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Selten war Kapitän Koneczny so aufgeregt wie vor diesem Wochenende. Es ist zwar schon häufiger vorgekommen, dass es für ihn einige Tage in Folge wenig Schlaf gab, aber selten hatte dies sportliche Gründe. Nun war es aber soweit: Ganz Freiburg in Berlin für das Pokalfinale gegen die Büchsen und mit dem SFC den Aufstieg klarmachen - Die Mission für das Wochenende war eindeutig.
Bevor das Wochenende starten konnte, gab es am Freitag aber erstmal Nachrichten, die sich wie Schockwellen in Friedrichshain ausbreiteten.
Das Bezirksamt hatte den Trainingsplatz wegen Unwetterwarnungen gesperrt und wie wir im Nachhinein wissen, es war absolut berechtigt dies bereits für die Zeit zwischen 18.30 und 20.00 Uhr zu machen, schließlich zog ein verherrendes Mollengewitter über Friedrichshain mit einem Epizentrum, das sich zuerst am Krügers und später am Happy Pig, nicht weit entfernt von unserer Fußballarena, befand. Das hätte ins Auge gehen können und glücklicherweise hat uns das Bezirksamt vor einer unverantwortlichen Trainingseinheit bewahrt. Als wäre dieser Schocker nicht genug gewesen, erhielten wir auch noch schlechte Nachrichten vom Mitarbeiter des Monats der Wasserwerke, Fabian Götze. Leider hatte er seinen 10-Liter-Kanister für die Turbine verlegt, die erhoffte Aufstiegsturbine war in großer Gefahr und Turbinenexperte Maiky drohte bereits mit nicht zu unterschätzenden Konsequenzen. Glücklicherweise konnte die Situation aber gerettet werden. Und da Götzis Lebensmotto "Think Big" ist, zauberte er einfach einen größeren Kanister hervor, in dem Platz für 20 Liter Turbine sein würde. Beste Leben!
Der Freitag zehrte also an unseren Nerven und bei manchen eventuell auch an der Leber (da dann aber eher eine Leberzerrung!?), aber trotzdem ließen wir uns nicht beirren, packten unseren Kader für Samstag so richtig voll und gingen den Tag mit riesiger Vorfreude an, schließlich stand einiges auf dem Plan. Zum Start glückte direkt mal die Überraschung für unseren Lieblingswirt Paul, der ab sofort auch offiziell in den Paulrahnergarten einladen kann. Mit reichlich Bier und der besten Stadionwurst deutschlandweit konnte er auch direkt bestätigen, dass dieser Name mit Recht vergeben wurde. Bei den ganzen durstigen und gierigen Mäulern, die es Samstag zu stopfen galt, war das gar nicht so einfach. Neben all unseren verletzten Spielern, die am Spielfeldrand erschienen, kam schließlich auch noch eine über 50 Personen große Meute an Freiburg-Fans, die sich auf unserer schönen Anlage für das große Finale am Samstagabend einstimmten. Die Stimmung war fantastisch und der Dank gilt an dieser Stelle Alex, der es geschafft hat, einen solch riesigen Trupp auf unseren Sportplatz zu bewegen.
Nun lag es an uns unter der Last dieses Supports und unter unseren eigenen Erwartungen an diesem Samstag den Aufstieg klarmachen zu wollen, nicht zusammenzubrechen. Nach sechs Wochen ohne Spiel war es ja so schon etwas aufregend mal wieder den heiligen Rasen zu betreten, aber dann noch mit diesen prall gefüllten Zuschauerrängen? Wow! Laut unbestätigter, übertriebener Gerüchte waren da mindestens 7000 Leute am Platz versammelt. So war der Einstieg in das Spiel dann auch gar nicht so einfach. Wir waren früh um Kontrolle bemüht, wollten den Ball durch die eigenen Reihen laufen lassen, um dann über unser Kurzpassspiel Chancen zu kreiieren. Leider zeigte sich früh, dass wir doch etwas Rost angesetzt hatten. Immer wieder einige Stockfehler, schlampige Pässe in riskanten Zonen sowie mangelnde Kommunikation machten uns das Leben schwerer als gewünscht. Zwar war Rixdorf zumeist harmlos, aber ein dominanter Auftritt eines kommenden Meisters war das vor allem in der ersten halben Stunde nicht. Immerhin schafften wir es mit zunehmender Zeit mögliche Angriffe des Gegners immer früher zu unterbinden, so dass wir Rixdorf bis auf wenige Ausnahmen recht weit von unserem Tor fern halten konnten. Gleichzeitig wurden unsere Angriffsbemühungen etwas besser und nach einer halben Stunde endete eine Kombination über Henrik, Tony und Geburtstagskind Micha dann auch im Tor der Rixdorfer. Tony konnte nach Pass von Henrik seine Schnelligkeit über rechtsaußen ausspielen und seine klasse Flanke konnte Micha mit dem ersten Kontakt verwerten.
Der Führungstreffer gab etwas Sicherheit und in den folgenden Minuten störten wir Rixdorf früher, gewannen einige Bälle im Gegenpressing, wobei aus den Chancen vorerst keine weiteren Tore entstanden. Kurz vor der Halbzeit hatte Rixdorf dann nochmal durch 2-3 Standards Möglichkeiten, wobei schlussendlich keine Gefahr für unser Tor entstand. Trotzdem war mit dem Halbzeitpfiff relativ klar, das war von unserer Seite aus noch viel zu wenig. Einige Wochen Pause hin oder her, aber da hatten sich die Zuschauer und vor allem das Trainerteam zurecht mehr von uns erhofft. Ein kommender Meister sollte solch ein Spiel mehr dominieren. Die Marschroute für die zweite Hälfte war daher klar: Fokus hochfahren, mehr miteinander kommunizieren und spielerisch mehr als eine Schippe drauflegen, um das Spiel nicht nur zu gewinnen, sondern auch mit einem guten Gefühl die anschließende Feier zu begehen.
Leider mussten uns die Freiburger Fans mit Start der zweiten Hälfte verlassen. Vielleicht auch ein gutes Omen, schließlich waren sie wie die Rixdorfer in Rot gekleidet und unser Gegner war vom Start weg hell auf begeistert über den Support in ihren eigenen Farben. Der Support in Hälfte zwei reduzierte sich also auf unsere einheimischen Fans sowie Götzis persönlichen Edelfan Steve, der dann vor dem Start der zweiten Hälfte mit einer kleinen Raucheinlage, nein er hat nicht im Stile von Jan Ullrich eine ganze Schachtel Kippen gleichzeitig geraucht, für etwas Stimmung sorgte. Vor allem sein lautstarker Schlachtruf "Warum ist der Sechser so hässlich?" führte zu Irritationen, denn die Rixdorfer mussten sich erstmal vergewissern ob deren oder unser Sechser gemeint ist. Nach kurzer Rücksprache war klar, natürlich war Götzi gemeint und aufmerksame Zuseher waren sich auch einig, dass bei Rixdorf niemand die Sechs trug. Keine Sorge, wir beleidigen uns immer nur untereinander.
Mit Beginn der zweiten Hälfte, wahrscheinlich dank des Schlachtrufs und nicht aufgrund der Halbzeitansprache, ging dann auch ein Ruck durch die Mannschaft. Unser Ballbesitzspiel wurde dominanter, Rixdorf kam kaum noch aus der eigenen Hälfte und alle Angriffsversuche wurden direkt im Keim erstickt. Das einzige, was sehr lange fehlte, war dann das erlösende Tor zum 2:0 und im Fußball gibt es ja nicht umsonst das Sprichtwort mit den Dingern, die man vorne nicht macht und dafür hinten bekommt. Dieser Chancenwucher trieb den ganzen Sportplatz zur Verzweiflung. Unsere langjährige Vereinsikone Pippo, aktuell mit einem Schienbeinkopfbruch verletzt, schrie sich draußen so heiser, dass er sich direkt den nächsten Bruch zuzog. Jetzt hat der Arme auch noch einen Stimmenbruch. Gute Besserung an der Stelle.
So kam es, wie es kommen musste. Nein, wir bekamen nicht das 1:1. Das andere Sprichwort bei uns besagt nämlich "Am Ende muss das halt der Vati regeln". Mannschaftsvati Kahe, gerade erst nach Erkrankung genesen, wurde ins Spiel gejokert und erzielte wenige Minuten nach seiner Einwechslung das 2:0. Vorentscheidung. Dass er danach dann absolut keine Lust mehr auf Tore schießen hatte und weitere Treffer vehement verweigerte, lassen wir mal außer Acht. Auf jeden Fall war mit diesem Tor dann auch der Willen der Rixdorfer gebrochen. Kurzerhand entschieden sie sich dazu, das restliche Spiel im Tippkickformat abzuhalten, Bewegung war da nicht mehr viel. Sah irgendwie mitunter etwas komisch aus. Aber man muss fairerweise auch sagen, davor war ihr Spiel über 70 Minuten recht laufintensiv, so dass sie dem am Ende Tribut zollen mussten. Wir nutzten die eingestellte Gegenwehr dann auch für weitere Tore durch Alexis, Henrik, Gigi und nochmal Henrik, wobei das 6:0 niemand auf und neben dem Platz gesehen hat. Nicht mal der Torschütze selbst konnte nach dem Spiel berichten, wie das Tor gefallen ist: "Keine Ahnung, hab ich gar nicht mitbekommen, dass ich da getroffen habe.", war seine Aussage. Wer kann, der kann. Hervorzuheben ist, dass Alexis, der nach langer Verletzungspause erst sein drittes Spiel machte, auch traf. Am Ende wären alleine in Halbzeit zwei noch viel mehr Treffer drin gewesen, aber im Nachgang ist es auch müßig darüber zu fachsimpeln, wie das Spiel hätte ausgehen können, wenn man früher das 2:0 erzielt hätte. Fakt ist, die Leistungssteigerung in der zweiten Hälfte besorgte uns den gewünschten souveränen Sieg und somit nicht nur den Aufstieg sondern bei 6 Punkten und 30 Toren Vorsprung bei noch zwei Spielen, auch mit großer Sicherheit den Meistertitel. Wir haben extra nochmal unseren Mathematik- und Physik-Kreisel bestehend aus den Doktoren und Professoren um Consti, Henrik und Maiky gefragt und alle haben nach unabhängigen Rechnungen auf viel zu großen Flipcharts bestätigt, dass das Ding mit einer Wahrscheinlichkeit von 99,99 % durch ist. Die restlichen 0,01 % lassen wir offen, damit wir nach dem nächsten Sieg einfach nochmal was zu feiern haben, denn schließlich feiern wir gerne und ausgiebig.
Das hat sich übrigens auch nach dem Spiel am Samstag mehr als zügig gezeigt. Mit dem Abpfiff startete auf dem Platz eine kleine Eskalationsrunde, die Trainer rochen nach Sekt- und Bierduschen dann doch relativ schnell so ähnlich wie der eine Typ, der häufiger am Hackeschen Markt in die Bahn einsteigt und der Spitzenreiter-Kreis wurde auch etwas länger zelebriert inklusive Biergenuss wahlweise aus Glasstiefeln oder aus der Super Soaker von Ritzer. Wichtige Erkenntnis davon: Bier gemischt mit Sekt ist dann eher nicht so lecker. Die Feierlichkeiten verlagerten wir dann schnell neben den Platz, da nach uns noch die Vierte spielte (und mehr als souverän gewann). Der Rest des Tages war dann mehr als standesgemäß. Geburtstagsständchen für Micha inklusive und auch die Turbinen wurden endlich angeschmissen. Arbeitsnachweis hier: 9 Flaschen Goldkrone mit Krümeltee Zitrone sowie später auch Pfirsich. Und am Sonntag reichlich Kopfschmerzen dank dieser süßen Naturgewalt. Lecker, lecker!
Eigentlich gebühren es Anstand und Respekt, dass man solch einen Text dann auch mit dem Arbeitsnachweis zur Turbine abschließt, aber tatsächlich gab es noch eine Sache, die viel mehr als eine Randnotiz ist: Endlich konnte Ritzer uns mal zeigen, weshalb er diese Saison so häufig verletzt ausgefallen ist. Der Wurm, der sonst nur Montag, Freitag, Samstag oder an anderen Wochentagen, an denen Soda oder Kantine auf haben, ausgepackt wird, feierte Saisonpremiere bei uns auf dem Vereinsgelände und wir müssen sagen, Chapeau! Mit diesem Move kann man wirklich jede Verletzung entschuldigen. Schade nur, dass es beim Pokalfinale nicht mehr für den angekündigten Flitzer inklusive Olympiawurm gereicht hat. Aber wahrscheinlich wäre bereits am Graben vor der Laufbahn Schluss gewesen. Bemerkenswert genug, dass Ritzer, Alex und Laif es überhaupt noch zum Finale geschafft haben. Uber sei Dank! Schade natürlich, dass sich der zweite Traum von Capitano Alex an diesem Abend nicht verwirklichte, aber wir hoffen, der Aufstieg mit dem SFC tröstet über die Niederlage des SCF etwas hinweg.
Als Mannschaftskapitän ist der Beitrag zu diesem Erfolg nicht gerade unwesentlich und dafür gilt dir ein großer Dank. Natürlich auch ein riesiger Dank an die restlichen Verantwortlichen aus dem Trainer- und Betreuerteam, aus dem Mannschaftsrat sowie an das restliche Team. Solche Erfolge feiert man nur als Einheit und die konnten wir in dieser Saison bilden. Sieg und Aufstieg SFC!