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"Wie ein Lottogewinn": die Fußballer des VfL Sportfreunde 07 in China.[Foto: VfL Sportfreunde 07]
Knapp 9000 Kilometer Luftlinie sind es von Essen im Ruhrgebiet nach Changzhou in China. Den weiten Weg nach Fernost und zurück haben gerade 25 Fußballer des VfL Sportfreunde 07 hinter sich. Der B-Ligist aus Rüttenscheid war bei einem internationalen Turnier in der Drei-Millionen-Stadt in der Provinz Jiangsu zu Gast. Doch wie kam es dazu? FUSSBALL.DE hat nachgeforscht.
"Changzhou ist einer der Essener Partnerstädte", berichtet Sportfreunde-Trainer Benedikt Birwe. "Die Veranstalter haben hier einen Amateurverein für die 'Intercity Football Championship 2026' gesucht. Darauf haben wir uns beworben und sind glücklicherweise ausgelost worden."
Ende Februar erreichte die 07er die Zusage, dass sie ausgewählt wurden. "Dann ging es natürlich darum, über regulären Urlaub oder Sonderurlaub für die Tage auch freizubekommen", berichtet Benedikt Birwe. Die Kosten für Flüge, Unterkunft und Verpflegung im Hotel sowie die Aktivitäten vor Ort mit umfangreichem Rahmenprogramm wurden von der Stadt Changzhou bezahlt.
20 Spieler, drei Trainer und zwei Mitglieder aus dem Vorstand des Klubs machten sich also am 25. und 26. März in drei Etappen auf den Weg nach China. Im Gepäck: ein neues, schwarzgelbes Sondertrikot und viele freudige Erwartungen, was die Delegation aus Deutschland auf dem Platz und außerhalb dessen erwarten würde.
Fußball boomt schon länger in China, seit einigen Jahren erlebt auch der Amateurfußball im Reich der Mitte einen Aufschwung. Als in Changzhou vor einigen Jahren die "Football City League" zunächst als lokales Turnier startete, wuchs schnell das Interesse an dem Wettbewerb. Das Finale am 2. November 2025 wollten sage und schreibe 62.000 Zuschauer sehen.
"Die ganze Reise war eine Riesensache für alle Beteiligten, wie ein Lottogewinn - so eine Chance bekommt man sicher nur einmal im Leben"
Ganz so viele Fans waren dann zwar nicht dabei, als die VfL Sportfreunde 07 aus Essen-Rüttenscheid zu ihrem ersten Match bei der "Intercity Football Championship 2026" aufliefen. "Aber immerhin zwischen 2000 und 3000", erzählt Benedikt Birwe. Auch das ganze Drumherum war nicht mit dem Alltag der Sportfreunde in der Kreisliga zu vergleichen. Vor dem Turnierstart gab es eine Pressekonferenz, Trainer und Spieler wurden von TV-Teams interviewt. Die Gäste aus Deutschland standen dabei besonders im Fokus, waren die Essener doch das einzige Team aus einem anderen Land aus China, nachdem eine Mannschaft aus Südkorea kurzfristig absagen musste.
Auf dem technischen Campus ging es ab dem 28. März darum, sich für die Finalrunde zu qualifizieren, die am 4. April im über 30.000 Zuschauer fassenden Olympic Sports Centre ausgetragen wurde. Dafür hatte gegen Liaoning Shenyang ein Sieg hergemusst, doch der Essener B-Ligist musste sich nach guter Leistung und einem achtbaren 0:0 bis zur 80. Minute mit 0:3 geschlagen geben. "Wir haben uns ordentlich verkauft, aber am Ende war uns der Gegner vor allem körperlich überlegen", gibt Benedikt Birwe zu.
Sportlich stand so bereits nach nur einer Partie das Aus für die Gäste aus Essen fest. Das war auch zu erwarten, schließlich kickten die chinesischen Gegner teils auf Profiniveau, auch wenn die "Intercity Football Championship 2026" offiziell als Amateur-Fußball-Wettbewerb ist. "Das sind teilweise Betriebsmannschaften, der Sieger Jiangsu Changjin hatte wohl sogar drei chinesische U 21-Nationalspieler dabei", berichtet Benedikt Birwe.
Die Reise nach China hatte aber natürlich viel mehr zu bieten als 90 Minuten auf dem Rasen. Auf dem Programm standen unter anderem ein Besuch der Bibliothek, des Stadtarchivs und eines Museums sowie einer Teezeremonie in Changzhou. Außerdem ging es per Zug in die nur etwa 90 Minuten entfernte Millionen-Metropole Shanghai. "Das waren Eindrücke, die man nicht vergisst", strahlen Benedikt Birwes Augen jetzt noch. "Die ganze Reise war eine Riesensache für alle Beteiligten, wie ein Lottogewinn. So eine Chance bekommt man sicher nur einmal im Leben."
Ein 07er brachte sogar eine Urkunde mit nach Hause: Hauke Hinners. Der Keeper der Sportfreunde durfte am Finaltag, den die Essener zusammen mit fast 20.000 Zuschauern im Olympic Sports Centre feierten, den "Friendship Award" entgegennehmen. "Ich habe mich sehr geehrt gefühlt", nickt Hauke Hinners. "Den Preis ging allerdings an unsere gesamte Mannschaft, ich habe ihn nur stellvertretend erhalten. Unser Kapitän Tim Pieper hat gesagt, ich soll das machen."
Die Urkunde hängt jetzt im Vereinsheim der Sportfreunde 07 in der Veronikastraße in Essen-Rüttenscheid. "Und sie wird uns jetzt immer an eine sehr coole Reise erinnern", freut sich Hauke Hinners. "Wie wir mit durch die Stadt gelaufen sind, 25 Europäer in schwarzgelben Trainingsanzügen, das hat schon für Aufmerksamkeit gesorgt."
Inzwischen hat die "Sportis" der Alltag wieder. In der Essener Kreisliga B geht es vor ein paar Zuschauern gegen Blau-Gelb Überruhr II und SuS Niederbonsfeld II, es gibt auch keine Pressekonferenzen und Fernseh-Reporter, die Interviews wollen. Ob es nächstes Jahr aber wieder nach China geht? "Darüber wurde in China noch nicht gesprochen, aber wir würden es natürlich sofort wieder machen", kündigt Benedikt Birwe an.
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