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Spielbericht | 22.08.2022

Drei mal ist Friedrichshainer Recht!

Zum Spiel

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Nachdem der Saisonauftakt mit zwei Niederlagen gründlich misslang, war die Marschrichtung klar. Zum Ende der englischen Woche mussten im Spitzenspiel von unten drei Punkte her, damit zumindest das Sonntagsbierchen schmeckt. Welches Drehbuch dieses Spiel dann für uns bereit hielt, hätten die alten Griechen nicht besser auf ihre antiken Steintafeln meißeln können.

Schnelle Spieler brauchen wahnsinnig schnelle Brillen! Daher wollten wir, wie vereinbart, den neuen Dresscode für Auswärtsspiele berücksichtigen und einheitlich mit unseren ehrenlos schnellen Brillen den Gegner bereits vor dem Spiel reichlich verunsichern. Leider war die Scham dann scheinbar doch zu groß, niemand trug die Auswärtsbrille. Vielleicht war es auch nur ein solidarischer Akt mit "Thüringens Own" Fabi Götze, denn leider gab es die Brillen nur ohne Dioptrin, so dass es für ihn abenteuerlich geworden wäre die Brille zu tragen. Den Abenteuerkick wollte er sich vor dem Spiel stattdessen mit einer Busfahrt von Friedrichshain an die Sonnenallee holen, aber das lehnte Rückkehrer Micha Albrecht eiskalt ab. Nach vier Wochen High Society auf Sylt war eine Bustour nach Neukölln für ihn dann doch ein Sprung ins zu kalte Wasser. Bei Chappi im Bus waren zum Glück noch ein paar Plätze frei und so wurden doch wieder alle mit dem Bus geholt. Der Klassiker.

Die Stimmung war jedenfalls gut, sogar das Trainerteam war trotz zweier Niederlagen zum Auftakt wieder zu Witzen aufgelegt. Die Moral in den Spielen stimmte, darauf konnte man aufbauen. Wichtig war es nun einerseits die Konzentrationsfehler in der Defensivarbeit sowie im Spielaufbau abzustellen sowie die Treffsicherheit vor dem gegnerischen Tor zu erhöhen. Einfach mal früh in Führung gehen, Selbstvertrauen tanken, schnell 2-3 Tore nachlegen, vor der Halbzeit noch das 5. bis 7. machen und dann in der zweiten Halbzeit entspannt ohne Druck auf ein zweistelliges Ergebnis ausbauen während draußen schon das Bier kaltgestellt wird. Klingt in der Theorie super einfach und leider muss man sagen, dass die Praxis häufig bedeutend mehr Stolpersteine zu bieten hat - Zum Beispiel, dass da in den meisten Fällen auch noch ein Gegner auf dem Platz steht und diese sind in der Kreisliga B bedeutend unangenehmer als in der Kreisliga C. Das haben die ersten Spiele schon gezeigt und während die Spakis seit jeher ein eingespielter Haufen sind, der auch in der B-Liga zu den Favoriten gehört, war Prenzl Berg am vergangenen Dienstag sicherlich fußballerisch und kämpferisch nicht besser als wir, aber sie waren abgezockter. Taktische Fouls zur richtigen Zeit, immer mal wieder ein paar versteckte Provokationen und eine starke Chancenverwertung. Steht auch so in der Gebrauchsanleitung der Kreisliga B, die Ralli zum Glück gestern in unserem Turnbeutel gefunden hat. Hätten wir mal früher wissen sollen. Aber jut, was solls!?

Bevor das Spiel dann losgehen konnte, mussten wir uns auf dem neuen Kunstrasenplatz des Rixdorfer SV, auf den unser Gegner, Sperber Neukölln II ausweichen musste, erstmal unsere Ecke zum Aufwärmen erkämpfen. Da war ordentlich Betrieb diverser Freizeitkicker und Kinder, wir wären vor unserem Spiel fast noch in ein weiteres Match geraten, um uns überhaupt aufwärmen zu dürfen. Survival of the fittest. Der Grund weshalb wir nicht auf dem Jubiläumssportplatz antreten konnten, war dafür recht einfach. Die Dritte von Sperber lud, natürlich inklusive Köftestand, zum Volksfest gegen Delay Sports ein. Da muss die Zweite halt weichen. Unnötig zu erwähnen, dass Kevin Pannewitz direkt den ganzen Köftestand samt Besitzer aufgegessen hat. Lecker! Aber zurück an die Sonnenallee zu unserem Kick.

Das Spiel begann ähnlich verheißungsvoll wie unser Auftritt gegen Rotation Prenzlauer Berg am Dienstag. Wir machten direkt Druck, pressten hoch und wollten keinen Zweifel aufkommen lassen, wer den Platz hier als Sieger verlassen wird. Während es am Dienstag ein Abseitstor von Timo in der 1. Minute war, das uns fälschlicherweise aberkannt wurde, war es diesmal eine Doppelchance von Gigi und Alexis kurz nach dem Anpfiff. Alexis setzte Luigigi hier super in Szene, der schloss direkt ab, der Torwart ließ prallen und Alexis konnte den Ball dann nicht mehr entscheidend drücken. Auch danach blieben wir am Drücker und erspielten uns weitere Chancen. So war es erneut Alexis, der nach einer schönen Kombination die Chance hatte, frei vor dem Tor allerdings leider im gegnerischen Keeper seinen Meister fand. Kurz darauf erst Aaron rechts vorbei, dann wieder Alexis knapp links vorbei. In der nächsten Situation macht Alexis es dann besser, schiebt links unten ein, aber leider entscheidet der gut pfeifende Schiedsrichter auf Abseits. Dann wollte sich auch Olli mal probieren, schiebt aber aus aussichtsreicher Position einen Ball rechts am Tor vorbei und auch Alexis hatte noch einmal schöne Chancen aus dem Halbfeld. Chancenwucher! Drei Chancen zum Preis von einer! Chancenschlussverkauf.

Leider trat dann aber wieder der Klassiker der Fußballweisheiten ein. Wer sie vorne nicht macht, der kriegt sie hinten. Und so traf Sperber mit der ersten gefährlichen Aktion zur Führung. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte die Heimmannschaft keinen wirklich geregelten Spielaufbau und wurde nur über Konter und lange Bälle gefährlich. Eben solch eine Mischung verhalf zur Führung. Ein langer Ball wurde unsererseits nicht vehement genug verteidigt und dann in die Mitte auf 16er Höhe abgelegt. Von dort schob ein Sperber-Kicker überlegt zur Führung ein. Unnötig! In der Folgezeit waren wir dann etwas von der Rolle und es schlichen sich Unkonzentriertheiten ein, so dass Sperber nun häufiger vor unser Tor kam, aber wirkliche Gefahr strahlte unser Gegner dabei auch eher selten aus. Eine Situation wird im Strafraum in höchster Not geklärt und in der Folge schiebt ein Sperber-Stürmer links am Tor vorbei. Der große Druck und die Kontrolle unsererseits war aber erloschen, zumeist war es nun eher Mittelfeldgeplänkel. Rechtzeitig vor der Halbzeit bekamen wir dann wieder etwas mehr Zugriff auf das Spiel, belohnen konnten wir uns allerdings noch nicht.

Nichtsdestotrotz gingen wir mit dem Gefühl in die Halbzeit, hier und heute unsere ersten Punkte in der Kreisliga B mitnehmen zu können. Wir waren stärker als der Gegner und der Rückstand lag nicht am Gegner sondern viel mehr an uns selber. Also Brust raus und das Spiel in der zweiten Hälfte umdrehen. Leider gab es aber bereits kurz nach Wiederanpfiff den nächsten Nackenschlag. Nach einem Ballverlust in der gegnerischen Bälle murmelt sich Sperber auf ihrer rechten Seite irgendwie nach vorne, der Schuss im Sechzehner wird abgefälscht und somit undhaltbar für Dennis. Super bitter!

Glücklicherweise kommt direkt mit dem Wiederanpfiff das Signal, das wir gebraucht haben. Götzi konnte direkt Aaron langschicken, der sich links im Strafraum durchsetzt und auf Höhe der Grundlinie zu Fall gebracht wird. Keine Diskussion, der Schiedsrichter pfiff direkt Elfmeter. Nachdem Alexis in der 1. Hälfte bereits fleißig üben konnte, nahm er sich der Sache an und verwandelte per scharfem Michael Ballack-Gedächtniselfer ins linke Eck. Anschlusstreffer und von jetzt an war die Marschrichtung klar. Wir wollten nun auf den Ausgleich gehen, haben aber in den Folgeminuten erstmal Glück, dass Sperber nicht den dritten Treffer erzielt. Zuerst platzierte ein Neuköllner Kneipenbesitzer seinen Novoline-Automaten bei uns im Strafraum, um alle Beteiligten etwas Flipper spielen zu lassen - Zum Glück ohne Torerfolg. Im Anschluss wird ein Schuss von Sperber zum brandgefährlichen Flachpass, den ein weiterer Sperber-Kicker rechts kurz vor dem Tor glücklicherweise nicht voll erwischt. Das waren dann aber auch die letzten großen Offensivaktionen der Gastgeber. Danach spielten nur noch wir.

In der Folgezeit konnten wir Sperber durch ein gutes Offensivpressing der gesamten Mannschaft immer wieder früh die Bälle abnehmen und in der eigenen Hälfte einschnüren. In vorderster Sturmreihe gab Alexis dann das Zepter an Gigi ab, was das Berühmtschießen der gegnerischen Abwehr anging, so dass Gigi einen gegnerischen Spieler auf der Linie erwischte. Weitere Angriffe über unsere rechte Seite fanden leider auch noch nicht ihr Ziel. Abhilfe verschaffte dann erst eine Ecke. Rückkehrer Micha Albrecht, der in der zweiten Hälfte auf der Acht eine wichtige Rolle spielte, schlug eine Ecke perfekt auf den Kopf von Chappitano Chappi, dem zweiten Rückkehrer. Die Art und Weise wie sich unser Kapitän hier in den Ball schmiss war Beweis genug für den Willen dieses Spiel noch umzubiegen. Ulf Kirsten wäre stolz gewesen und wahrscheinlich hat im Moment des Kopfballes sogar seine eigene Stirn kurz gezuckt. Nach dem 2:2 in der 80 Minute waren wir aber längst nicht zufrieden. Sperber war stehend KO und wir spürten, dass hier auch der Dreier noch drin ist. So rannten wir weiterhin an, immer mit Rücksichtnahme auf eine vernünftige Restverteidigung. Aus dem Abwehrverbund schoss aber vor allem Chappi immer wieder im Stile von Lucio nach vorne. Fast wurde dies auch belohnt, nachdem Micha in der gegnerischen Hälfte gut presste, den Ball gewann und dann rechts auf Chappi ablegte, der sich schon wieder nach vorne teleportiert hatte. Der Schuss mit der Pieke ging dann leider knapp drüber. Spitzkick ist dann halt doch eher was für Alex, der in der Situation mit einem gekonnten Freiburger Spitzkick sicherlich den Torwart, das Netz und den dahinter stehenden Fangzaun zerschossen hätte. Sei es drum. Es blieb beim 2:2 und unser Druck erhöhte sich weiter. Hugo noch mit einer klasse Chance, nachdem er sich im Sechzehner freispielte, aber am Torwart scheiterte. Kurz vor Schluss konnte Sperber dann wieder nicht sauber rausspielen, Jens holte sich auf rechts den Ball, schickte Alex in den Lauf, der von der Grundlinie flach auf Gigi reinspielte, aber wieder wurde die Pille irgendwie von der Linie gekratzt. Pille, nichts gegen dich. Wir hoffen, dass wir dich auch bald mal wieder vom Platz kratzen können.

Die Zeit lief uns langsam davon und der Schiedsrichter zeigte dann auch schon die drei Minuten Nachspielzeit an. Langsam sah es nach einer Punkteteilung aus, aber dabei wurde die Rechnung ohne unser Kapitäns-Duo Koneczny und Chapiewski gemacht. Eine letzte Aktion. Freistoß aus einer Region, aus der Alex bereits gegen Rotation einige saugefährliche Standards reingebracht hat. Er bringt den Ball auf Sechzehnerhöhe, Chappi läuft ein, nimmt den Ball gekonnt mit, umkurvt den Torwart und schiebt dann ein. Gänsehaut pur und der komplette SFC rastet aus. Ralli zerbeißt vor Freude die Linienrichterfahne und bei Chappi bildet sich eine Jubeltraube, die auch einige Verletzte fordert. Völlig verdient machen wir es werderesque und drehen das Spiel als Gastmannschaft von 2:0 auf 2:3, quasi mit dem Buzzer Beater um mal im Sprachjargon unseres Coaches zu bleiben, der ja einen gewissen Narren an diesen Randsportarten aus den USA gefressen hat. Nach dem Wiederanpfiff pfeift der Schiedsrichter dann glücklicherweise auch direkt ab, denn der Substanzverlust beim Jubeln war so groß, dass da niemand mehr koordiniert ein Bein vor das andere setzen konnte. Aber mussten wir dank des Schlusspfiffs ja auch nicht mehr und somit holen wir wohlverdient den ersten Dreier in der Kreisliga B dank einer puren Willensleistung. Mannschaftsvati Kahe wollte direkt nach Spielende bei Shopapotheke eine Ration Doppelherz bestellen, solche Spielverläufe macht man in dem Alter nicht mehr so häufig mit. Wir konnten ihm das zum Glück nochmal ausreden, stattdessen gab es dieses andere Wundermittel, auf das deutsche Kreisligakicker schwören: B-I-E-R! BIER!

Und wie durch ein Wunder wurden nach dem Spiel dann plötzlich auch die super schnellen Brillen rausgesucht. Schnell noch ein neues Mannschaftsfoto mit dem Auswärtsdress geschossen und damit sind wir definitiv auch diese Saison wieder die schönste Mannschaft Berlins. Nun geht es darum, den nächsten Schritt in der neuen Liga zu machen. Dafür geht es am Sonntag erneut nach Spandau. Anpfiff 11.15 Uhr - Wir treffen uns also bereits Samstagabend und übernachten vor Ort. Bringt ja alles nichts. Eine gute Vorbereitung ist alles, damit es dann zum Abpfiff auch durch Brandenburg schallt: SIEG SFC!

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