Auf DFB-Campus: Kostenlose Fortbildung für Trainer*innen und Lehrkräfte
Das Wochenende des Amateurfußballs wird am 4. September von der Fortbildung in der Trainingsphilosophie Deutschland und Schule des Kleinfeldfußballs eröffnet.
Mehr lesen
Aktuell technische Probleme bei FUSSBALL.DE.
An der Lösung des Problems wird mit Hochdruck gearbeitet.
Wir bitten um euer Verständnis.
Josué Duverger: "Es war ein Moment, auf den man stolz sein kann."[Foto: Getty Images]
Er spielt in Deutschland fünfte Liga – und stand gleichzeitig mit Haitis Nationalmannschaft auf der größten Bühne des Weltfußballs: Josué Duverger, Torhüter beim Oberligisten Cosmos Koblenz, war bei der Weltmeisterschaft dabei und traf dort auf Gegner wie Brasilien. Im exklusiven FUSSBALL.de-Interview spricht er über Gänsehautmomente, über die Bedeutung des Turniers für ein Land im Ausnahmezustand – und über seinen Alltag im deutschen Amateurfußball. Und natürlich geht es auch um die Frage, die seine Geschichte so außergewöhnlich macht: Wie schafft man es als Fünftligaspieler zur WM?
FUSSBALL.DE: Herr Duverger, wenn Sie heute an die Weltmeisterschaft zurückdenken: Was bleibt bei Ihnen als erstes hängen?
Josué Duverger: Vor allem dieses Gefühl, dass es etwas ganz Besonderes ist. Für mich war es einfach unglaublich. Ich hoffe wirklich, dass viele Fußballer dieses Level irgendwann erreichen – weil es eine Erfahrung ist, die nicht viele machen. Ich empfinde es als ein Privileg, das erlebt zu haben.
Würden Sie sagen, das war bislang die größte Erfahrung Ihrer Karriere?
Duverger: Ja, auf jeden Fall. Viel mehr geht eigentlich nicht. Das war meine beste sportliche Erfahrung bis heute. Auch wenn ich nicht gespielt habe, bin ich stolz darauf, mein Land bei der WM vertreten zu haben.
Die WM war voller Bilder und Momente. Gab es eine Szene, die Ihnen besonders unter die Haut gegangen ist?
Duverger: Ja, definitiv. Als wir vor den drei Vorrundenspielen aufs Feld gegangen sind – und dann kam diese neue Zeremonie. Das war sehr besonders und wertschätzend auch für diejenigen, die nicht zur ersten Elf gehören. Als wir alle zusammen auf dem Rasen unsere Nationalhymne singen durfte, war das ein absoluter Gänsehautmoment.
Sie haben gegen Brasilien, Schottland und Marokko gespielt – also gegen Teams, die auf höchstem Niveau zu Hause sind. Wie haben Sie diese Spiele erlebt?
Duverger: Es waren schwierige Spiele, weil wir ja alle wissen, wie stark diese Mannschaften sind – taktisch und technisch. Aber genau deshalb war es auch so wichtig, dass wir diese Erfahrung gemacht haben. Das gibt uns für die kommenden Aufgaben Selbstvertrauen. Es hat uns Hoffnung gegeben – und es war eine großartige Erfahrung, gegen solche Weltklasse-Teams zu spielen. Wir haben keinen Punkt geholt. Aber wir haben trotzdem Werbung für den Fußball in Haiti gemacht.
Brasilien ist einer der größten Namen im Weltfußball. Wie war es, diesem Team gegenüberzustehen?
Duverger: Es war unglaublich. Plötzlich stehen diese Stars vor dir. Das sind Spieler, die man sonst nur aus dem Fernsehen kennt. In echt ist das etwas ganz anderes. Das war wirklich beeindruckend.
Hatten Sie danach die Möglichkeit, sich mit den Brasilianern auszutauschen?
Duverger: Ja, ich konnte mit Alisson Becker sprechen, dem brasilianischen Nationaltorwart. Wir haben unsere Trikots getauscht. Ich habe den Eindruck, dass er ein cooler Typ ist, sehr bodenständig.
Was machen Sie mit diesem Trikot?
Duverger: Ich sammle schon lange Trikots. Ich werde es bei mir im Zimmer an die Wand hängen. Ich habe viele Trikots – und das ist definitiv eines, das einen besonderen Platz bekommt.
"Wir wollten dem Land Freude geben, weil wir wissen, dass die Situation gerade nicht einfach ist"
Haiti ist ein Land, das seit Jahren mit großen Problemen kämpft. Welche Bedeutung hatte es für Sie und für das Land, bei einer WM dabei zu sein?
Duverger: Es war ein Moment, auf den man stolz sein kann. Wir wollten dem Land Freude geben, weil wir wissen, dass die Situation gerade nicht einfach ist. Haiti bei dieser Weltmeisterschaft zu repräsentieren und den Menschen zu Hause ein Lächeln zu schenken – Kindern, älteren Menschen, wirklich allen – das war einfach großartig.
War es für Sie eher ein Traum, der plötzlich wahr geworden ist – oder ein Ziel, an das Sie schon lange geglaubt haben?
Duverger: Es war ein Ziel. Wir wollten uns für die WM qualifizieren. Aber bevor man ein Ziel erreichen kann, muss man erst davon träumen. Wir haben davon geträumt. Und dann haben wir es in die Realität umgesetzt.
"Es war wunderschön, zurück ins Land zu kommen, bei den Menschen zu sein und ihnen Freude zu bringen"
Hatten Sie bereits Zeit, das alles zu verarbeiten?
Duverger: Ja. Ich war danach in Haiti, zehn Tage lang. Es war wunderschön, zurück ins Land zu kommen, bei den Menschen zu sein und ihnen Freude zu bringen. Das war nach der WM ein sehr, sehr besonderer Moment.
Konnten die Menschen in Haiti die Spiele überhaupt verfolgen?
Duverger: Ja. Die Leute haben sich vor großen Leinwänden getroffen und zusammen die Spiele geschaut. Und weil Haiti und die USA nur ungefähr eine Stunde Zeitunterschied haben, konnten viele die Spiele auch live sehen. Die Leute waren stolz. Auch wenn wir nicht gewonnen haben: allein dabei zu sein, war sehr wichtig. Und jetzt kommen neue Spiele – jetzt sehen die Menschen, dass wir zu noch mehr fähig sind. Sie erwarten das auch von uns.
Haben Sie auch das Finale gesehen? Spanien ist Weltmeister geworden. Ihr Eindruck?
Duverger: Spanien hat es verdient. Sie hatten eine überragende Form, defensiv waren sie unglaublich. Sie haben nur ein Gegentor in acht Spielen kassiert. Das ist stark. Sie haben dieses Turnier verdient gewonnen.
Ihr Alltag in Deutschland ist Cosmos Koblenz und die fünfte Liga. Auch in der neuen Saison?
Duverger: Ich stehe noch unter Vertrag, also erfülle ich meinen Vertrag, wenn es die Verantwortlichen möchten. Es kann aber auch passieren, dass sich eine andere Möglichkeit ergibt. Wir müssen schauen, was passiert. Ich weiß es zum jetzigen Zeitpunkt selbst nicht. Ich kann die Zukunft nicht vorhersagen.
Wie haben Sie Ihre Zeit in Koblenz erlebt?
Duverger: Sehr gut. Koblenz ist ruhig und entspannt. Ich hatte nie Probleme mit irgendjemandem. Ich bin sehr auf Fußball fokussiert, also gibt es auch keine Ablenkungen. Die Leute in Koblenz und meine Teamkollegen waren super – alles war okay.
Und sportlich: Wie würden Sie die fünfte Liga in Deutschland beschreiben?
Duverger: Es war gut, wirklich gut. Meine Mitspieler hatten viel Qualität. Der deutsche Fußball ist sehr intensiv. Auch auf diesem Niveau. Und das ist gut, weil man, wenn man in verschiedenen Ländern spielt, sich an unterschiedliche Spielweisen gewöhnt. In der fünften Liga in Deutschland wird sehr körperlich gearbeitet. Das liegt mir.
Ihre Geschichte ist außergewöhnlich: fünfte Liga in Deutschland – und gleichzeitig Weltmeisterschaft mit Haiti. Viele würden sagen, dass das fast unmöglich ist. Wie haben Sie das geschafft?
Duverger: Wenn man es so betrachtet, wirkt es fast unmöglich. Aber für mich ist klar: Alles ist möglich, wenn man an Gott glaubt. Wenn man glaubt, kann Gott einen Weg für einen schaffen – auch wenn man in der fünften Liga spielt. So war es bei mir. Wir waren eigentlich nicht „dafür vorgesehen“, dort zu sein – aber Gott hat einen Weg gemacht. Und ich habe auch dafür gearbeitet. Alles ist möglich.
Lieber Fußballfreund,
du möchtest gern einen Beitrag, z.B. Musik, Fotos, Videos, Daten oder einen Zeitungsartikel (nachfolgend „Inhalte“) hochladen? Wir möchten dich an dieser Stelle gern nochmal daran erinnern, dass die Verantwortung für die von dir hochgeladenen Inhalte bei dir liegt. Bitte vergewissere dich also zunächst, ob die Inhalte unseren Vorgaben entsprechen (siehe die ausführlichen Bestimmungen unter „Community-Spielregeln“) und insbesondere ob du über die entsprechenden Nutzungsrechte an den Inhalten verfügst. Diese liegen in der Regel bei Dritten und nicht bei dir, wenn du Inhalte aus dem Internet (z.B. Fotos bekannter Personen, Videos oder Zeitungsartikel) kopierst und hochlädst.
Bitte beachte: Wenn du die Nutzungsrechte an den Inhalten nicht berücksichtigst, kann es zu kostspieligen Abmahnungen und weiteren Forderungen gegen dich kommen. Sofern wir hiermit direkt konfrontiert werden, sind wir berechtigt, deine Daten zum Zwecke der Rechtsverfolgung herauszugeben und mögliche Forderungen an dich weiter zu berechnen.