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Mit einer gleichermaßen disziplinierten wie variantenreichen Vorstellung hat der FC Carl Zeiss Jena beim SV Babelsberg 03 ein deutliches Ausrufezeichen im Endspurt gesetzt. Der 4:1-Auswärtssieg vor 3.584 Zuschauern im Karl-Liebknecht-Stadion dokumentierte nicht nur die individuelle Klasse und taktische Reife der Thüringer, sondern offenbarte auch die strukturellen Defizite der Babelsberger.
Bereits zur Pause lag Jena nach Treffern von Top-Torjäger Weinhauer und Tattermusch verdient in Führung, ehe Werbelow kurz vor dem Halbzeitpfiff für ein kurzes Aufbäumen der Hausherren sorgte. In der zweiten Hälfte stellte Hessel mit einem sehenswerten Distanzschuss die Weichen endgültig auf Sieg, Seidemann sorgte kurz vor Schluss für den Schlusspunkt.
Von Beginn an trat der FC Carl Zeiss Jena mit sichtbarem Selbstvertrauen auf. In einer zunächst taktisch disziplinierten und beidseitig abwartenden Anfangsphase nutzten die Gäste die erste echte Gelegenheit zur Führung: Nach einem zentralen Freistoß durch Muqaj, der noch am Pfosten landete, reagierte Weinhauer in der 20. Minute am schnellsten und schob den Abpraller an Keeper Stein vorbei ins verwaiste Tor – sein 17. Saisontreffer, der ihn in der Torjägerliste der Liga weiter davonziehen lässt. Der Treffer verlieh Jena merklich Rückenwind, die Gäste übernahmen das Kommando im Mittelfeld, kombinierten zunehmend flüssiger und agierten mit einer hohen Positionsvariabilität im vorderen Drittel.
Die Folge: Nur neun Minuten später erhöhte Tattermusch mit einem echten Highlight-Tor auf 2:0. Der Angreifer nahm einen unzureichend geklärten Ball am linken Strafraumeck auf, drehte sich einmal um die eigene Achse und versenkte die Kugel mit dem linken Fuß präzise im oberen rechten Winkel – ein Treffer der Kategorie »Tor des Monats«, der die Babelsberger Defensive ins Mark traf und die Thüringer Dominanz unterstrich.
Erst mit zunehmender Spielzeit wachte die Mannschaft von SVB-Trainer Ronny Ermel aus ihrer Lethargie auf. Zunächst entwickelte sich ein zaghafter Vorwärtsdrang, ehe in der 43. Minute die erste Ecke der Partie prompt den Anschluss brachte. Nach einem präzise getretenen Standard von Silic stieg Werbelow am zweiten Pfosten hoch und köpfte aus kurzer Distanz wuchtig ein – ein Treffer aus dem Nichts, der Babelsberg vor der Pause ins Spiel zurückbrachte und kurzzeitig das Momentum kippte.
Mit dem 1:2 im Rücken kamen die Gastgeber engagiert aus der Kabine. Jena wirkte zu Beginn der zweiten Hälfte fahrig, verlor die Kontrolle im Zentrum und wurde mehrfach in die eigene Hälfte gedrängt. Besonders der eingewechselte Didoss setzte Akzente im Eins-gegen-Eins und brachte Unruhe in die blau-weiße Abwehrkette. Doch die Offensivaktionen der Gastgeber blieben im letzten Drittel zu unpräzise, ein Manko, das sich wie ein roter Faden durch Babelsbergs Saison zieht.
Gerade in jener Phase, in der Babelsberg dem Ausgleich nahe war – Zeiger hatte in der 66. Minute eine gute Gelegenheit nach unübersichtlichem Getümmel im Strafraum –, setzte Jena den entscheidenden Konter: Weinhauer tankte sich durch die rechte Außenbahn, sein Schuss wurde geblockt, doch der Abpraller landete bei Hessel, der aus 25 Metern Maß nahm und den Ball mit perfekter Schusstechnik in den rechten Torwinkel schweißte – ein Strahl, der nicht nur die Partie entschied, sondern auch die aufkeimende Babelsberger Hoffnung im Keim erstickte (70.).
Mit dem 3:1 im Rücken kontrollierte Jena die Partie souverän, verlegte sich auf Kompaktheit und vertikale Umschaltmomente. Die Filmstädter hingegen verloren zusehends die spielerische Linie, agierten ideenlos im Aufbau und ließen in der Rückwärtsbewegung zunehmend Räume. In der 88. Minute nutzte Jena einen dieser Räume konsequent: Nach einem Schnellangriff über drei Stationen war es Weinhauer, der uneigennützig auf den mitgelaufenen Seidemann querlegte – der Joker hatte keine Mühe, zum 4:1-Endstand einzuschieben.
Die Gäste aus Thüringen zeigten eine reife Vorstellung, spielten mit klarem Plan, effizienter Chancenverwertung und hoher taktischer Disziplin. Auffällig: Die Rolle von Weinhauer als Raumöffner und Ballverteiler im offensiven Zentrum – eine moderne Neuner-Interpretation, die das Spiel seiner Mannschaft erheblich prägt. Auf Seiten der Hausherren bleibt anzumerken, dass die defensive Anfälligkeit in entscheidenden Momenten zu groß ist, um sich aus dem unteren Tabellendrittel zu befreien. Auch wenn der Klassenverbleib rechnerisch fast sicher ist, bleibt die Formkurve bedenklich flach.