Neu-Schalkerin Julia Debitzki: "Als Vorbild vorangehen"
Die Ex-Bundesligaspielerin Julia Debitzki läuft ab sofort für Schalke 04 auf. Im FUSSBALL.DE-Interview spricht die 35-Jährige über ihren Wechsel in die 3. Liga.
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Wilhelm Boland (r.): "Ich merke bei Sean, dass heute vieles besser ist."[Foto: privat]
Wie der Opa, so der Enkel: Sean Tebroke tritt in die Fußstapfen seines Großvaters Wilhelm Boland. Der 70-Jährige war Schiedsrichter im Amateurfußball - und der 15 Jahre alte Sean startet dort gerade seine eigene Karriere. Warum wird ein junger Mensch Schiedsrichter? Was treibt ihn an? Und welche Rolle spielt dabei sein Großvater, der einst mit 14 Jahren Deutschlands jüngster Schiedsrichter war? FUSSBALL.DE hat die beiden zum Generationen-Gespräch über die Schiedsrichterei zusammengebracht.
Sean Tebroke ist gerade erst aus der Schule gekommen. Mathe, Deutsch, Englisch - das übliche Programm. Was sein muss, das muss sein. Doch in wenigen Tagen, am kommenden Wochenende, rückt die Schule kurz in den Hintergrund. Dann steht Tebroke wieder als Schiedsrichter auf dem Platz. Und das macht ihm derzeit besonders viel Spaß: Spiele leiten, darauf achten, dass die Regeln eingehalten werden - und nebenbei etwas Taschengeld verdienen. Tebroke ist Nachwuchsschiedsrichter im Fußballverband Niederrhein. Sein Heimatverein ist der SC TuB Mussum 1926.
Seit dem Sommer 2021 engagiert sich Tebroke als Schiedsrichter. Er leitet Begegnungen in der D- und C-Jugend bis hin zur Leistungsklasse. "Bisher macht es mir sehr viel Spaß, ich habe eigentlich nur gute Erfahrungen gemacht", sagt er. "Natürlich kenne ich auch die Fälle, in denen Schiedsrichter nicht respektvoll behandelt wurden. Bei mir war das bislang zum Glück noch nie so. Die Schiedsrichterei hat mich auch als Persönlichkeit weitergebracht - ich bin viel selbstbewusster und offener geworden." Früher etwa habe er nie gerne ein Referat vor der Klasse gehalten. Heute ist das für ihn kein Problem mehr.
Auch Wilhelm Boland ist beim Gespräch dabei - und das aus gutem Grund. Der 70-Jährige ist Seans Großvater und war selbst einmal als Schiedsrichter aktiv. Das ist über 50 Jahre her. Boland war gerade 14 Jahre alt geworden - und damit nach offiziellen Angaben der damals jüngste Schiedsrichter ganz Deutschlands. "Das war für mich überhaupt keine große Sache", sagt Boland. "Ich war kein guter Fußballer, wollte aber trotzdem Teil des Spiels sein. Also bin ich Schiedsrichter geworden."
Doch Boland hat auch die Schattenseiten der Tätigkeit kennengelernt. "Ich merke bei Sean, dass heute vieles besser ist", sagt er. "Als ich damals Schiedsrichter war, stand ich völlig allein da. Niemand hat mich unterstützt oder begleitet. Ich habe schnell gemerkt, dass das nicht meine Welt ist, und nach einem Jahr aufgehört." Sein Enkel hat einen deutlich besseren Start erlebt: "Ich hatte in meinen ersten drei Spielen einen erfahrenen Paten an meiner Seite", so Sean. "Das war sehr wichtig für mich. Bei meinem Opa gab es das leider noch nicht. Ich halte diese Maßnahme für sehr sinnvoll."
"Ich hatte in meinen ersten drei Spielen einen erfahrenen Paten an meiner Seite - bei meinem Opa gab es das leider noch nicht"
Als Tebroke mit der Schiedsrichterei begann, wusste er noch gar nicht, dass sein Großvater diese Tätigkeit 50 Jahre zuvor ebenfalls ausgeübt hatte. "Er hat es mir erst später erzählt", sagt der 15-Jährige. "Seitdem sprechen wir immer wieder darüber. Wenn es möglich ist, schaut er sich auch meine Spiele an." Boland erzählt schmunzelnd von seiner eigenen Zeit als Schiedsrichter: "Ich wollte eigentlich Fußball spielen,aber ich hatte kein Talent und war schlicht zu schlecht. Also bin ich Schiedsrichter geworden. Damals war noch eine völlig andere Zeit. Ich bin zum Beispiel immer mit dem Fahrrad zu den Spielen gefahren, die ich leiten musste."
Was Tebroke heute auszeichnet, ist nicht nur seine Leidenschaft für die Schiedsrichterei, sondern auch sein Bewusstsein für die Verantwortung, die diese Rolle mit sich bringt. Als Schiedsrichter ist man nicht einfach nur ein Regelwächter - man ist auch eine Respektsperson, eine Autorität auf dem Platz, die in Sekundenbruchteilen Entscheidungen treffen muss, die den Verlauf eines Spiels beeinflussen können. Für einen 15-Jährigen ist das keine Selbstverständlichkeit. Doch Tebroke nimmt diese Herausforderung an.
Dass er sich dabei auf den Austausch mit seinem Großvater stützen kann, ist für ihn ein wertvoller Vorteil. Wo andere Nachwuchsschiedsrichter vielleicht niemanden haben, der ihre Erfahrungen wirklich nachvollziehen kann, hat Tebroke jemanden in der Familie, der genau weiß, wie es sich anfühlt, auf dem Platz zu stehen und Verantwortung zu tragen. Diese besondere Verbindung über Generationen hinweg macht das Duo Tebroke/Boland zu einem eindrucksvollen Beispiel dafür, wie Sport Familien über Jahrzehnte verbinden kann - trotz aller Veränderungen, die der Amateurfußball in dieser Zeit erlebt hat.
Am Ende des Gesprächs steht eine klare Erkenntnis: Der Fußball - und insbesondere die Schiedsrichterei - hat beide geprägt, jeden auf seine eigene Art und in seiner eigenen Zeit. Während Boland damals nach einem Jahr aufhörte und die Schattenseiten einer weniger strukturierten Ausbildung am eigenen Leib erfahren musste, profitiert sein Enkel heute von einem modernen System, das Nachwuchsschiedsrichter konsequent begleitet, fördert und schützt. Und doch verbindet beide mehr, als sie vielleicht zunächst gedacht hätten: der Wunsch, Teil des Spiels zu sein, die Freude daran, auf dem Platz Verantwortung zu übernehmen. Und die Liebe zum Fußball, die in dieser Familie offensichtlich von Generation zu Generation weitergegeben wird.
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