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Nach 18 Jahren hat es der SV Manslagt zur Saison 2026/27 wieder geschafft, eine eigene Mannschaft anzumelden, vorher kickten die Männer des 423 Einwohner zählenden Dorfes in einer Spielgemeinschaft mit umliegenden Dörfern. Der Platz soll nächstes Jahr eine neue Drainage erhalten; die alte ist 60 Jahre alt, was nicht immer einen funktionsunfähigen Rasenplatz zur Folge hat, hier direkt an der nassen Küste aber schon. Der Nebenplatz hat gerade einen Zaun erhalten, der Ball fliegt nun nicht mehr auf die umliegenden Felder. Vereinsheim, überdachter Bereich mit Bratwurststand, daneben ein professionell geteerter Versammlungsplatz unter freien Himmel; jeder dritte Manslagter ist Mitglied des Sportvereins, das macht vieles möglich, mehr über Eigenarbeit als über Geld.
Der Name des Dorfes lässt eine kampfbereite Fußballmannschaft vermuten, denn in Manslagt steckt das altfriesische Wort Mannslachta, was Totschlag heißt. Die Namensherkunft ist umstritten, Totschlag passt aber schon deswegen, weil man im dreißigjährigen Krieg eine 14-monatige „Schreckensherrschaft“ (Wikipedia) zu überstehen hatte. Im Kollektivgedächtnis scheint das keine Rolle zu spielen, jedenfalls konnte mich niemand über den Dorfnamen aufklären. „Irgendwas mit Männern“, meinte eine Zuschauerin.
Womit wir beim Spiel wären. „Wir sind die bessere Mannschaft. Weiter Jungs,“ brüllte ein Führungsspieler vom SV Mansgalt, einer der beiden Innenverteidiger, über den Platz, nachdem die Westerender kurz vor dem Halbzeitpfiff das Anschlusstor zum eins zu zwei geschossen hatten. Er hatte recht; es war nicht abzusehen, dass der Gegner gefährlich vor dem Manslagter Tor auftauchen konnte, zu deutlich hatten die Manslagter das Spiel beherrscht. Fußball ohne das Ziel, gewinnen zu wollen, bringt nicht richtig Spaß und die Manslagter wollten Spaß – und somit gewinnen: Raumaufteilung, Gegnerabdeckung, Absicherung, sogar Tiefenläufe waren steter Teil der Kommunikation zwischen den Mansgaltern; man muss es ernst meinen mit dem Fußballspiel und seinen Gesetzmäßigkeiten, sonst braucht man nicht auflaufen, egal, ob man nun in der 11. Liga oder einige Etagen höher spielt. Leicht genervt schaute der besagte Führungsspieler des SV Mansgalt, als zur Halbzeit gepfiffen wurde. Den Gegentreffer hätte man sich sparen können.
Nach 90 Minuten gab es für keinen Mansgalter Spieler mehr einen Grund, unzufrieden zu sein. Vier weitere Tore folgten; je länger das Spiel dauerte, desto mehr wurde auch die körperliche Fitness der Manslagter ausschlaggebend. Die Ballstaffetten wurden länger; ein begnadeter Stürmer des SVM, der wohl auch in der Bezirksliga spielen könnte, tänzelte mehr als einmal in eins zu eins-Situationen durch die gegnerischen Reihen, wenn ich mich nicht irre, traf er auch selbst. Stockfehler waren selten, die relative Ballsicherheit war beeindruckend; es ist oft nur eine Frage des Zufalls, der Förderung, des Willens, der zeitlichen und familiären Umstände, welcher Fußballer als Profi spielt und wer in Liga 11.
103 Zuschauer samt Ergänzugsspieler und Staff, unglaublich – man denke an die Einwohnerzahl. Für die Zählung begab ich mich in der ersten Halbzeit auf die einsame Gegengerade, dort konnte ich trotz einfallender Sonne alle Anwesenden erfassen, einschließlich von zehn Kindern, die das Spiel zum Anlass nahmen, selbst gegen den Ball zu treten und sich bald auf dem Nebenplatz austobten. Dem SV Mansgalt ist zu wünschen, dass er bald die Flutlichtanlage des inaktiven Nachbarvereins bekommt, wie mir der zweite Vorsitzende des Vereins erläuterte – dafür braucht man einen Kleinunternehmer mit entsprechendem Fahrzeug, der den Transport der Flutlichtmäste als Sponsorentätigkeit verbucht. Abendspiele in Mansgalt, das würde der spannenden Dorfgeographie – von einer die zehn Hektar umfassende ehemalige Warft gebauten Ringstraße spinnt sich in eine Richtung ein uriges Wegenetz – die Krone aufsetzen.
Die Pommes schmeckten richtig gut, das ist bei Mc Donalds bekanntlich nicht immer so. Ich wurde gefragt, ob ich vom Filmteam sei (man sah sofort, wer hier noch nie war), was ich neugierig verneinte, leider ergab sich kein Gespräch. Eine Zuschauerin sprach die Hoffnung aus, dass der Verein aufsteigt, "die Ostfrieslandliga wäre ein Traum". Man muss wissen, dass das die zweithöchste ostfriesische Liga ist, direkt unter der Bezirksliga, einstufig, Einzugsbereich von über 280 Vereinen. Illusion für so ein kleines Dorf? Nicht zwingend, der Grün-Weiß Firrel, dessen Wohnort auch nur 800 Einwohner hat, spielte bis letztes Jahr lange in der Landesliga, nach Kickers Emden die zweitbeste Mannschaft Ostfrieslands. Voran SV Mansgalt, im Moment seid ihr nach sechs Spieltagen mit 15 Punkten in der elf Mannschaften umfassenden ersten Staffel der 3. Kreisklasse (Ostfrieslandklasse C1) Spitzenreiter!