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Corona |04.05.2021|07:45

Virologe: "Fußball stellt kein Risiko dar"

Klaus Stöhr: "Ansteckungen sind bei kontaktarmem Mannschaftssport fast auszuschließen."[Foto: imago]

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Der Virologe und Epidemiologe Klaus Stöhr versteht nicht, warum die Politik sportliche Outdoor-Aktivitäten stark beschränkt. Für den ehemaligen Leiter des Globalen Influenza-Programms der Weltgesundheitsorganisation (WHO) besteht die Gefahr, ebenso wie für die Gesellschaft für Aerosolforschung in Innenräumen. Stöhr hat in einer gemeinsamen Studie mit der Ludwig-Maximilians-Universität das Ansteckungsrisiko mit Corona für Zuschauer*innen während eines Fußballspiels am Beispiel München untersucht. Im FUSSBALL.DE-Interview erläutert er seine Erkenntnisse. 

FUSSBALL.DE: Herr Stöhr, trotz der vorliegenden Faktenlage steckt der Breitensport weitgehend im Verbotsmodus - wie erklären Sie sich das? Und was sind aus Ihrer Sicht die Folgen?

Klaus Stöhr: Warum sich die Politik dafür entschieden hat, die Aktivitäten draußen soweit zu beschränken, entzieht sich meinem Verständnis. Die Daten für die Outdoor-Sportarten sind relativ klar: Ansteckungen beim Einzelsport oder kontaktarmen Mannschaftssport, wie es auch der Fußball darstellt, sind fast auszuschließen. Das trifft für Kinder, Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen zu. Die Masse der Untersuchungen deutet eindeutig darauf hin, dass Infektionen außerhalb von Räumen zu den absolut unwahrscheinlichen Ereignissen gehören. Einschneidend ist die aktuelle Situation vor allem für die Kinder und Jugendliche.

Inwieweit machen starke Beschränkungen für organisierten Freiluftsport aktuell Sinn?

"Das Risiko, sich bei dem Besuch eines Fußballspiels mit COVID-19 zu infizieren und daran zu sterben, ist vergleichbar mit der Wahrscheinlichkeit eines tödlichen Flugzeugabsturzes"

Stöhr:  Das kann ich nur als einigermaßen informierter Durchschnittsbürger beantworten. Die Datenlage, was mögliche Infektionen im Außenbereich betrifft, ist jedoch relativ eindeutig. Allerdings müssen Kontaktbeschränkungen auch durchgehend und systematisch organisiert werden; es muss schon einheitliche Regeln geben. Das resultiert sicherlich auch manchmal in schwer nachzuvollziehende Einzelsituationen. Allerdings führt eine Zentralisierung der Bekämpfungsmaßnahmen zwangsläufig zu weniger Spielraum für die Gemeinden, Kreise und Städte, wo man auf die lokale Situation angepasste vernünftige Einzellösungen hätte finden können.

Eine Studie der Universität des Saarlandes und der Universität Basel kommt zu dem Ergebnis, dass während des Fußballspielens nur ein geringes Infektionsrisiko herrscht. Wie bewerten Sie die Ansteckungsgefahr auf dem Fußballplatz?

Stöhr:  Solange Disziplin und Vernunft herrschen und die Abstandsregeln bei der Anfahrt und beim Umziehen eingehalten werden, sollte das Fußballspielen auf dem Platz überhaupt kein Risiko darstellen. Alles, was an der frischen Luft stattfindet, hat ein minimales Infektionsrisiko im Vergleich zu allen anderen Gelegenheiten. Das höchste Risiko besteht bei den Ereignissen direkt vor oder nach dem Sport. Da muss man aufpassen.

Sie haben sich erst kürzlich in einem Schreiben direkt an die Regierung gewendet und dringend davon abgeraten, die Sieben-Tages-Inzidenz als alleinige Bemessungsgrundlage heranzuziehen. Warum?

Stöhr:  Das Steuerungsinstrument der Sieben-Tages-Inzidenz ist zwar hilfreich, aber nicht ausreichend, um fokussiert in der Übergangsphase zur Endemie, also dem Ende der Pandemie, reagieren zu können. Zwei Beispiele dazu: Wenn die Impfungen weiter zunehmen und die Personen über 60 geimpft sind und man trotzdem in einem bestimmten Kreis bei Kindern und Jugendlichen asymptomatische Infektionen findet, ist die Krankheitslast in diesem Kreis sehr gering, die Inzidenz könnte aber trotzdem über 100 liegen. Ein anderes Beispiel ist, dass die Inzidenz nur die Anzahl der Infektionen wiedergibt, aber nicht insgesamt die Krankheitslast. Die Krankheitslast kann man besser messen und ohne Zeitverzug mit der Einlieferung in Krankenhäuser und Intensivstationen. Sie hilft auch besser beim internationalen Vergleich. Frankreich hat eine Inzidenz von 340, während über Öffnungsschritte beraten wird. In Deutschland sind wir aktuell bei 168 und wir überlegen, ob wir noch mehr schließen müssen. Die Inzidenz ist zudem fehleranfällig. In Bayern haben das Landesgesundheitsamt und das Robert-Koch-Institut vor Ostern eine Inzidenz gemessen, die sich um 20 Punkte unterschieden hat.

Wie beurteilen Sie die aktuelle Pandemielage und wie schätzen Sie die Situation rund um die Europameisterschaft ein?

Stöhr:  Natürlich sind noch Maßnahmen notwendig. Wir haben noch eine Winterwelle. Ohne Kontaktsperren würden wir explosive Ausbrüche haben. Das Richtige zu tun mit dem falschen Parameter, ist aber auch nicht zielführend. Es gibt wissenschaftliche Bücher für Atemwegserkrankungen. In denen steht alles drin, was bisher auch so eingetroffen ist. Im Sommer wird die Inzidenz bei gleichen Maßnahmen um das Zehn- bis Fünfzehnfache geringer sein als während der Winterwelle. Das war auch schon im letzten Sommer so. Vorausgesetzt, dass die Pandemiemüdigkeit und die Mobilität sich nicht exzessiv erhöhen und diesen Sommereffekt tilgen. Es wird einen dramatischen Abfall der Todesfälle geben, wenn alle über 70 Jahren geimpft sind. Wenn wir die 50-Jährigen geimpft haben, werden 99 Prozent aller Todesfälle verschwunden sein. Es wird dann immer noch Einzelfälle oder Ausbrüche geben. Das sind dann Infektionen oder milde Erkrankungen und keine Krankenhausaufenthalte im großen Umfang notwendig. Das sind dann Infektionen, bei denen man bei anderen Atemwegserkrankungen nicht mal die Druckerpresse anwerfen würde, geschweige denn nationale Restriktionen erlassen.

Der EM-Spielort München wurde kürzlich von der UEFA bestätigt. Sie haben in einer Studie das Ansteckungsrisiko von Besucher*innen eines Fußballspiels am Beispiel München untersucht. Was haben Sie dabei beachtet?

Stöhr:  Die Studie habe ich gemeinsam mit Kolleg*innen der Ludwig-Maximilians-Universität in München durchgeführt. Wir haben uns die verschiedenen Szenarien der Zuschauerauslastung angeschaut. Zusätzlich wurden weitere Parameter berücksichtigt. Zum Beispiel die Testgenauigkeit oder der Immunisierungsgrad in der Bevölkerung. Oder wie hoch die Inzidenz zu dem jeweiligen Zeitpunkt in der Bevölkerung ist. So kommt durch eine relativ komplexe Rechnung eine Modellierung auf bestimmten Grundannahmen zustande. Für alle Einflussfaktoren haben wir Annahmen jeweils für den Best-Case und den Worst-Case berechnet, zum Beispiel bei der Dunkelziffer in der Bevölkerung. Aus der Vielzahl der möglichen Variationen der Einflussfaktoren wurden dann 41 verschiedene Szenarien ausgewählt, um die Realsituation bestmöglich zu simulieren.

Zu welchen Ergebnissen sind Sie gekommen?

Stöhr:  Das Risiko, sich bei dem Besuch eines Fußballspiels am Beispiel München mit COVID-19 zu infizieren und daran zu sterben, ist vergleichbar mit der Wahrscheinlichkeit eines tödlichen Flugzeugabsturzes. In Zahlen bedeutet das ca. 1:3,7 Millionen. In anderen Worten, erst nach ungefähr 350 Fußballspielen würde es bei den als realistisch angenommenen Szenarios wahrscheinlich werden, dass mögliche Infektionen im Fußballstadion zu einem Todesfall führen könnten.

Spiele vor Zuschauer*innen in der Allianz Arena wären aus Ihrer Sicht also im Sommer vertretbar?

Stöhr:  Ja. Dabei nehmen wir an, dass die Impfungen weiter voranschreiten und die Zuschauer*innen, auch wenn sie schon geimpft sind, sich nochmal testen lassen und die Hygienekonzepte mit Abstandsregeln beachtet werden. Dann ist die Wahrscheinlichkeit sich im Stadion zu infizieren und an einem schweren Verlauf zu erkranken, der möglicherweise tödlich endet, niedriger, als dass man vom Blitz getroffen wird. Der zweite wichtige Faktor ist, wie viele Zuschauer*innen teilnehmen. Desto mehr teilnehmen, desto höher ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass man sich infiziert.

Wären Zuschauer*innen bei der EM auch ein Signal für weitere Öffnungsperspektiven in der Kultur, Gastronomie und dem Sport für die Zeit nach der Pandemie? Oder wird dem Fußball hier eine Sonderrolle zugedacht?

Stöhr:  Ich hoffe, dass die Fußballspiele mit Zuschauer*innen ein kleines Stück dazu beitragen, dass die Menschen wieder eine Perspektive sehen und verstehen, dass wir in einer Übergangsphase sind, in der sie optimistisch nach vorne schauen können. Wenn die Modellierung aus dem Fußball für andere Sportarten übertragen werden kann, macht das Sinn. Da muss man sich die Situation immer individuell nach Sportart anschauen. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass man zum Beispiel bei der im Stadion stattfindenden Leichtathletik neue Berechnungen machen müsste.

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