und Wegbegleiter. Zusammen stehen sie stellvertretend für tausende andere Ehrenamtlerinnen und Ehrenamtler in Deutschland, die sich ebenfalls einbringen und auch viel bewirken. Mal im Kleinen, mal im Großen.
Denn eines ist klar: Ehrenamt ist das Fundament des Amateurfußballs. Es braucht Menschen wie Sokoliß, die Woche für Woche dafür sorgen, dass Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene eine Heimat im Fußball finden. Die früh morgens Linien ziehen, spät abends E-Mails beantworten und an Wochenenden auf dem Sportplatz stehen – nicht, weil sie es müssen, sondern weil ihnen etwas daran liegt.
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