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Es war ein Abend, an dem der FC Carl Zeiss Jena gewaltig unter dem Druck stand. Vor heimischer Kulisse im Ernst-Abbe-Sportfeld, vor 5.198 Zuschauern, zählte gegen das abgeschlagene Tabellenschlusslicht VFC Plauen einzig und allein der Sieg. Am Ende stand zwar ein 2:1-Erfolg, doch die Art und Weise ließ Raum für Zweifel und Diskussionen.
Trainer Volkan Uluc durfte zwar seinen ersten Sieg nach der Rückkehr ins Jenaer Traineramt feiern, doch die Vorstellung seiner Mannschaft geriet zu einer emotionalen Achterbahnfahrt – geprägt von Dominanzphasen, fehlender Konsequenz und einer spannungsgeladenen Schlussphase, in der die Thüringer beinahe noch zwei Punkte aus der Hand gegeben hätten.
Bereits in den ersten Minuten war zu erkennen, welche Rollenverteilung diese Begegnung prägen würde. Der Gastgeber übernahm vom Anpfiff weg die Spielkontrolle, strukturierte das Aufbauspiel diszipliniert und setzte die tiefstehenden Vogtländer früh unter Druck. Nach neun Minuten verzeichnete der FCC die erste nennenswerte Gelegenheit: Nach einer Ecke kam El Haija zum Kopfball, setzte diesen jedoch knapp am rechten Pfosten vorbei. Plauen hingegen blieb in der Anfangsphase ausschließlich auf defensive Kompaktheit und gelegentliche Konteransätze bedacht.
Der Druck des Favoriten zahlte sich schließlich in der 19. Spielminute aus. Nach einer präzise geschlagenen Flanke von Prokopenko aus dem rechten Halbfeld stahl sich Löder in den Rücken der Abwehr und traf aus kurzer Distanz zum verdienten 1:0. Es war der erlösende Führungstreffer, der dem Spiel jedoch nicht die erwartete Sicherheit verlieh. In der Folge agierte Jena fahriger, ließ den Gegner phasenweise gewähren und offenbarte Unzulänglichkeiten in der Rückwärtsbewegung. Plauen erarbeitete sich erste Abschlüsse, wenngleich diese – wie der Distanzschuss von Martynets in der 29. Minute – keine ernsthafte Gefahr für den aufmerksamen Liesegang im Jenaer Tor darstellten.
Bis zur Halbzeitpause blieb es bei einem knappen Vorsprung, den der FCC zwar kontrollierte, aber nicht souverän verwaltete. Plauen zeigte Moral, jedoch zu wenig Präzision im Offensivspiel, um die Thüringer ernsthaft in Bedrängnis zu bringen. Die Gelben Karten für Prokopenko (33.) und Will (45.) unterstrichen das zunehmend körperbetonte Spiel im Mittelfeld.
Nach dem Seitenwechsel zeigte sich Jena zunächst von seiner stärkeren Seite. Direkt nach Wiederanpfiff kam Zank aus der Distanz zum Abschluss, doch Pieles im Plauener Tor reagierte glänzend. Die stärkste Phase der Gastgeber gipfelte schließlich in der 50. Spielminute, als Seidemann nach einem Ballverlust des VFC im Mittelfeld Maß nahm und den Ball sehenswert ins lange Eck schlenzte. Das 2:0 wirkte wie ein Beruhigungsmittel für das Publikum – jedoch nicht für die Mannschaft.
Anstatt die Begegnung nun kontrolliert zu Ende zu spielen, verfiel Jena erneut in Nachlässigkeiten. Ein fast schon fahrlässig vergebener Alleingang von Prokopenko (59.), bei dem der Angreifer zu zögerlich agierte und die Kugel an Pieles verlor, stand symptomatisch für die fehlende Kaltschnäuzigkeit im Abschluss. Chancen durch Butzen (63.) und Gipson (86.) blieben ebenso ungenutzt. Die Mannschaft versäumte es, den berühmten Deckel auf diese Partie zu setzen.
Plauen hingegen witterte in der Schlussphase die Chance auf den Anschlusstreffer. Der eingewechselte Morozov brachte neuen Schwung, und in der 67. Minute verfehlte Winter das Jenaer Gehäuse nur knapp. Der größte Moment für die Vogtländer sollte jedoch in der 89. Minute folgen: Nach einem Ballverlust der Thüringer landete der Ball bei Kämpfer, der mit Entschlossenheit zum 2:1 einschob. Die Partie stand plötzlich wieder auf Messers Schneide.
In der dreiminütigen Nachspielzeit stemmte sich der FCC gegen das drohende Unentschieden, während Plauen noch einmal alles nach vorn warf. Doch letztlich blieb es beim knappen Erfolg für die Thüringer, der zwar den Anschluss ans Tabellenmittelfeld sichert, aber wenig Anlass zur Euphorie bietet.
Jena erfüllte die Pflichtaufgabe gegen tapfer kämpfende Plauener nur bedingt überzeugend. Die strukturellen Defizite im Offensivspiel und die Nachlässigkeiten in der Schlussphase müssen in den kommenden Wochen dringend abgestellt werden, will man die Saisonziele nicht frühzeitig aus den Augen verlieren. Für den VFC Plauen bleibt der Abend trotz ansprechender Moral ein weiterer Rückschlag im zermürbenden Kampf gegen den Abstieg.