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Jena nutzt den Freitagabend, um die Tabellenführung zu erobern – und demonstriert dabei, was ein Spitzenreiter auszeichnet: Kaltschnäuzigkeit in den Schlüsselmomenten. Der BFC war über weite Strecken die gefälligere Mannschaft, verließ die Arena jedoch mit leeren Händen. Butzen (4.) und Prokopenko (37.) legten vor, Stein verkürzte per Elfmeter (65.), ehe Seidemann den Deckel draufmachte (90.+3).
Der Auftakt gehörte dem Favoriten – und dem Kapitän. Nach einer zunächst geklärten Ecke landete der Ball hoch vor dem Sechzehner bei Nils Butzen, der die Kugel technisch sauber per Volley ins lange Eck setzte (4.). Der frühe Rückstand beeindruckte den Aufsteiger wenig: Berlin übernahm sofort die Regie, presste sauber in die Halbräume und kam zu klaren Abschlüssen. Brehmer verzog knapp (14.), Adekunle prüfte aus spitzem Winkel Liesegang (18.), dann verpasste Meyer im Fünfmeterraum die Kontrolle (23.). Die größte Chance egalisierte Hessel, der nach Steins Kopfball am langen Eck für den bereits geschlagenen Torhüter auf der Linie rettete (25.).
Jena war in dieser Phase im Rückwärtsgang, hielt die Kompaktheit aber hoch und lauerte auf den Umschaltmoment – mit Wirkung. Über links zog Talabidi an, setzte seinen Körper klug ein und fand mit Übersicht den zentral einlaufenden Prokopenko, der zum 2:0 einschob (37.). Preussen verlor für Minuten die Leichtigkeit, Jena stand zweckmäßig und nahm den Vorsprung mit in die Pause.
Nach Wiederbeginn blieben die Gäste am Drücker: Breitkreuz’ Distanzversuch zwang Liesegang zum Nachfassen (56.), zuvor war eine schöne Kombination am Strafraumabschluss verpufft (49.). Der FCC wich dem offenen Schlagabtausch aus, dosierte das Risiko und suchte die klaren Konterlinien; gleich zwei vielversprechende Umschaltmomente spielten die Blau-Gelben unsauber aus (52., 57.). Spätestens in Minute 62 stellte Trainer Volkan Uluc sichtbar um: gegen den Ball mit Fünferkette, davor doppelt besetzt im Sechserraum – die Mitte war zu.
Dann kippte die Statik: Butzen traf den eingewechselten Ramadan im Strafraum, Schiedsrichter zeigte auf den Punkt; Stein blieb kühl und verlud Liesegang (65.). Im anschließenden Gerangel sahen Liesegang und Hessel Gelb, auf Berliner Seite Brandt und Adekunle (66.). Jetzt roch es nach Doppelschlag: Ramadan brach halblinks durch, legte quer auf Adekunle – doch erneut war Hessel auf der Linie zur Stelle (68.). Uluc reagierte, brachte Hoppe für Oduah (74.), später Seidemann und Werner (83.), um Tiefe und Frische für die Konter zu sichern. Berlin drückte, kam über Standards, doch Jena verteidigte konsequent Raum und Zentrum; Reddemanns Abschluss nach einer minimalistisch besetzten Ecke blieb die beste Heimchance in dieser Phase (81.).
Als Preussen alles nach vorn warf, entschied ein sauberer Konter die Partie. Seidemann sprintete in die offene Berliner Hälfte, blieb im Eins-gegen-Eins stabil und schob trocken zum 3:1 ein (90.+3). Kurz darauf verabschiedete Uluc seinen Kapitän Butzen und den fleißigen Lankford (90.+5), die Gelbverwarnten (u. a. Talabidi, 87.) brachten den Vorsprung abgekocht über die Zeit.
Unterm Strich steht ein Ergebnis mit Schlagseite, aber ohne Zufall: Jena traf in den Momenten, in denen Spiele kippen, und verteidigte in der heiklen Phase nach dem Anschluss mit erwachsener Ruhe. Preussen nahm viel Positives mit – Struktur, Mut, Tiefe –, scheiterte jedoch an der Linie und am letzten Ball. Jena grüßt von oben; in dieser Form mehr als eine Momentaufnahme.
Preussens Spielanlage war reif, Jenas Auftritt die Quintessenz eines Spitzenreiters: früh zugeschlagen, Umschaltwege genutzt, Druckphasen überstanden. Der Elfmeter brachte kurz Unwucht, die Reaktion danach war die einer Mannschaft, die weiß, wann sie das Tempo drosseln und wann sie zustechen muss.