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Ein Auswärtssieg aus der Kategorie reif und abgeklärt: Rot-Weiß Erfurt nahm dank eines furiosen Auftakts und großer Leidensfähigkeit im zweiten Durchgang drei Punkte aus dem Karl-Liebknecht-Stadion mit. Vor 3.391 Zuschauern reichten zwei frühe Nadelstiche – Mensah per Kopf nach Einwurf (4.) und Caciel mit einem trockenen Schlenzer in den Winkel (6.).
Erfurt erwischte die Hausherren auf dem falschen Fuß und erledigte die Pflichtaufgaben des Spitzenfußballs in Rekordzeit. Erst wuchtete Mensah einen verlängerten Einwurf aus kurzer Distanz ins Netz, dann zog Caciel von links nach innen und traf mit viel Schnitt oben links – 0:2 nach sechs Minuten, der »KarLi« verstummte. In der Folge stabilisierte sich 03 langsam, suchte den Anschluss über Distanzschüsse und Standards. Otto blieb jedoch Herr der Lage: Gegen Didoss (15.) und einen flachen Müller-Freistoß (20.) parierte der RWE-Keeper sicher. Auf der Gegenseite setzten Wolf (27.) und nach Freistoßflanke Schwarz (25., Außennetz) Zeichen, ehe Babke mit mutigem Ausflug vor Mensah klärte (33.). Erfurts Doppelführung zur Pause war verdient, weil strukturierter, robuster in den Duellen und zielstrebiger im Umschalten.
Zur zweiten Hälfte wechselte Babelsberg doppelt (Dahlke, Schätzle) und legte sichtbar zu. Müller zwang Otto früh zum Eingreifen (47.), Flanke um Flanke segelte nun in den Erfurter Strafraum. Erst blieb ein mögliches Foul an Werbelow ohne Pfiff (55.), dann zeigte Schiedsrichter Kluge auf den Punkt: Caciel hatte im Strafraum die Hand am Ball. Covic wählte die Gewaltvariante – und setzte den Ball aus elf Metern mittig über das Tor (56.). Der vergebenen Großchance trauerte 03 spürbar nach, gleichwohl blieb der Druck hoch. Didoss’ scharfe Hereingabe verpasste Schätzle um Zentimeter (64.), Müller traf später nur das Außennetz (77.).
Erfurt litt konzentriert. Trainer Fabian Gerber zog die Linie tiefer, formierte die Zentrale enger und setzte auf Konter – allerdings mit fehlerhafter Ausführung: Fehler verzögerte zweimal zu lange in Überzahlsituationen (60./63.). Frische Beine (Adesida, 69.; später Golubytskij und Durakov, 84.) brachten Entlastung, ohne die endgültige Entscheidung herbeizuführen. Defensiv ragten Schwarz und Boboy heraus, die im Kopfballspiel dominierten und die Box konsequent bereinigten. Die letzten Minuten gehörten noch einmal den Gastgebern: Bürger köpfte nach Ecke über den Querbalken (90.+5). Dazwischen sorgten Hektik und Verwarnungen für Brüche (Gelb u. a. Müller, 59., Didoss, 73., Boboy, 86., Kastenhofer, 90.+1), Adesida musste nach Zusammenprall gestützt vom Feld (90.).
Unterm Strich präsentierte sich Erfurt wie ein Auswärtsteam mit Aufstiegsanspruch: früh zuschlagen, danach die Räume verdichten, Rhythmus und Emotion des Gegners aus dem Spiel nehmen. Babelsberg hingegen bestätigte die Heimprobleme der Saison: ordentliche Anlage, viel Vorwärtsdrang nach Wiederanpfiff – aber fehlende Effizienz im Strafraum und der verschossene Strafstoß als Zäsur. So blieb es beim „Arbeitssieg plus“ für RWE, der den Anschluss nach oben wahrt.
Erfurt paart Blitzstart mit Widerstandsfähigkeit und übersteht Babelsbergs Druckphase, weil Otto sicher ist und die Innenverteidigung kaum etwas zulässt. Babelsberg schöpft aus einer starken zweiten Hälfte Zuversicht, zahlt aber den Preis für den Elferfehlschuss.