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Ein frühes Tor, ein starker Rückhalt und ein diszipliniertes Kollektiv haben Carl Zeiss Jena die Rückkehr an die Tabellenspitze der Regionalliga Nordost beschert. Beim 1:0-Heimerfolg über Hertha BSC II genügte dem Team von Volkan Uluc eine abgeklärte Vorstellung, um den spielerisch ambitionierten, aber im letzten Drittel harmlosen Nachwuchs der Berliner in die Schranken zu weisen.
Vor 8.092 Zuschauern in der ad hoc Arena war es ausgerechnet Kapitän Nils Butzen, der in der 5. Minute per Kopf den goldenen Treffer erzielte – eine Szene, die den Unterschied zwischen Reife und jugendlicher Unschärfe exemplarisch offenbarte.
Beide Mannschaften betraten das Feld unter dem Banner der „Aufstiegsreform 2025“ – Symbol einer Regionalliga, die um sportliche Fairness ringt. Was dann folgte, war ein Spiel mit klaren Rollenverteilungen: Die Gäste aus Berlin ließen den Ball laufen, suchten Struktur, hatten über Ajvazi und Ben-Hatira gute Momente, doch Jena setzte die Akzente. Mit dem ersten konstruktiven Angriff schlugen die Thüringer eiskalt zu: Der überragende Prokopenko setzte sich auf der linken Außenbahn mühelos durch, seine punktgenaue Flanke nickte Butzen aus kurzer Distanz per Aufsetzer an die Unterlatte und von dort ins Tor (5.).
Hertha II zeigte sich nicht geschockt, hielt weiter an der eigenen Idee fest, wurde jedoch kaum konkret. Die Dreierreihe hinter den Spitzen blieb oft isoliert, Rölke und Trus hingen durchweg in der Luft. Jena hingegen hätte frühzeitig alles klar machen können: Erst scheiterte Eshele in der 36. Minute freistehend vor dem leeren Tor, dann verfehlte Lankford nach einem abgewehrten Ball von Smarsch aus elf Metern das Ziel (62.). Immer wieder war es Prokopenko, der mit Tempo, Technik und Übersicht für Unruhe sorgte, ehe er nach einer Stunde unter Applaus das Feld verließ.
Mit zunehmender Spieldauer nahm die Partie an Härte zu. Zahlreiche Gelbe Karten auf beiden Seiten, ruppige Zweikämpfe und hitzige Diskussionen brachten Schiedsrichter Schipke mehrfach an seine Grenzen. Bei allem Kampf mangelte es Hertha II jedoch an klaren Abschlüssen. Auch die Umstellungen durch Trainer Selch, der Traoré, Bellomo und Gouram brachte, verpufften wirkungslos. Am gefährlichsten wurde es noch durch einen abgefälschten Freistoß Hessels, der an die Latte klatschte (78.).
Die letzte Chance, das Ergebnis ins rechte Licht zu rücken, ließ Joker Seidemann liegen, als er in der 90. Minute gemeinsam mit Eshele auf den Keeper zulief, aber das Abspiel verzögerte und am glänzend reagierenden Smarsch scheiterte. Eshele brachte auch den Nachschuss nicht im Tor unter – symptomatisch für die fahrlässige Chancenverwertung der Hausherren, die sich dennoch auf eine stabile Defensive und den aufmerksamen Liesegang im Tor verlassen konnten.
Unterm Strich war es ein Sieg der Reife, der Disziplin und der klaren Struktur. Während Hertha II das Spiel oft optisch dominierte, war es Jena, das die wichtigen Räume kontrollierte und die wenigen, aber hochkarätigen Chancen konsequent kreierte. Der Lohn: Platz eins nach zwei Spieltagen, ein Torverhältnis von 5:1 und eine Mannschaft, die sich nach der Enttäuschung der Vorsaison neu gefunden hat – nicht glanzvoll, aber griffig.