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Der VfB Lübeck zeigte beim TSB Flensburg, warum er zum engeren Favoritenkreis zählt: Kompakt, ballsicher, hohes Tempo und ein aggressives Forechecking und vor dem Tor gnadenlos effektiv.
Die Vorzeichen: Es war wahrlich kein Wetter für Schönspieler. Typisch norddeutsches Schmuddelwetter, Nieselregen, der zeitweise fast waagerecht über den Schützenhof peitschte – und das über die kompletten 90 Minuten. Dazu wartete mit dem VfB Lübeck eine der spielstärksten Mannschaften der A-Junioren-Oberliga auf den TSB. Die Flensburger hatten nach drei Spielen erst einen Punkt auf dem Konto, konnten diesmal aber immerhin wieder auf einen kompletten Kader zurückgreifen.
Der VfB ließ dem TSB von Beginn an kaum Zeit für einen kontrollierten Spielaufbau. Die Flensburger hielten mit Einsatz und Kampfgeist dagegen, doch Lübeck war in den entscheidenden Situationen zunächst einfach einen Tick schneller und viel abgeklärter.
Nach gerade einmal acht Minuten schlug es erstmals im TSB-Tor ein. Über die linke Seite kombinierten sich die Gäste durch, Mayor Lufua vollendete zum 0:1. Vorausgegangen waren individuelle Fehler in der TSB-Defensive. Und Lübeck blieb gnadenlos effektiv. „Gefühlt fünf Schüsse – fünf Tore. Was für eine Effektivität! Klar gehört auch Glück dazu, aber wir machen eben die Fehler, die so etwas ermöglichen“, ärgerte sich TSB-Coach Erdal Kösgeroglu nach der Partie.
Bis zur 35. Minute schraubte der VfB das Ergebnis auf 0:4. Dabei hatte der TSB durchaus Ballbesitzphasen, fand gegen die kompakte Lübecker Defensive im letzten Drittel aber zu selten die entscheidende Lücke. Die Kicker von der Trave spielten körperbetont, zweikampfstark und mit jener gewissen Abgezocktheit und Cleverness, die in engen Oberligapartien den Unterschied machen kann, dazu schalteten sie nach Ballgewinnen blitzschnell um.
Doch dann veränderte das TSB-Trainerteam die Statik der Partie: Nach längerer Verletzungspause rückte Musa Kösgeroglu ins Sturmzentrum. Und plötzlich war Feuer drin! Nur zwei Minuten später verkürzte Musa selbst auf 1:4. Weitere fünf Minuten später war es der unermüdliche Julien Cho-Fischer, der den TSB mit dem 2:4 wieder ins Spiel brachte.
Das Momentum schien tatsächlich zu kippen. Über die linke Angriffsseite rollten nun gefährliche Flanken in den VfB-Strafraum, die TSB-Offensive bekam deutlich mehr Zugriff. Doch ausgerechnet in dieser starken Phase leisteten sich die Flensburger einen bitteren Fehler.
Kurz vor der Pause eroberten sie den Ball von den Lübeckern nahe der eigenen Grundlinie. Statt das Leder nahe der Eckfahne ins Aus zu spielen, wurde es jedoch quer ins Zentrum geklärt. Dort stand der VfBer Taritas völlig frei und nahm den Ball aus rund 16 Metern direkt – unhaltbar zum 2:5. Ein Gegentreffer zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt.
Und der Rückschlag wirkte nach. Gerade einmal zwei Minuten waren nach dem Seitenwechsel gespielt, da erhöhte Lübeck auf 2:6. „Wir haben nochmals offensiv gewechselt, aber es war dann sehr schwer, die Jungs mit diesem Ergebnis im Rücken nochmals aufzubauen“, erklärte Kösgeroglu.
Aufgegeben hatte sich der TSB allerdings keineswegs. Die Flensburger kämpften weiter, suchten ihre Möglichkeiten und blieben engagiert. Einige Abseitsentscheidungen sorgten dabei auf beiden Seiten für Diskussionen, wobei das Schiedsrichtergespann nicht immer auf einer Linie wirkte. Aus den gut gefüllten Rängen wurde der Unmut darüber zunehmend hörbar.
In der Schlussphase öffnete der TSB noch einmal komplett und wurde dafür von den konterstarken Gästen bestraft. Zwei weitere gut ausgespielte Gegenangriffe führten zu den Lübecker Treffern sieben und acht. Doch auch der TSB durfte noch einmal jubeln: Tim Johannsen packte einen echten Hammer aus und drosch das Leder sehenswert genau in den Winkel – am Ende stand das 3:8.
Das Ergebnis fiel am Ende deutlich aus, der Sieg des VfB war jedoch verdient. Lübeck zeigte sich über weite Strecken abgeklärter und vor allem vor dem Tor gnadenlos effizient. Für den TSB bleibt trotz der Niederlage einiges Positives: drei eigene Treffer, eine starke Reaktion nach dem 0:4 und vor allem die Erkenntnis, dass die Mannschaft auch gegen einen Topgegner nicht einfach den Kopf in den Sand steckt.
„Wir müssen den Mund abwischen, nächste Woche wartet Kronshagen. Die Ansätze bei uns sind da, wir müssen weiter daran arbeiten. Fehler werden in der Oberliga eiskalt bestraft, das haben wir heute gesehen. Wir machen ja Tore, müssen aber hinten raus robuster stehen und insgesamt unangenehmer auftreten“, blickt Erdal Kösgeroglu bereits nach vorn.
Weiter geht’s. Und genau darum geht es jetzt: Hinfallen, Aufstehen, Fehler analysieren und in Kronshagen wieder angreifen.