Melden von Rechtsverstößen
Chemie hat im Alfred-Kunze-Sportpark eine Duftmarke gesetzt. Nach einem Schockstart und frühem Rückstand gegen mutige Berliner drehte die Elf von Alipour die Partie mit klarem Plan, guter Staffelung und kalter Präzision im letzten Drittel. Ratifo, Hoffmann und Kapitän Mäder vollendeten drei sauber vorbereitete Angriffe.
Hertha traf eiskalt mit dem ersten Angriff. Keine zehn Sekunden nach Anpfiff war Chemies Hintermannschaft noch im Sortieren, Berner legte zentral ab, Telib stand frei und schob trocken zum 0:1 ein (1.). Die Leutzscher brauchten fünf, sechs Minuten, um Puls und Passhöhe zu finden, doch dann griff das 4-2-2-2: Seidel und Aliji zogen das Zentrum enger, die Außen schoben höher. Der Ausgleich fiel als lehrbuchhafte Antwort – Aliji hob den Ball mit feinem Chip in den Lauf von Ratifo, der aus spitzem Winkel wuchtig ins lange Eck traf (9.).
Die BSG blieb am Gas. Enke trieb an, Hoffmann band die Tiefe, Mäder suchte früh die Halbräume. Chancen entstanden zunächst aus Dynamik statt aus Ruhe – bis Chemie das Tempo situativ drosselte, die Passwege sortierte und Herthas Achterlaufwege besser aufnahm. Die Berliner verteidigten kompakt, setzten aber mit Ben-Hatiras Standards Nadelstiche; Horenburg blieb aufmerksam. Die Führung der Gastgeber war dann Ausdruck der Spielkontrolle: Ratifo behauptete rechts, legte in den Halbraum, Hoffmann nahm den Ball mit dem ersten Kontakt mit und jagte ihn flach ins kurze Eck – 2:1 (38.). Kurz vor der Pause scheiterte Mäder aus der Distanz an Heide (44.), dennoch ging Chemie mit Oberwasser in die Kabine.
Hertha reagierte heftig: Dreifachwechsel zur Pause (Gouram, Traore, Ogbaidze), dazu höheres Pressing und frühe Aktionen über die linke Seite. Die BSG wackelte kurz, blieb in der Box aber konsequent; Wendt und Enke räumten weg, Horenburg pflückte eine Gouram-Hereingabe (53.). Auf der Gegenseite setzte Chemie Nadelstiche: Mäder lief einmal frei durch, wurde wegen Abseits zurückgepfiffen (50.), später verpasste Hoffmann einen langen Einwurf von Ratifo um Zentimeter (59.).
Mit zunehmender Spieldauer kippte die Balance wieder zu den Hausherren. Aliji gewann wichtige Zweikämpfe am eigenen Sechzehner (69.), Chemie schob die Linie heraus und suchte das dritte Tor – und fand es in bestechender Klarheit. Ratifo löste sich auf rechts, passte im richtigen Moment in den Lauf von Mäder, der den Angriff mit zwei kraftvollen Schritten und einem flachen Abschluss ins lange Eck vollendete (74.). Ein Treffer, der die Statik brach: Hertha rannte nun, Chemie verteidigte im Verbund, lauerte auf Konter.
In der Schlussphase brauchten die Grün-Weißen dennoch einen starken Keeper. Erst nahm Horenburg Ben-Hatira aus fünf Metern den Anschluss vom Fuß (83.), dann parierte er Richters verdeckten Schuss im Nachfassen (90.). Zwischenzeitlich hätten Hoffmann (88.) und der eingewechselte Timpelan (90.+2) das Ergebnis höher schrauben können. Die Gelben Karten gegen Mäder sowie Berner und Gouram blieben Randnotizen eines Duells, das über Struktur und Effektivität entschieden wurde.
Chemie zeigte nach dem Kaltstart eine erwachsene Reaktion: enger im Zentrum, klarer in den Laufwegen, zielstrebiger im Abschluss. Hertha II brachte aus dem Wechsel-Schwung nach der Pause zu wenig Durchschlagskraft mit – an Horenburg vorbei kam nichts mehr.